Ausstellung: Maus kommt zu außergewöhnlichen Ehren

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
9966758.jpg
Ausstellung „Angenagt“: Restauratorin Stefanie Korr zeigt die Aachener Engelstafel und ihre Veränderungen im Laufe der Jahre. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist das letzte seiner Art, es ist auch im materiellen Sinne durch die Verarbeitung allein von 70.000 Perlen extrem wertvoll und wird doch alle sieben Jahre im wahrsten Sinne benutzt: Das von Isabella Clara Eugenia im 17. Jahrhundert gestiftete Marienkleid liegt eben nicht immer nur im wohlbehüteten Archiv der Domschatzkammer oder wie gerade in einer schützenden Vitrine.

Alle sieben Jahre wird zur Heiligtumsfahrt die Gottesmutter des Gnadenbildes im Dom damit geschmückt. „Und anschließend sammele ich in einem Töpfchen alle heruntergefallenen Perlen auf, um sie später wieder anzunähen“, sagte Monica Paredis-Vroon, Textilkonservatorin in der Domschatzkammer, tatsächlich nicht ohne ein Lächeln.

Dass „ihre“ Schätze immer wieder für den Gottesdienst benutzt werden, ist sie durchaus gewohnt. Welche Arbeit sie und ihre Kolleginnen, Gemälde- und Skulpturenrestauratorin Stefanie Korr sowie Archivarin Eva Hürtgen, angesichts dieser Herausforderungen leisten, zeigt ab Sonntag, 3. Mai, die Ausstellung „Angenagt“ in der Domschatzkammer.

Geboten wird ein „Blick hinter die Kulissen der Werkstätten und Archive des Domkapitels“, erklärte Pressesprecher Franz Kretschmann. Namensgeber war eine Maus, die es sich in einer Wandtapisserie gemütlich gemacht hatte. Nagespuren deutlichen Ausmaßes waren das Ergebnis. „Da sich mittlerweile Fotos auf Leinwand drucken lassen, habe ich mir diese Technik zu Nutze gemacht“, erläuterte Paredis-Vroon, wie sie immer wieder auf der Suche nach dem passenden Verfahren ist. Erst beim zweiten Hinschauen sind die Schadstellen am Wandteppich, der im Treppenabgang hängt, zu erkennen.

Bei den Stücken, die Stefanie Korr und Eva Hürtgen zur Ausstellung beigesteuert haben, ist der Vorher-Nachher-Effekt noch deutlicher: Zwei Engelstafeln eines Reliquienschrankes zeigen, wie sich ein Gemälde im Laufe der Zeit und des Zeitgeschmacks verändern kann.

Die eine ist in kräftigem Rot grundiert und mit goldenen Sternen verziert, die andere hat blassere Farben und das Christusmonogram im Hintergrund. „Nicht etwa die kräftigere Variante ist die restaurierte“, meinte Korr. „1930 wurden die Tafeln kräftig übermalt. Ich habe die eine – gemäß der heutigen Restaurierungsethik – nun wieder freigelegt.“ Auch am Heiligen Kornelius sind noch Übermalungen sichtbar.

Die Holzskulptur, die erst lange an der Kirche St. Kornelius in Kornelimünster Wind und Wetter ausgesetzt war und dann in eine Ecke verbannt wurde, bereichert bis 16. August im halbfertigen Zustand die Ausstellung. Anschließend wird sie in der Werkstatt der Domschatzkammer – quasi in Amtshilfe – endgültig „hübsch“ gemacht.

Während Paredis-Vroon und Korr selber Hand an die Schätze legen, arbeitet Hürtgen mit der Werkstatt des Landschaftsverbandes in Brauweiler zusammen, um Handschriften, Dokumente und Urkunden zu erhalten. Auch sie hat bereits restaurierte und vom Zahn der Zeit schwer gezeichnete Exponate aus dem Archiv geholt. Ihr größtes Sorgenkind ist die Handschrift G 26, eine Antiphonale von 1487.

Warum, beantwortet ein Blick in die Vitrine: Der Holzdeckel ist abgebrochen, die reich verzierten Buchseiten ohne Schutz, der Buchrücken hält das Pergament nur noch notdürftig zusammen. Ab damit in die Werkstatt nach Brauweiler? So einfach ist es leider nicht.

1500 Euro stehen pro Jahr dafür zur Verfügung. G 26 kostet sicherlich das Doppelte. „Vier von 64 Handschriften sind bislang restauriert“, so Hürtgen. Insgesamt haben die drei Frauen acht Textilien, fünf Gemälde und Skulpturen sowie zehn Dokumente und Handschriften für „Angenagt“ zusammengestellt. Mäuse haben trotzdem keinen Zutritt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert