Ausstellung „vernetzt“: Gefangen in den medialen Strukturen

Von: Nina Krüsmann
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Zeigen die komplexe Verstrickung der heutigen Menschen in der modernen Medienwelt: Gerda Zuleger und Dr. Hans-Wolfgang Menges in der Kopermolen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen/Vaals. „Unser Thema ist die moderne Vernetzung. Alle kommunizieren auf den unterschiedlichsten Wegen, aber man achtet kaum mehr aufeinander“, beschreibt Gerda Zuleger das Thema der Ausstellung „vernetzt“, die sie gemeinsam mit dem Künstler Dr. Hans-Wolfgang Menges alias „menges-SPELL” in den Kopermolen Vaals zeigt.

Die eigentliche zwischenmenschliche Kommunikation leide etwa durch den Gebrauch von Smartphones und Social Media. Optisch erlebbar machte dieses Wirrwarr von Kommunikation eine Installation. Aufgrund von Veranstaltungen im Ausstellungsraum musste der Kubus, ein Gemeinschaftswerk beider Künstler, bereits abgebaut werden. Wie Kunsthistoriker Dr. Josef Gülpers erklärte, handelte es sich dabei um ein schier undurchdringliches Gewirr von 900 Metern neonfarbenen Schnüren, verspannt in einem angedeuteten Raum. Computermäuse und bemalte Handys sind auf dem Boden.

„Im Zentrum dieser Verspannung steht eine weiße Säule mit einer Haube aus Acrylglas, unter der sich ein degeneriertes, geschrumpftes, menschliches Gehirn befindet. Durch die Art, wie dieses präsentiert wird, erfährt es eine museale Überhöhung und wirkt letztlich wie ein archäologisches Fundstück längst vergangener Zeiten: ein Gehirn, wie aus der Zeit gefallen“, beschreibt Gülpers. Der Mensch sei wie gefangen in einem Netz von Leitungsbahnen medialer Strukturen.

Nun suchen die beiden Künstler dringend einen neuen Ausstellungsplatz für ihre bemerkenswerte Installation, zum Beispiel das Foyer einer Firma oder einer öffentlichen Institution.

Die weiteren großformatigen Werke und die Bilder in der oberen Galerie stehen in engem thematischem Kontext zur Installation und sind noch bis zum 9. Juli in der Ausstellung zu sehen. „Die verschlungenen Linien auf diesen vier großen Gemälden, die als Hommage an die expressionistischen Bilder Jackson Pollocks angelegt waren, könnte man auch als Gedanken sehen, die bei entsprechend vielfältigen Reizen in einem wachsenden Gehirn gedeihen“, überlegt Gülpers.

Vernetzung sei hier im positiven Sinn passiert. Die Arbeiten sind nämlich Gemeinschaftsarbeiten und damit eine Vernetzung der beiden Künstler. Sie haben simultan daran gearbeitet. „Einer begann, der andere führte die Arbeit fort, dann wieder der erste, jeder in seinem eigenen Rhythmus, greift er das von dem Vorgänger Hinterlassene auf und führt es weiter“, erklärt Gülpers. Unzählige Schichten entstanden dabei. „Das war ein spannender, kreativer Prozess, bei dem wir uns auch gegenseitig aushalten mussten“, erzählt Gerda Zuleger über den künstlerischen Austausch.

Auf der oberen Galerie präsentieren beide Künstler 25 mal 25 Zentimeter große Ausschnitte aus einem großen Bild in Acryl auf Leinen, genannt „Detail o.T.“. Ein Höhepunkt der Ausstellung aber sind die in dieser Form einzigartigen Arbeiten von menges-SPELL mit menschlichem Fruchtwasser. Der Mediziner, der lange in der Pathologie gearbeitet hat, nutzte die besondere Konsistenz des Fruchtwassers in Kombination mit Farbpigmenten für seine Werkreihe „Lebenswasser“. Die Werkschau „vernetzt - Das Ich in seinen Netzen“ im Zentrum für Kunst und Kultur Kopermolen am Clermontplein 11 in Vaals ist noch bis zum 9. Juli zu sehen.

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