Ausstellung: Für zwei Pfund Kaffee das Leben riskiert

Von: red
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Myriam Kroll vom Centre Charlemagne und Thomas Müller, verantwortlich für das Zollmuseum Friedrichs, präsentieren echten geschmuggelten Kaffee. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Das Aachener Grenzland war in der Nachkriegszeit ein Dorado der kleinen und der großen Schmuggler. Dabei kamen Utensilien wie Milchkannen mit doppeltem Boden oder Mäntel mit versteckten Taschen zum Einsatz. Das Centre Charlemagne und das Aachener Zollmuseum suchen solche „Schmugglerwaren“. Denn im Herbst soll eine Wechselausstellung die dramatischen Ereignisse der „Schmuggelzeit“ ins Visier nehmen.

Darüber hinaus bereitet die Stadt eine Neukonzeption des Zollmuseums Friedrichs vor. Auch für dessen künftige Dauerausstellung sollen die Objekte genutzt werden. Daher bitten die Wissenschaftler der beiden Museen alle Bürgerinnen und Bürger des euregionalen Grenzgebietes – vom Selfkant über Eupen bis zur Eifel – darum, auf Dachböden und in Kellern auf Spurensicherung zu gehen und Fundstücke zur Begutachtung vorbeizubringen.

Die Aktion „Grenze – Zoll – Schmuggel“ findet am Sonntag, 17. Mai, von 11 bis 17 Uhr im Foyer des Centre Charlemagne am Katschhof statt. Wer am 17. Mai keine Zeit hat vorbeizukommen, kann sich mit interessanter „Schmuggelware“ direkt an Dr. Thomas Müller vom Zollmuseum wenden (Telefon 4324945, Email zollmuseum@mail.aachen.de.

Zöllner hatten Schießbefehl

Das Aachener Zollmuseum in Horbach beschäftigt sich schon seit 25 Jahren mit der Geschichte der Grenzen. Gegründet wurde es von dem Zollbeamten Christian Friedrichs, der zunächst das Hauptaugenmerk auf die Geschichte des deutschen Zolls legte. „Es gibt eine richtig gute Sammlung dort“, urteilt Müller. Doch bislang fehle die Sicht der niederländischen und belgischen Nachbarn sowie die der einfachen Leute.

Müller ist überzeugt, dass gerade die jede Menge zu erzählen haben. Und so sollen ihre Erfahrungen auch entsprechend dokumentiert werden, meint Myriam Kroll, Centre Charlemagne. Zum Beispiel per Video. Wer das nicht mag, kann aber gerne auch anonym bleiben. Schmuggler handelten in der Zeit zwischen 1945 und 1953 zum Teil aus der puren Not heraus. Andere wiederum zogen den Schmuggel zu einem großen Geschäft auf. Alle gleichermaßen setzten ihr Leben aufs Spiel.

Denn laut Müller gab es für die Zöllner einen Schießbefehl, von dem sie auch durchaus Gebrauch machten. Rund 30 Personen sollen an den Grenzen zu Tode gekommen sein. So wurde laut Müller beispielsweise ein Jugendlicher wegen zwei Pfund Kaffee vom Mofa geschossen.

Die Museumsplaner hoffen nun auf jede Menge Erinnerungsstücke. Willkommen sind beispielsweise Grenzsteine, Passierscheine, Pässe, Tagebücher von Schmugglern, Ausrüstung und Kleidung, Schmuggelgut oder vielleicht sogar Schmugglerfahrzeuge. Das waren gepanzerte Wagen mit einem Sichtschlitz, mit denen die Schmuggler die Grenze einfach durchbrachen.

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