Ausstellungen: Künstlerisches Spiel mit dem Guten und Bösen

Von: Martina Stöhr
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Kunstwechsel im doppelten Sinn: Prof. Wolfgang Becker vom „Kunstwechsel“ präsentierte in den Aachen Arkaden die zwei Ausstellungen von Heike Tödt und Gabriele Prill (rechts). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ihre Protagonisten sind immer Kinder, und immer liegt etwas Unheilvolles in ihren Bildern. „Ich male wilde, freie Kinder, so wie ich selbst eines war“, sagt die Künstlerin Heike Tödt. Ihre Arbeiten stellt sie derzeit im Raum „Kunstwechsel“ in den Aachen Arkaden aus.

Die wenigen Zeichnungen unter ihren Arbeiten deuten ihr Lieblingsthema schon an. „Zuerst war da nur eine Gestalt, später kam das Kind dazu“, sagt sie. Und noch später verselbstständigte sich das Thema „Kind“ zu einer ganzen Reihe von Bildern, die vielleicht auch mit dem Gedanken an kindliche Unschuld spielen: Da ist beispielsweise das Mädchen, das ganz versunken mit einer Blume spielt, ohne dabei zu bemerken, dass es sich um eine „fleischfressende“ Pflanze handelt.

Oder das lachende Zwillingspärchen, das sich ganz arglos im Arm hält: Die Pistole in der Hand des einen Mädchens kann Bedrohung sein, oder ist sie vielleicht doch nur ein Spielzeug? Heike Tödt lässt die Antwort darauf offen.

„Ich finde meine Bilder erst dann gut, wenn sie mit dem Bösen spielen“, sagt die Künstlerin. Und so taucht das Böse, das Entsetzen, das Unheilvolle immer wieder auf in ihren Arbeiten. Bei den „Fleischfressern“ treibt sie das Widerwärtige auf die Spitze. Ein Mädchen isst in aller Seelenruhe ihren eigenen Finger. Das sei eine Kritik daran, „dass wir einfach alles essen“, sagt sie.

„Eines Tages werden wir uns tatsächlich noch selber essen“, meint sie. Doch eigentlich denkt sie nicht viel nach über ihre Arbeiten. Sie malt aus dem Bauch heraus und sieht sich dabei immer wieder mit Kindern konfrontiert. Ihre eigene Kindheit in Jülich sei unbeschwert gewesen, erzählt sie. Sie sei ein wildes, ungezähmtes Kind gewesen. Eben so wie die Kinder auf ihren Bildern. Die haben allerdings keine typischen runden Kindergesichter mit Kulleraugen und üben schon deshalb eine ganz besondere Faszination auf ihre Betrachter aus.

Gleich nebenan hängen die 100 Kacheln der Ausstellung „100 Künstler – 100 Kacheln“. Die Kombination beider Ausstellungen findet Gabriele Prill, Organisatorin der Kachel-Auktion, sehr gelungen. Schon beim Aufbau seien Leute hereingekommen, um ihr Gebot für eine der Kacheln abzugeben. Ab sofort können die Bieter das offiziell tun. Die 100 ausgestellten Kacheln stammen von 100 Künstlern, die den Erlös dem „Bunten Kreis“ zugute kommen lassen.

Der kümmert sich um die sozio-medizinische Nachsorge von kranken Kindern, die auch nach einem Krankenhausaufenthalt noch Unterstützung brauchen. 30.000 Euro haben die Kachel-Auktionen bislang eingebracht, und Gabriele Prill hofft auch diesmal wieder auf reges Interesse.

Für die Künstler sei das Format der Kacheln (20 x 20 Zentimeter) eine große Herausforderung. Und jeder Künstler finde seinen ganz eigenen Weg, damit umzugehen. „Und all die Kacheln, die mir im Laufe der Jahre in die Hände gelangt sind, sind völlig unterschiedlich“, sagt Prill. Jetzt bietet sich in den Arkaden die Gelegenheit, alle 100 Kacheln zusammen zu sehen.

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