Ausstellung: Bildhafte Eindrücke von Flucht und Krieg

Von: David Grzeschik
Letzte Aktualisierung:
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Stellten die Bilder der Flüchtlingskinder vor: Richard Schmitt, Andreas Beitin, Mohammad Ahmad, Alexandra Lünskens und Habibullah Habibi (v.l.) laden zur besonderen Bilderschau ins Ludwig Forum.

Aachen. Viele Eltern hätten ihren Kindern natürlich nicht die ganze Wahrheit erzählt, sagt Mohammad Ahmad. Aber wie ist auch zu erklären, dass man das eigene Land aufgrund von Unruhen und Kriegen verlassen muss? „Gespürt haben es die Kinder natürlich trotzdem“, fügt Ahmad hinzu. Und so verwundert es nicht, dass sich viele der ausgestellten Motive wiederholen.

In seiner neusten Ausstellung zeigt das Ludwig Forum Bilder, die von minderjährigen Flüchtlingen im Alter zwischen drei und 13 Jahren gemalt wurden. Entstanden sind diese seit Herbst 2015 in der Erstunterkunft Körner-Kaserne, in der der Aachener Künstler Mohammad Ahmad das Projekt zusammen mit rund 100 Kindern verwirklicht hat. Die Bilder zeigen Häuser, Boote, Deutschlandflaggen und viel Abstraktes – alles das, was die Kinder vor, auf und nach ihrer Flucht bewegt hat.

Im Ludwig Forum fand sich nun ein Partner für die Ausstellung, die rund 1000 Werke umfasst. Jene trägt den nüchternen Namen „Bilder von geflüchteten Kindern“ und startet am morgigen Sonntag um 12 Uhr – bezeichnender Weise am Weltkindertag.

Momente des Todes

„Die Idee wurde im Frühsommer an uns herangetragen, und ich fand, dass sie gut zu uns passt“, erklärt Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums. Seine bereits vor längerer Zeit erklärte Intention sei es, vermehrt Projekte mit politischer und gesellschaftlicher Relevanz zu zeigen. Da schien ihm „Bilder von geflüchteten Kindern“ sehr passend.

„Während viele Bilder ungegenständlich sind, zeugen manche auch von ganz konkreten Momenten – des Ertrinkens, des Todes. Das macht sie zu Bildern einer großen Unmittelbarkeit“, erklärt der Museumschef die Ausstellung. Den Anspruch, Kunstwerke zu sein, erheben die Bilder zwar nicht – aber sie geben einen Einblick davon, was die Kinder auf ihrer Flucht gesehen und erlebt haben.

Mohammad Ahmad kann die geflüchteten Kinder sehr gut verstehen. Er selbst kam Anfang der 1980er Jahre als Kriegsflüchtling aus dem Irak nach Deutschland. „Ich kann ihre Ängste nachvollziehen“, so der Künstler. Umso wichtiger sei es gewesen, dass er sich mit den Kindern beschäftigt habe. „Das hat den Kindern viel Freude und den strapazierten Eltern zugleich ein wenig Ruhe gegeben“, fügt er an.

Malen – das tut Ahmad mit den Kindern noch immer, wenn auch nicht mehr so oft. Inzwischen gehen viele von ihnen in die Schule und sind besser integriert als vor einigen Monaten. Die Idee an sich hat trotzdem Früchte getragen: Im „Offene Atelier“ in der Barockfabrik treffen sich seit März dieses Jahres regelmäßig unter anderem Flüchtlingsfamilien, um die in der Kaserne begonnenen Projekt fortzuführen.

Nicht vergessen werden sollte auch Richard Schmitt, Ehrenamtler und inoffizieller Koordinator in der Körnerkaserne. Sein großes Engagement machte es im vergangenen Herbst erst möglich, dass 200 Flüchtlinge reibungslos in die Körnerkaserne einziehen konnten. Viele „seiner“ jungen Maler wurden inzwischen auf andere Bundesländer verteilt. „Als viele der Kinder im Dezember gehen mussten, kam von einigen spontan die Frage: ‚Wer malt denn jetzt mit uns“, erinnert er sich. Und so fiel es Ahmad und Schmitt nicht leicht, die Kinder ziehen zu lassen. Zumindest eines ist von ihnen geblieben: die Bilder.

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