Aachen - Ausgetüftelte Dachkonstruktion garantiert freie Sicht auf den Ball

Ausgetüftelte Dachkonstruktion garantiert freie Sicht auf den Ball

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Die ersten Stahlträger für das Stadiondach des neuen Tivoli werden montiert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eigentlich hatten die Männer vom Bau den Winter ja in den Weihnachtsferien eingeladen. Der ließ sich aber bekanntlich zweimal bitten, und so mussten an Aachens größter Baustelle, dem neuen Tivoli, die Kräne und Sattelschlepper eben ein Woche ruhen. „Das bereitet mir aber keine Unruhe.

Wir sind gut im Schuss”, sagt Stephan van der Kooi. Und angesichts der Gelassenheit, mit der er diese beiden Sätze ausspricht, mag man dem Projektleiter „neuer Tivoli” problemlos glauben. Es geht ordentlich voran, an mehreren Stellen gleichzeitig - und jetzt auch an der Überdachung.

Die ersten drei sogenannten Stahlbinder ragen seit Donnerstag in den Himmel über der Soers. Natürlich schwarz lackiert und mit gelben Querträgern versehen. 54 dieser Binder werden Mitte April die Tribünen überdachen und dann die Haltekonstruktion für die Bleche bilden, die die Fans vor Regen schützen. Und die Farbe des Daches von unter: natürlich gelb.

Die Statik bezeichnet aber auch Stephan van der Kooi durchaus als kompliziert, denn die Zuschauer sollen komplett freie Sicht auf das Geschehen unten auf dem Platz haben. Anders als zum Beispiel beim FC St. Pauli oder bei Mainz 05, wo aus Kostengründen in die Ränge Dachstützen gesetzt werden. Bereits jetzt kann man in Aachen sehen, dass dies nicht der Fall sein wird.

Die Binder ruhen allein auf den rückwärtigen Hauptstützen der Tribünen und werden über Zwillingsseile nach hinten gehalten, die ihrerseits wieder über 12 Meter tiefe Betonfundamente im Boden verankert sind. Im gesamten Stadioninneren wird es also nicht eine Stütze geben.

Da Aachen in einer kritischen Erdbebenzone liegt, wird das Dach zusätzlich gegen die „Eigenfrequenz”, sprich zu heftige Schwingungen, stabilisiert. Dazu befinden sich an den Vorderkanten des Dachabschlusses Betonnasen, jede für sich 7,5 Tonnen schwer. Die Stahlbinder selbst sind 40 Meter lang, 32 Meter davon ragen über die Tribüne, 8 Meter nach hinten in den Verankerungsbereich. Mitte April soll nicht nur die Stahlkonstruktion stehen, auch die beiden Videowände à 6,5 Tonnen sind dann bereits installiert.

Vor weiterem Frost haben die Stahlbauer im Betonrechteck keine Angst, die Arbeiten sind auch bei Minusgraden nicht gefährdet. „Und die verlorene Woche bei den Erdbauarbeiten können wir problemlos aufholen”, ist der Projektleiter zuversichtlich.

Das mag auch daraus resultieren, dass zurzeit etwa 150 Bauleute an fünf Stellen gleichzeitig werkeln: der abschließenden Montage der Betonfertigteile, der Dachkonstruktion, dem Betonbau vor Ort zum Beispiel an den Logen und dem Medienbereich, dem Richtung Soerser Weg gelegenen Parkhaus und zusätzlich dem Vorplatz, der allerdings in städtischer Betreuung liegt.

2000 Tonnen Stahl ragen im Frühjahr über der neuen Arena und spannen einen gewaltigen Schirm bis in die erste Reihe. Fast zehn Kräne sind im Moment im Einsatz und sind ein gewaltiges Beruhigungsmittel für die Nerven des weiterhin gelassenen Projekt-Leiters.
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