Ausstellung: „Artis florum“ Engelsfiguren und Heroic-Chic

Von: Eva Onkels
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Abwechslungsreiches Spektrum: Bis zum 8. Juli zeigen die Künstler (v. l.) Katharina Ulhas, Ibrahim und Layali Alawad, Lino und Marcus Löhrer, Britta Moche und Achim Füsting ihre Werke in der Kunstgalerie Frutti dell’ Arte. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Möchte ein Besucher in die Räumlichkeiten der Kunstgalerie Frutti dell’ Arte in der Viktoria­straße, dann muss er oder sie sich schon fast durch einen Dschungel schlagen. Man fühlt sich ein bisschen wie im Urwald, wenn man durch den Garten geht, der so ruhig inmitten der hektischen Innenstadt liegt.

Die Galerie existiert seit mittlerweile vier Jahren und hat seitdem unzählige Aachener begeistert. Und auch bei der kommenden Ausstellung, die den schönen lateinischen Namen „Artis florum“ (Kunstblüten) trägt und im Rahmen des Tags der offenen Gartentür stattfindet, hofft man, zahlreiche Besucher in den Garten und vor allem die Galerie ziehen zu können.

Ausgestellt werden ab Samstag, 24. Juni, mehr als 20 Kunstobjekte von acht Künstlern. Darunter Werke von Galerieleiter Marcus Löhrer und erstmals auch seinem Sohn, Lino Löhrer. Dieser zeigt Fotografien von Menschen, angelehnt an den Stil des sogenannten Heroin-Chic – ein Modetrend aus den 90er Jahren, mit dem insbesondere Kate Moss auf sich aufmerksam gemacht hatte. Leute, die „ein bisschen fertig, ein bisschen kaputt aussehen“, sagt der junge Künstler über seine Fotos.

Katharina Ulhas ist eine weitere Künstlerin, deren Werke in der Ausstellung zu sehen sind. Sie zeigt kleine Engelsfiguren, die fast schon kitschig aussehen, sich aber bei genauem Hinsehen als Obdachloser mit Weinflasche entpuppen, denn Engel findet man auch da, wo man sie nicht vermutet. Britta Moche hingegen hat sich besonders mit Tierbildern beschäftigt. Ihr in der Kunstgalerie ausgestelltes Bild zeigt einen Seeadler, ein Tier, mit dem schon die Schamanen Weisheit und Scharfsinn verknüpften, und das im Allgemeinen als starkes Tier gilt. Nicht umsonst ist der Weißkopfseeadler das Wappentier der USA.

Ibrahim Alawad und seine Tochter Layali stammen aus Syrien. Ibrahim Alawad studierte vor vielen Jahren Bau- und Kunstgeschichte an der RWTH, kehrte nach Syrien zurück und floh vor drei Jahren aus seiner Heimat. Seit einiger Zeit ist er Teilhaber der Galerie. Er zeigt eine Reihe von Skulpturen und Gemälden, die sich – etwas vereinfacht – mit dem Mythen und mythologischen Figuren des Orients auseinandersetzten.

Seine Tochter Layali, 26 Jahre alt, hat sich besonders mit Frauenfiguren beschäftigt. Ihre Gemälde zeigen Frauengesichter, in denen das Leid und die Not der Frauen in Kriegssituationen wie in Syrien abgebildet sind. Mit einem eher ungewöhnlichen Material, nämlich Schlagmetallfolie, arbeitet Hobbykünstler Achim Füsting. Mal an Steinzeitmalerei erinnernd, mal mit Worten fasziniert besonders das von ihm benutzte Material.

Vom Schrecken des Krieges

Ein ganz besonderer Künstler, dem der Betrachter ruhig einige Augenblicke mehr widmen sollte, ist Anas Farah, ein Altersgenosse von Layali. Er lebt nach wie vor im syrischen Damaskus und kann das Land nicht verlassen. Seine Fotografien sind von einer tiefgreifenden Ästhetik, verbinden die künstliche Welt der Modefotografie mit den Schrecken eines Krieges. Was auf den ersten Blick vielleicht abschreckend klingen mag, ist definitiv einen zweiten Blick wert.

Wenn man in die Augen des Mädchens blickt, das Farah fotografiert hat, dann weiß man nicht viel über ihr Leben. Doch man erfährt unendlich mehr über ihre Gefühle. „Ich muss weinen, wenn ich das Bild länger betrachte“, so Löhrer. Man kann die Bilder als kritische Auseinandersetzung mit der Art und Weise verstehen, mit der man für gewöhnlich die Modewelt inszeniert und mit der man ihre Bilder betrachtet. Im Rahmen der nächsten Kunstroute, die im September stattfinden wird, möchte die Galerie auch Großformate des Künstlers ausstellen, die via Internetihren Weg nach Aachen finden.

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