Ausstellung: Relikte der Aachener Brau- und Kneipenhistorie gesucht

Von: Hans-Peter Leisten
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Die alte Aufnahme – vermutlich aus dem Aachener Bürgerbräu – ist bereits in den Fundus gewandert. Repro: Harald Krömer
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Hoffen auf zahlreiche Sachspenden und Leihgaben für die geplante Bierausstellung im Centre Charlemagne: die Kuratoren Myriam Kroll und Holger Hermannsen (Mitte) sowie der Leiter des Centre, Dr. Frank Pohle. Foto: Harald Krömer

Aachen. Waren das herrliche Zeiten für Freunde des Gerstensaftes. Damals, als es in Aachen noch rund 80 Brauereien gab. Das war um die Wende zum vorigen Jahrhundert, und Namen wie Degraa, Walfisch, Decker und Bürgerbräu waren in fast aller Munde – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

Das ist lange her, und das Alltagskulturgut Bier ist längst in fremde Produktionshände gewandert. Eine echte Aachener Brauerei gibt es wohl nicht mehr, bedauern unisono Myriam Kroll und Holger Hermannsen sowie Dr. Frank Pohle. Der ist Leiter des Centre Charlemagne und möchte mit den vorgenannten Kollegen als Kuratoren im Rahmen einer Ausstellung im Centre Charlemagne am Katschhof die Erinnerung an einen wichtigen Part der Aachener Industriegeschichte wachhalten. Und dabei soll die Aachener Bevölkerung möglichst eng einbezogen werden.

Es wird durchaus als gutes Omen angesehen, dass die Ausstellung „Kneipe, Kann und Köppelchen: Aachen und das Bier“ – so der bisherige Arbeitstitel – am Freitag, 13. Oktober, eröffnet werden soll. Statt Aberglaube ist Erinnerungskultur gefragt, denn die Ausstellung ist wirklich breit aufgestellt. Damit dies wirklich auch substanziell gilt, kann jeder seine privaten Schätze in die Ausstellung einbringen.

Das gilt für historische Aufnahmen von Brauereien und Gaststätten, Abbildungen von Brauern und bekannten Wirten, Fotos von Familienfeiern und aus Tanzlokalen bis hin zu auch größeren gegenständlichen Erinnerungsstücken wie hölzernen Bierfässern, Namenszügen von Kneipen und Musikboxen oder Theken.

Auch kleinere Utensilien, die heute eher nostalgische Erinnerungen wecken, sind herzlich willkommen. Wie zum Beispiel der Stammtischwimpel, der legendäre Nüsschenspender oder der Sparclubkasten. Alle diese Dinge werden nicht nur ausgestellt, sondern in ein inhaltliches Konzept eingebunden. Zu diesem Zweck bedienen sich die Organisatoren der Kompetenzen von VHS und der Kunstvermittlung der städtischen Museen.

Denn zu den Exponaten werden reichlich Informationen in diversen Rezepturen gereicht. Bierverkostungen und -seminare sind dabei so etwas wie natürliche Partner, genau wie Besuche bei Bierfesten, Bierkurse und Fahrten zu Brauereien. Die Filmemacher Michael Chauvistré und Miriam Pucitta zeigen den Streifen „Beer Brothers“, und Dr. Holger A. Dux referiert im Auditorium des Centre Charlemagne.

Letztlich hängt der Erfolg der gesamten Ausstellung aber von der Mitarbeit der Bevölkerung ab, die – so die Hoffnung von Myriam Kroll – noch vieles aus der eigenen Erinnerung hervorholen kann: „Schließlich waren die Kneipen nicht selten so etwas wie das zweite Wohnzimmer.“ Daher ermuntert sie auch die Öcher etwas älteren Datums, im Schatzkästchen der Erinnerungen nach Geschichten zu kramen.

Manche Ehe nahm zum Beispiel im legendären Café Vaterland am Holzgraben ihren Anfang. Und es muss nicht immer brav zugegangen sein. Auch verrauchte Kaschemmen, Musik- und Szenekneipen gehörten im erweiterten Sinne zur Aachener Bier- und Brauereigeschichte. Wer also Aufnahmen aus dem früheren Scotch Club oder auch der Femina Bar hat, ist herzlich willkommen

Einen ganz persönlichen Wunsch hat Kuratorin Kroll. Sie sähe so gerne den Schriftzug der Bastei an der Monheimsallee/Ecke Krefelder Straße gesichert, für die Ausstellung und darüber hinaus. Ein Kontakt zum Besitzer sei bereits einmal hergestellt worden. „Wir kümmern uns um alles, bauen auch selbst alles ab. Nur darf der Schriftzug nicht verloren gehen“. Im Sinne der Aachener Bier- und Gastronomiegeschichte.

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