Aus eigener Kraft zu mehr Lebensqualität

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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„Marte Meo” in der Anwendung
„Marte Meo” in der Anwendung: Stationspflegeleiter Stephan Graf fördert bei den Bewohnern des Seniorenzentrums am Haarberg Selbstbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit. Foto: Andreas Herrmann

Haaren. „Jetzt wieder trockenmachen.” Die Altenpflegerin trocknet Peter B. das Gesicht ab, hält inne, schaut ihn lächelnd an und sagt noch: „Gesichtsmassage.” Peter B. strahlt und wendet ihr sein Ohr zu, damit sie das auch richtig abtrocknen kann. Die Pflegerin lobt anerkennend.

Früher hat Peter B. nicht viel gelächelt und ist der Pflegerin bestimmt nicht entgegengekommen. „Da war hauptsächlich Angst”, erinnert sich Christoph Vennedey, Heimleiter im Seniorenzentrum am Haarbach, dem Wohnort von Peter B. Der Senior ist im späteren Stadium an Demenz erkrankt und wird stationär betreut. Aber was hat sich geändert?

Im Seniorenzentrum am Haarbach wird seit einiger Zeit nach dem Konzept „Marte Meo” gearbeitet. Nicht nur die Pflegekräfte, sondern alle Angestellten von der Küchenkraft bis zum Hausmeister wurden darin geschult. Und auch die Angehörigen werden einbezogen. „Marte Meo bedeutet so viel wie aus eigener Kraft”, erläutert Vennedey. „Wir wollen an die Potenziale der Menschen anknüpfen, ihre Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion entdecken und fördern. Es geht um Beziehungen.” Denn gerade Kontaktarmut sei das größte Problem alter Menschen.

Patienten erfahren Wertschätzung

Das hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. „Eigentlich geht es um Kleinigkeiten: Handlungen ankündigen, Einverständnis abholen, vielleicht Entscheidungen einfordern und Aufmerksamkeit schenken, gute Momente genießen. Wenn wir dem Patienten vermitteln, dass er Einfluss auf das hat, was mit ihm passiert, erlebt er viel Wertschätzung”, erklärt Kerstin Schnapp-Benend, Pflegedienstleitung im Seniorenzentrum am Haarbach.

Das sorgt für mehr Lebensqualität bei den Bewohnern und mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitern. „Marte Meo ist keine Zeit-, sondern mehr eine Haltungsfrage”, meint Vennedey. „Die Schritte dauern im Einzelnen vielleicht etwas länger, aber der Umgang mit den Patienten ist insgesamt viel leichter geworden. Und das spart letztlich auch Zeit.”

Entwickelt wurde „Marte Meo” von der Niederländerin Maria Aartz - für Eltern. Mittlerweile wird das Konzept aber in vielen Feldern sozialer, pflegerischer und therapeutischer Arbeit angewendet. In Deutschland allerdings erst in drei Pflegeheimen; eins davon steht in Haaren. Wissensdurstiger Besuch ist deshalb durchaus üblich, manchmal aus dem Ausland.

Von der im Übrigen auch pflegende Angehörige profitieren können, denn für sie bietet das Seniorenzentrum Fortbildungen an (siehe Info-Kasten). „Wir wollen eine andere Grundstimmung erzeugen”, benennt Schnapp-Benend das Ziel.

Peter B. ist nach Gesichtswäsche und Beziehungspflege unterdessen ganz wach und fordert selbstbewusst ein: „Den Rücken kräftig abrubbeln!” - Kein Problem, wird gemacht.
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