Ausstellung: Pink Floyd und Deep Purple in der Soers

Von: Jan Weck
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Er war dabei: Gemeinsam mit Bi
Er war dabei: Gemeinsam mit Bibliotheksleiter Manfred Sawallich, Kulturdezernent Wolfgang Rombey und Mitinitiator Ralf Dentzer (von rechts) gestaltete Gitarrist Dieter Kaspari die Eröffnung der Ausstellung über das legendäre Rockfestival 1970 in der Soers. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Auf einem Holzhocker in der Stadtbibliothek sitzt Dieter Kaspari. Vorsichtig zupft er an den Gitarrensaiten, er sei etwas nervös, gibt er zu. Aber als er dann zu spielen anfängt, ist davon nichts zu merken.

„60er Blues” hat er das Lied genannt, und der Titel ist Programm. Gedehnt, ein wenig verzerrt klingt es aus dem Verstärker, während Kaspari auf Platt dazu singt. Er und einige aus dem Publikum erinnern sich gute 40 Jahre zurück, und für einen Moment scheinen sie wirklich in der Vergangenheit zu sein. Oder die Vergangenheit in der Bibliothek.

An einer Aufstellwand hängen Fotos von einem Rockfestival, das vom 10. bis zum 12. Juni 1970 in der Soers stattfand und fast in Vergessenheit geraten ist. Dabei war es legendär, das sagen alle Besucher, die heute hier sind und damals dabei waren. Die Fotos, manche davon schwarz-weiß, zeigen das alte Reitstadion in der Soers, eine etwas provisorisch aussehende Bühne und Menschen mit nacktem Oberkörper und langen Haaren. Eine große Menge hat sich auf dem Rasen ausgebreitet und sitzt dort friedlich zusammen.

Keine Spur von Krawall

An diese Atmosphäre erinnert sich Ralf Dentzer noch ganz genau. Er organisiert kleine Ausstellungen, und diese liegt ihm besonders am Herzen. Im Nachhinein klinge es immer etwas platt, von Frieden, Demokratie und Liebe zu sprechen, sagt er. Aber das sei eben das Lebensgefühl gewesen, das während dieser Tage in der Soers so greifbar gewesen sei. Skeptisch bis ablehnend hatte die Öffentlichkeit der Zusammenkunft der „Langhaarigen” und der „Gammler” entgegen gesehen. Einige Zeitungsartikel nebst Fotos dokumentieren diese Haltung. Krawall hatten viele erwartet, doch alle mussten sich eines Besseren belehren lassen.

Es waren die ganz großen Bands dieser Zeit, die ins Dreiländereck kamen: Deep Purple, Pink Floyd, Mungo Jerry und Kraftwerk waren dabei. Aber auch Kaspari stand damals mit seiner Band Truss auf der Bühne.

Geschätzte 40.000 bis 50.000 Besucher kamen im Laufe der drei Tage nach Aachen. Karl-August Hohmann stellte mit Freunden das Riesenereignis auf die Beine. Mut, Geschick, aber auch gute Kontakte waren dafür Voraussetzung. Gemeinsam trieben sie sich an und meisterten alle Schwierigkeiten. Die Gagen der Bands waren jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Problem: Pink Floyd spielte für 2000 Pfund, damals in etwa 20.000 Mark. Dafür brachten sie aber auch als einzige Band ihr eigenes Equipment mit.

Die sehenswerte Ausstellung in der Stadtbibliothek heißt „40 +1 Rockfestival Aachen 1970” und ist noch bis zum 17. September zu sehen.
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