Ausstellung: Die Suche nach dem benediktischen Leben

Von: Christoph Hahn
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Imposant: Das Abbild des Heiligen Papst Kornelius scheint über die Ausstellung in der Reichsabtei zu wachen. Foto: Andreas Schmitter
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Hat eine bemerkenswerte Auswahl an Exponaten zusammengetragen: Dr. Georg Minkenberg

Kornelimünster. Wenn Dr. Georg Minkenberg sich an die Arbeit macht, springt dabei für den Beobachter immer ein Vergnügen heraus. Kein billiges Vergnügen im Sinne der modernen Unterhaltungsindustrie, versteht sich, denn schließlich ist der Kunsthistoriker Leiter der Aachener Domschatzkammer.

Aber dass die Sinne und der Intellekt durch die präsentierten Schätze und die Art, wie er sie ausbreitet, in seinen Ausstellungen reiche Nahrung finden: Dafür kann der gebürtige Mönchengladbacher schon garantieren. Dank seines Dienstherrn, des Aachener Domkapitels, darf Minkenberg seine Verführungskünste im Dienste des Guten und Schönen jetzt auch bei einem „Auswärtsspiel“ zeigen: In den Räumen der alten Reichsabtei im Tal der Inde hat der Fachmann aus den Beständen der Propsteigemeinde und des neuen Benediktinerklosters an der Oberforstbacher Straße die Ausstellung „1200 Jahre Kornelimünster“ arrangiert, die dort noch bis zum 31. Oktober zu sehen ist (siehe Infobox).

Eigenem Bekunden nach begreift Minkenberg die Schau generell als „Suche nach den Spuren benediktinischen Lebens in Kornelimünster“. Dem entsprechend begrüßen auch die beiden Leitfiguren ebenjenes Lebens, der heilige Benedikt von Aniane als Stifter der Abtei, die zur Keimzelle des Ortes wurde, und der heilige Kornelius als Patron der Kirche, als Skulpturen die Besucher. Mit der Figur des Stifters – ein weiteres Bild zeigt ihn kniend vor Kaiser Karl dem Großen – verknüpft Minkenberg eine weitere Frage, die über die Exponate hinausgeht: „Ist Kornelimünster vielleicht als frühes Reformkloster gegründet worden?“ Mögen die ersten Mönche nicht zuletzt deshalb mit viel Elan ans Werk gegangen sein: Irgendwann muss diese Energie dann wieder verpufft sein, denn: „Benedikts Grab war schon bald vergessen.“

Vorbei geht der Gang an den Bildern der Malerin Janet Brooks-Gerloff, die die drei Heiligtümer (Grab-, Schweiß- und Schürztuch) mit Mitteln der modernen figurativen Malerei thematisiert, vorbei an Schnitzwerken, Urkunden und anderen Dokumenten geht die Reise. Minkenberg streut wohl dosiert den einen oder anderen kritischen, zumindest aber ironischen Satz ein – wie zum Beispiel: „Die Kornelius-Verehrung und die Heiligtumsfahrt wurden kurios mit einander verbunden.“

Die irdische Dimension der Heiligtumsfahrt, die der kleinen Leute und ihrer Nöte, bleibt allerdings in der Ausstellung ganz und gar gegenwärtig. Pilgerzettel, Ablassbriefe und noch mehr: Alles was seit Jahrhunderten Menschen mit frommen Absichten ins Städtchen an der Inde führt, wird angemessen präsentiert.

Auch die weniger schönen Seiten der Historie bleiben nicht ausgespart, die eine Reihe von Porträts der Äbte aus der Spätzeit des Klosters bis zur Auflösung unter Napoleon anno 1802 symbolisiert. Mit den Dingen des Himmels wollten die geistlichen Landesherren nicht viel zu tun haben, wohl aber mit denen der Erde – und drückten ihren Untertanen so gewaltige Steuerlasten auf. Abt Goswin von Gevertzhagen haben die Einwohner das Münsterländchens dann einen ziemlich endgültigen Denkzettel verpasst: Er wurde am 18. Juli 1699 in Schönforst ermordet.

Das Schöne, Gute und Wahre kam aber auch in jener Epoche vor. Liturgische Kleidungsstücke für Hochämter und Andachten erfreuen mit der Pracht der Stoffe und ihres Dekors noch heute das Auge des Museumsbesuchers. Auch wer nicht glaubt, kommt nicht umhin, seine Sinne angesichts der Messgewänder und Chormäntel erfrischt zu fühlen.

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