Augenzwinker-Ehrung „mit ganzen Nüssen“: Preis für Runi Förster

Von: Kristina Toussaint
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Zwischen echter Satire und echter Liebeserklärung: Runi Förster wurde mit dem „Aachener Freundschaftspreis“ ausgezeichnet – und natürlich mit reichlich „Öcher Mucke“ bedacht. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Der internationale Aachener Freundschaftspreis mit ganzen Nüssen“ – eigentlich sei das Ganze ja ein „Fake“, wie die Preisträgerin selbst sagte. Als Parodie auf das immense Preisverleihungs-Aufkommen in der Stadt ist die etwas andere Auszeichnung in jedem Fall gemeint – aber auch als Gegenaktion nach dem Motto: Endlich sollen einmal Menschen mit einem Preis bedacht werden, die wirklich etwas für die Stadt geleistet haben. Für die kulturelle Identität und Vielfalt Aachens, und für die emotionale Verbundenheit zwischen den Menschen und ihrer Stadt.

In dieser Mentalität der Preisverleiher um Kabarettist Wendelin Haverkamp, eine neue Zeremonie mit Augenzwinkern aus der Taufe zu heben, findet sich die Parallele zum Verdienst der ersten Preisträgerin: Als die gebürtige Aachenerin Runi Förster 1969 in ihre Heimatstadt zurückkehrte, konnte sie sich mit der vorhandenen Musiklandschaft nicht abfinden. In der „Maschbauer-Stadt“ spielten alle Dixie.

Förster hatte mit ihrem Mann, einem Jazzmusiker, zuvor einige Jahre in Wien gelebt und beschloss, den dort erlebten Freigeist und die Musik, die sie selbst gerne hörte, in Aachen zu etablieren. Ihr Lokal „Bei Runi“ an der Rennbahn wurde zu einer Institution der Jazzmusik, zur „Relaisstation“ des freien Denkens und der guten Gespräche. Stammgäste waren hier unter vielen anderen die Mitglieder des selbst ernannten „Preis-Krematoriums“ des Freundschaftspreises, neben Haverkamp bestehend aus den Musikern Dieter Kaspari, Manfred Leuchter und Semmel Sembritzki.

„Die Stadtobersten scheinen nicht zu verstehen, was eine Stadt im Innersten zusammenhält“, so Haverkamp. Niemals würden Menschen wie Runi Förster daher eine gebührende Ehrung erhalten – wäre da nicht der Freundschafspreis. Abgehalten wurde die Preisverleihung, „wie sie Westeuropa selten gesehen hat“, im Kreise vieler Wegbegleiter und Freunde im Café Couleur, das nach Aufgabe des Lokals an der Rennbahn und einigen Jahren im Jakobshof auch eine Station in Försters Leben war.

Großartige musikalische Unterhaltung durch klassischen und Öcher Blues mit Kapari an der Gitarre und Sembritzki am Saxofon sowie Uwe Böttcher am Kontrabass und durch die Weltmusik von Manfred Leuchters Akkordeon sowie Texte Haverkamps, die seine Liebe zu dieser „vergleichsweise unbedeutenden Stadt“ erklären – das war das Abendprogramm, mit dem der Freundschaftspreis quasi dotiert war.

„Eine schöne Bilanz“ kann Runi Förster ziehen aus dem, was sie in der Stadt als Gastronomin und Kulturförderin in Gang gesetzt hat. Neben einer Bühne für Musiker bot „Bei Runi“ auch befreundeten Malern die Möglichkeit, ihre Kunst zu präsentieren.

„Der internationale Freundschaftspreis mit ganzen Nüssen“ drückt seine Zuneigung zwar nicht durch Printen und Preisgelder aus, als Auszeichnung für ihr Lebenswerk konnte Förster aber doch etwas mit nach Hause nehmen: eine von allen Anwesenden unterschrieben Urkunde und – geschmiedet in der Goldschmiede Schmelzpunkt – eine silberne Haselnuss am Band.

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