Aachen - Ausstellung beleuchtet die „Päpste im 20. Jahrhundert“

Ausstellung beleuchtet die „Päpste im 20. Jahrhundert“

Von: Kathrin Albrecht
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Interessante Exponate: In sechs Vitrinen können die Besucher die Zeitungen betrachten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Rund 1700 Jahre alt ist die Geschichte des Papsttums. Das Amt und die Amtsträger übten immer eine große Faszination aus. Im Rahmenprogramm zur Karlspreisverleihung zeigt eine Ausstellung „Päpste des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Presse“, die im Internationalen Zeitungsmuseum in der Pontstraße 13 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Internationaler Karlspreis eröffnet hat.

„Heil dir, Leo, Herz des Glaubens, heil dir, Leo, starker Held, den zum Hüter seiner Wahrheit, der Allmächt’ge hat bestellt.“ So beginnt ein Gedicht, das am 26. Dezember 1887 veröffentlicht wurde. Vier Tage zuvor hatte Papst Leo XIII. seine Enzyklika „Officio sanctissimo“ veröffentlicht. Eine Zeitung widmete dem „beliebten Vater“ die Titelseite. Auch für die modernen Medien und die Printmedien im Besonderen ist der Papst immer wieder Gegenstand der Berichterstattung. Was sagt er zu aktuellen Problemen in Politik und Gesellschaft? Wer ist der Nachfolger Petri? Wie sieht er sein Amt?

In sechs Vitrinentischen versucht die Ausstellung, einen Überblick über die Darstellung des Papstes in der Presse zu geben. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Päpste des ausgehenden 20. Jahrhunderts, allen voran Johannes Paul der II. und der deutsche Papst Benedikt der XVI. Eine Vitrine widmet sich dabei auch der Papstwahl. Vor allem bei den vergangenen beiden Wahlen 2005 und 2013 brachten lokale und überregionale Medien ausführliche Hintergrundberichte darüber, was bei dem Konklave geschieht. Steht der neue Papst fest, ist es den Medien damals wie heute oft die Titelseite wert.

Am 5. September 1914 widmete die Berliner Illustrierte Papst Benedikt XV. eine Titelseite, 1958 brachte die Bonner Rundschau gar ein Extrablatt heraus, als der italienische Kardinal Guiseppe Roncalli zum Papst Johannes Paul XXIII. gewählt wurde. 2013 setzte der „L’osservatore romano“ den neuen Papst Franziskus auf den Titel und wiederholte den lateinischen Verkündigungstext: „Anuntio vobis gaudium magnum: Habenums papam, Gregorianum Marium Bergoglio, qui sibi nomen impsuit Francsisum (Ich verkünde mit großer Freude: Wir haben einen Papst, Jorge Mario Bergoglio, der sich den Namen Franziskus wählte.)“.

Was bei den Exponaten deutlich wird: Der Ton der Berichterstattung ändert sich im Lauf dieses Jahrhunderts deutlich: Lobesgedichte, wie 1887 zu Papst Leo XIII., weichen einem analytischen, zum Teil fast kommentierendem Ton. Als 1978 der polnische Kardinal Karol Wojtyla zum Papst gewählt wird, titelt das Hamburger Abendblatt „Rom überrascht die Welt“ und brachte damit zum Ausdruck, dass wohl niemand den eher konservativen und strikt antikommunistischen Kardinal auf dem Zettel hatte. Als der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger 2005 als Benedikt XVI. die Nachfolge antrat, war es ebenfalls die Bild-Zeitung, die die wohl eingängigste Schlagzeile zum Thema schuf: „Wir sind Papst“ begleitete in übergroßen Lettern ein ganzseitiges Titelbild des grüßenden Papstes.

Das krasse Gegenteil dazu bildete die TAZ: Auf einem schwarzen Hintergrund titelte sie mit weißen Lettern „Oh, mein Gott“ und nahm damit die Kritik auf, dass der neue Papst den konservativen Kurs seines Vorgängers beibehalten und dringende Reformen nicht in Angriff nehmen werde. Bei seinem Rücktritt 2013 wiederholte die Bild-Zeitung das Stilmittel, das sie bei seiner Wahl gewählt hatte. Diesmal kehrt ein sichtlich gebeugter Benedikt XVI. den Menschen den Rücken zu. Im Text wird die körperliche Erschöpfung des Papstes thematisiert.

Bis zum 3. Juni ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr zugänglich.

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