Aachen - Ausstellung: „Der Erste Weltkrieg – Ausbruch und Auftakt“

Ausstellung: „Der Erste Weltkrieg – Ausbruch und Auftakt“

Von: Katrin Haas
Letzte Aktualisierung:
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Lesenswerte Exponate: Zahlreiche Schriftstücke machen transparent, mit welcher Gesinnung die Deutschen Belgien überfielen.
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Martialisches Beispiel: Der so genannte „Nagel-Roland“ forderte die Bevölkerung zu Spenden für die Verwundeten auf. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Ganz Aachen guckt auf Karl, die ganze Welt guckt auf den Ersten Weltkrieg“, sagt Andreas Düspohl, Leiter des Internationalen Zeitungsmuseums Aachen. Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren zeigt das Zeitungsmuseum ab Freitag den zweiten Teil des Projektes zum Gedenkjahr, die Ausstellung „Der Erste Weltkrieg – Ausbruch und Auftakt“.

Allerdings ist die Ausstellung dennoch Teil des Rahmenprogramms zum Karlspreis, denn der Karlspreisträger, der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, stammt aus Belgien.

Wo heute Freundschaft gelebt wird, marschierten 1914 deutsche Soldaten von Aachen ins neutrale Belgien ein und besetzten Lüttich. Erika Haase vom Zeitungsmuseum erklärt: „Bei uns wird das oft durch den Zweiten Weltkrieg überlagert“, aber „wir wollen zeigen, dass wir das nicht vergessen haben“, ergänzt Düspohl. Denn beispielsweise in England und Frankreich ist „la grande guerre“ viel stärker im Bewusstsein der Menschen. So findet im August in Lüttich ein großes multinationales Treffen zum Gedenken statt.

Spenden an den „Nagel-Roland“

Mit rund 50 Exponaten zeigt das Zeitungsmuseum bis Ende des Jahres die unterschiedlichen Perspektiven der Kriegszeit: Die Kriegspropaganda, die die deutsche Besatzer in Lüttich aushingen, oder die Feldpostkarten, in denen sich sowohl Kriegsbegeisterung als auch Hoffnung auf ein Weihnachten zu Hause spiegelten. Die Aushangplakate der deutsche Besetzer sind Originale, die die Stadt Lüttich an das Zeitungsmuseum ausgeliehen hat. „Man sieht genau, was die Besatzer im Kopf haben“, sagt Düspohl. Der Besucher bekommt ein Gefühl dafür, wie die Menschen unter den Besatzern gelebt haben: Von der Ausgangssperre bis zum Verbot von Brieftauben. Die deutschen Besatzer blieben als unmenschlich im Gedächtnis, denn sie verübten Gräueltaten an Zivilisten. Louis Raemaekers, Karikaturen-Zeichner aus den neutralen Niederlanden, griff diese Taten in seinen Zeichnungen auf und wurde deswegen von den Deutschen per Kopfgeld gejagt. Auch das Schicksal der jungen Soldaten wird deutlich: In Briefen drückt Peter Wamich, ein ehemaliger Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasiums, die Hoffnung aus, wegen seines starken Hustens nicht in den Schützengraben zu müssen. Vergeblich, er stirbt im Jahr 1915.

Ein weiteres besonderes Stück der Ausstellung ist der etwa 2,5 Meter hohe „Nagel-Roland“. Diese Holzfigur war typisch, überall in den Städten konnten die Menschen einen Nagel in den Schild der Figur schlagen und spendeten dafür Geld für die Verwundeten. „Es ist sensationell, dass es ihn überhaupt noch gibt“, erklärt Düspohl. Denn die meisten der Figuren aus Eichenholz sind spätestens im Zweiten Weltkrieg zum Heizen benutzt und zerstört worden. Andreas Düspohl sieht in der damaligen Situation Parallelen zu heute: „Frieden ist nicht etwas, was es einfach so gibt, da muss man für kämpfen.“

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