Ausgegrenzte werden hier zum Kunstobjekt

Von: Kathrin Albrecht
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Gibt der Schnelllebigkeit unserer Zeit ein Gesicht: Gerda Pannhausen stellt im KuKuK an der Eupener Straße bis zum 21. September aus. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Jeden Tag prasseln hunderte von Nachrichtenmeldungen auf uns ein. Sie berichten über Phänomene und Ereignisse, die uns einige Zeit bewegen, und im Spiegel der Aktualität und der nächsten Geschichte wieder verblassen. Bei Gerda Pannhausen verwandeln sie sich in Kunst.

Themen, die sie berühren, setzt sie in Collagen um. 34 dieser Arbeiten sind jetzt unter dem Titel „Zeitereignisse: Persönliche Eindrücke“ im Deutschen Zollhaus am Grenzübergang Köpfchen zu sehen.

Seit 1982 arbeitet die ausgebildete Erzieherin und Therapeutin als bildende Künstlerin. In ihrem Berufsleben, so erklärt der Aachener Kunsthistoriker Dirk Tölke, habe sie viel menschliches Leid kennengelernt. Ihre Kunst halte den Finger auf gesellschaftliche Problemfelder. Oft mache sie die Ausgegrenzten zum Subjekt ihrer Werke. „Gefangenschaft“ ist der Titel einer Collagen-Serie, die sich mit dem Alltag von Inhaftierten auseinandersetzt. Dabei gehe es Gerda Pannhausen nicht um einen Tabubruch oder um Provokation, vielmehr bringe sie mit ihren Werken „eine gemütvolle Empörung“ zum Ausdruck, beschreibt Tölke die Wirkung der Collagen.

Eine Serie fällt dem Betrachter sofort ins Auge: Drei große Collagen, betitelt mit der Überschrift „Das Martyrium der Elisabeth Fritzl“. Gerda Pannhausen verarbeitete in dieser Serie die 24-jährige Leidensgeschichte der Österreicherin Elisabeth Fritzl, die von ihrem Vater missbraucht und über Jahre mit ihren Kindern im Keller des Elternhauses gefangen gehalten wurde. Für die Collagen hat sie die originalen Grundrisse der Wohnung verwendet. Niemals wird das Opfer selbst gezeigt. Andeutungen, für den Betrachter jedoch sofort verständlich, machen das Thema sichtbar. Den Zeitungsausschnitten stehen Figuren gegenüber, die an Gemälde des niederländischen Renaissance-Malers Hieronymus Bosch angelehnt sind. „Mir gefällt seine skurrile und wahrheitsgemäße Darstellung“, erläutert Gerda Pannhausen. „Er hat mit seinen Darstellungen die Leute seiner Zeit aufgerüttelt.“

Snwoden und das Rauchverbot

In ihren Werken arbeitet sie frei von künstlerischen Vorgaben. „Ich spüre, das ist jetzt richtig“, sagt sie über ihre Herangehensweise. Das Material sammelt sie aus Zeitungen, Zeitschriften und Bildbänden zusammen, oft über Jahre. Einen weiteren großen Zyklus hat Gerda Pannhausen dem Buch und Film „Schlafes Bruder“ gewidmet. „Mich hat diese unglückliche Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren Elias und Elsbeth gefesselt“, erzählt sie. Auch jüngste Ereignisse, wie das politische Gezerre um Edward Snowden und die NSA-Affäre sowie das Rauchverbot hat sie künstlerisch aufbereitet. Mit ihrer Themenauswahl macht es Gerda Pannhausen sich und dem Betrachter nicht leicht. Die Ausstellung erfordere eine Bereitschaft, sich einzulassen, resümiert Dirk Tölke. Wer sich von den Werken „berühren“ lässt, ist angeregt, über gesellschaftliche Phänomene unserer Zeit nachzudenken und auch einmal einen anderen Blick zu wagen.

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