Ausstellung: „Robert Wenseler Jazz Leben“ in der Burg Frankenberg

Von: Axel Borrenkott
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Aachen. Dieser eigentlich immobile Mensch demonstrierte, wie durch geistige Mobilität Dinge in Bewegung gebracht werden können. Einer der schönsten Sätze, die ihm nachgerufen wurden, als er im Januar 2001 starb. Jetzt erinnern Weggefährten und Musiker im Rahmen der Ausstellung „Robert Wenseler Jazz Leben“ an den Mann, der weit mehr war als der Förderer des Aachener Jazzlebens.

Es ist nicht möglich, alte Freunde nach Robert Wenseler zu fragen, ohne mit Anekdoten eingedeckt zu werden. Seine Ausflüge ins Aachener Nachtleben, die Unverdrossenheit, mit er danach seinen Rollstuhl auf der Treppe hinter sich her zog, waren so legendär wie seine unfassbar verqualmte Schreibstube und die unzähligen so geistreichen wie amüsanten Kommentare zur Musik seines Lebens.

Gut 50 Plattenkritiken, Zeitungsartikel, Programme seiner Veranstaltungen, Fotos und Briefwechsel mit Musikern in aller Welt dokumentieren dieses Schaffen des auch politisch hellwachen Musiksüchtigen in der Ausstellung.

Robert Wenseler, 1931 geboren, gründete 1953 einen der ersten beiden Jazzclubs in Aachen. Der anfänglich puristische Bewahrer von New Orleans und Swing wurde quasi über eine Nacht am Plattenteller glühender Verehrer von Charlie Parker – und zog seit den 1960er Jahren ein Gutteil der amerikanischen, deutschen und vor allem japanischen Jazz-Avantgarde nach Aachen. Darunter spätere Ikonen wie Archie Shepp, Alexander von Schlippenbach oder Yosuke Yamashita.

Es gibt keine Einrichtung der improvisierten Musik in Aachen, die von Wenseler nicht mitbegründet und betreut wurde, 1958 der Malteserkeller, 1976 die „1. Aachener Musikerkooperative“, 1988 die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (GZM). Eine ungemein vitale Organisation der Musik aus dem Rollstuhl, in den ihn der Morbus Bechterew für fast die Hälfte seines Lebens drückte - ein Leben, das auch sonst noch einige Schicksalsschläge für ihn bereithielt.

Sein wichtigstes Erbe jedoch ist seine Wirkung als Mensch und Förderer auf unzählige junge Musiker, die heute in Aachen und auch weit darüber hinaus demonstrieren, zu welcher Kunst „der Robert“ sie angestiftet, ja, ihren Lebensweg beeinflusst hat.

Eine Reihe dieser Musiker wird davon am Sonntag, 8. November, ab 12 Uhr in der Burg Frankenberg erzählen. Zum Auftakt jazzen, unter anderem, Anirahtak und Kollegen. Organisiert wurde die Hommage von Günter Härtel, Hans Walter Staudte (GZM), Marc Löhrer (Website), seinem Sohn Boris Wenseler und dem Verein Frankenbu(e)rger. Sie ist geöffnet bis Freitag, 13. November, täglich von 14 bis 18 Uhr. Am letzten Tag, 20 Uhr, spielt das Saxofon-Quartett Bahkauv um Heribert Leuchter.

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