Ausnahmen sollen hier zur Regel werden

Von: Thorsten Karbach
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Laurensberg. Es gibt Kinder, die trotz einer Behinderung erfolgreich eine ganz normale Schule besuchen. Keine Förderschule.

Doch noch sind sie die Ausnahme, eine filmreife, denn in bewegten Bildern werden Eric, Tabea und andere in der Aula des Schulzentrums Laurensberg vorgestellt. Während die städtische Schulverwaltung am Dienstag zu einem Runden Tisch rief, um den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung, Inklusion genannt, zu diskutieren, wurde in Laurensberg das Thema mit Workshops und mehr als 100 Lehrern von vier Schulen ganz praktisch vorangetrieben. Hier sollen die Ausnahmen zur Regel werden.

Die Voraussetzungen am Hander Weg sind ideal, um Inklusion zu leben, sagt nicht nur Anne-Frank-Rektor Berthold Winterlich. Deswegen hatten sich Lehrer des Anne-Frank-Gymnasium, der Heinrich-Heine-Gesamtschule, der Johannes-Kepler-Schule (Förderschule Sehen) und der David-Hirsch-Schule (Förderschule Hören) bereits im Januar zusammengesetzt, um über Chancen, aber auch Hürden in Sachen Inklusion zu sprechen. Ziel war es, Kindern den Übergang von den Förderschulen an die sogenannten Regelschulen zu ermöglichen. Und in der Tat, mittlerweile hat ein Dutzend Kinder den Sprung gemeistert. Kinder, die jetzt in Filmen am Ende des Workshops zu sehen sind. „Alle Kinder, egal ob sie eine Schwäche haben wie ich, sollen eine Schule besuchen”, sagt dort Eric aus der 7f der Gesamtschule.

Norbert Bathe hat als Heinrich-Heine-Lehrer zwei Kinder der Johannes-Kepler-Schule in seine Klasse bekommen. „Sie sind eine Bereicherung. Ich will sie nicht mehr missen”, erzählt er. Bathe engagiert sich mit anderen Lehrern der vier Schulen in der Inklusions-Arbeitsgruppe „Flink”. Man könnte warten, bis die Landesregierung den lange angekündigten Rahmen für die von Elternseite vehement geforderte Inklusion vorgibt. Aber die Lehrer wollen nicht mehr warten. „Der Status der Kinder ist immer noch ungeklärt, die Finanzierung findet unter Vorbehalt statt. Die Politik darf nicht immer nur sagen, dass sie Inklusion will. Es muss Klarheit her”, sagt Bathe.

Klarheit für die tägliche Arbeit hat den Lehrern vom Hander Weg der Dienstag gegeben. Und mehr noch. Kontakte wurden geknüpft, Denkanstöße gegeben, Ängste formuliert. Die Ergebnisse werden ausgewertet, ein weiterer Workshop ist geplant. „Wir haben hier eine Position, die wir nutzen sollten”, findet Michael Scharf von der Johannes-Kepler-Schule.
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