Austausch mit Alemannia Fan-IG eskaliert

Von: Christoph Pauli
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Krisensitzung am Tivoli: Das Alemannia-Präsidium steht vor noch mehr ungeahnten Problemen. Dennoch sind Oliver Laven, Helmut Kutsch und Horst Reinig (v.l.) entschlossen, weiter gemeinsam für den Verein zu kämpfen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Über den Verlauf des Abends gibt es unterschiedliche Versionen. Alemannias Vize-Präsident Helmut Kutsch informierte die Fan IG über die Pläne, die vorgeschriebene Mitgliederversammlung zu verschieben. Ein klarer Satzungsverstoß, doch Kutsch und Kollegen geben gewichtige Gründe an.

Der Jahresabschluss 2012 – und darum geht es bei einer Zusammenkunft – lässt sich nicht fertigstellen, solange das Risiko aus dem Kölmel-Prozess noch besteht. Kommt es zu keiner Einigung mit dem Rechtehändler, der vor dem OLG in einer guten Ausgangslage zu sein scheint, ist der Verein insolvent. Die Versammlung soll zeitnah stattfinden, wenn die Gespräche mit der Kölmel-Partei abgeschlossen sind.

Der Austausch bei der Fan IG jedenfalls eskalierte, Vorsitzender André Bräkling spricht von einer „unglücklichen Reaktion“ Kutschs. Der Vize-Präsident sei keinesfalls schlecht behandelt worden. „Aber natürlich herrscht im Verein eine gewisse Nervosität. Die Fans haben nach der Vorgeschichte wenig Vertrauen zu den Handelnden. Sie wollen einfach rechtzeitig informiert werden.“ Kutsch dagegen fühlte sich attackiert, verließ wütend den Saal, kündigte noch in der Nacht den Rücktritt an.

Im Forum durfte er zu Hause lesen, dass „das Pack endlich verschwinden soll“. An anderer Stelle wurde die Crew als „Totengräber“ beschrieben. Man kann wohl sagen, dass auf beiden Seiten die Nerven blank liegen. Die Mitglieder verweisen auf ihr verbrieftes Recht, zusammengerufen und informiert zu werden. Das Präsidium dokumentiert den hohen ehrenamtlichen Einsatz, um den Verein vom Sterbebett zu holen. „Die Schmerzgrenze ist erreicht“, sagt das Präsidium unisono. Sie wollen den Verein retten, aber sich nicht verunglimpfen lassen. „Wir lassen die Anfeindungen nicht mehr unkommentiert“, sagt Kutsch, der sich vorerst überzeugen ließ, an Bord zu bleiben. Ein Rückzug wäre naheliegend und wohl auch nervenschonend, aber weglaufen wolle man nicht.

Am Donnerstag legte die Gruppe in einem Pressegespräch offen, wie schwierig die Ausgangslage beim Amtsantritt vor einem Jahr gewesen ist. „Wir haben Probleme vorgefunden, deren Ausmaß überhaupt nicht bekannt und vorstellbar war“, sagt Schatzmeister Oliver Laven. „Es bestand zum Beispiel eine Vereinbarung mit der Alemannia Aachen GmbH, für 85.000 Euro alle administrativen Tätigkeiten für den TSV zu erledigen. Dies ist trotz der Vereinbarung nicht geleistet worden.“ Buchhaltung und Mitgliederverwaltung lagen seit Monaten brach. „Wir haben die Buchhaltung aufgearbeitet und dabei immer mehr festgestellt, dass viele Rechnungen nicht gebucht oder nicht bezahlt waren.“

Die Folge: Anfang des Jahres mussten Altverbindlichkeiten von fast 75.000 Euro im Vorgriff auf die Mitgliedsbeiträge 2013 beglichen werden. Das sei nur ein Aspekt der Misere, sagt Verwaltungsrat Horst Reimig, der sich seit Monaten privat durch die Zahlenkolonnen mäandert. „Aufgrund einer Betriebsprüfung für die Jahre 2005 bis 2008 mussten Steuernachzahlungen von 50.000 Euro geleistet werden. Für das Jahr 2011 sind in Kürze nochmals rund 25.000 Euro zu zahlen. Das Präsidium fand Altlasten von 150.000 Euro vor, die es weder verursacht hatte, noch kannte, sagt Vorstand Stefan Grießer.

Und auch die Profi- Volleyball-Abteilung habe sich leider als ständiger Zuschussbetrieb entpuppt, sagen Laven und Reimig. „Wir bedauern alle außerordentlich, dass die Abteilung den Verein gewechselt hat. Aber andererseits produzierten die Ladies in Black in den letzten Jahren immer ein finanzielles Minus, für 2012 sogar ein Rekordminus in sechsstelliger Höhe.“ Unter solchen Vorzeichen wäre sich das finanzielle Risiko Bundesliga nicht mehr zu verantworten gewesen.

Aktuell ist der Verein schuldenfrei dank vieler Spenden aus den Gremien und von Sponsoren. Es droht dennoch der K.o. durch den Kölmel-Prozess. Der Vorstand wird damit gerade eingeholt von einem Vorgang, der rund 14 Jahre her ist. „Es ist uns komplett unverständlich, dass zu Beginn des Rechtsstreites niemand dafür Sorge getragen hat, dass es jemals so weit kommen konnte, und seinerzeit keine Rückstellung gebildet wurde“, wundert sich Vorstand Christoph Terbrack.

Die Gespräche mit Kölmel und seinen Anwälten sind gerade angelaufen. Alemannia ist da eher Bittsteller in dem Millionen-Verfahren. Der klamme Traditionsklub kann wenig anbieten. Aber andererseits würde eine Insolvenz den Verein und auch mögliche Ansprüche von Seiten Kölmels wohl erledigen.

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