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„Augen rechts!“ – und Augäpfel fliegen...

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Groß in Form: Penn-Kommandant Jürgen Brammertz und Marketenderin Nadine Staerk.
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Abgehoben: Prinz Bernd I. legte mit Hofstaat und Ensemble eine flotte Tanzeinlage aufs Parkett.
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Imposante Kulisse, grandiose Stimmung: Flankiert von über 140 Penn-Soldaten rissen die 4 Amigos das Publikum im Eurogress – bei der Penn-Sitzung traditionell in Abendgarderobe statt Kostüm – zu Begeisterungsstürmen hin. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Aha, die Penn-Familie – mit Müdigkeit hat das aber nix zu tun!“, strahlt Parodist Jörg Knör. Da jubelt das Publikum immer noch frenetisch – bei der Sitzung der Stadtgarde Oecher Penn von 1857 e.V. traditionell in Abendgarderobe statt Kostüm. Was der Stimmung überhaupt nicht schadet. Im Gegenteil.

Wie man ohne Großbildleinwand auf der Bühne und ohne Ballermann-Getöse 1400 Gäste im ausverkauften Eurogress bis in die allerletzte Stuhlreihe über dreieinhalb Stunden fesselt, bespaßt und begeistert, beweist Aachens ältester und mit rund 600 Mitgliedern größter Karnevalsverein am Samstagabend eindrucksvoll. Es geht eben doch!

Drei Redner im Programm? Da runzelt mancher am frühen Abend erstmal die Stirn. Enorme Geräuschkulisse und erstaunliches Desinteresse gehören bei Wortbeiträgen auf vielen Sitzungen mittlerweile zum vermeintlich „guten“ Ton. Nicht so bei der Penn. Deswegen zündet schon Stimmenimitator Knör: als Angela Merkel, die sich nach ihrem Skiunfall von ihren zwei Krücken behindert fühlt – nämlich Seehofer und Gabriel; als selige Inge Meysel, die aus dem Himmel weitere ADAC-Lügen entlarvt – „Liebe Aachener, ich versichere Ihnen: Es gibt gar keine gelben Engel“.

Von Schröder bis Adenauer

Knör parodiert fünf Kanzler von Schröder bis Adenauer, veräppelt die Bohlens, Beckers und Wendlers des TV-Boulevards – und legt schließlich noch eine geniale Udo-Lindenberg-Nummer drauf. Stehende Ovationen belohnen den fantastischen Entertainer. Auch „Et Rumpelstilzje“ Fritz Schopps kommt mit feinen politischen Seitenhieben bestens an. Worauf der dritte Redner des Abends, Bühnen-Urgestein Wolfgang Reich, mit seiner tiefen, knorrigen Stimme zum hörbaren Amüsement des Publikums köstlich kalauert, etwa über schlüpfrige Partner-Gespräche: „Schatzi, sag mal was Schmutziges!“ – „Küche.“

Natürlich kündigt Penn-Kommandant Jürgen Brammertz, der mit über 140 Soldaten, dem schmissigen Spielmannszug unter der Leitung von Friedhelm Rademacher und einem erstklassigen Marketender-Paar (Nadine Staerk und Frank Radermacher) glänzen kann, auch Musik an. „Hätzblatt“ bringt die Narrenschar mit kölschen Medleys zum Beginn des Abends in Schwung. Zum Finale räumen die 4 Amigos Uwe Brandt, René Brandt, Stefan Beuel und Dietmar Ritterbecks ab. Auch auf Stöckelschuhen, im Abendkleid oder Smoking lässt sich offenbar toll auf Stühlen tanzen. „Alaaf – der Öcher Schäng“ hallt durch den Saal, und tausend Kehlen singen hemmungslos mit.

Tänzerische Qualitäten beweist Prinz Bernd I. mit Hofstaat und Ensemble auf der Penn-Bühne. Wenn der Narrenherrscher „An Tagen wie diesen“ perfekt choreographiert im glitzernd blinkenden weiß-golden Ornat abhebt, ist er in seinem Element. Sein Prinzenlied „Schwarz und Gelb“ gibt‘s quasi als Zugabe hinterher. Als zweite Tanznummer der Sitzung ernten die „Friends of Fantasy“ Applaus.

Besonders laut goutiert das Publikum den Auftritt des vereinseigenen Invalidenchors der Penn. Den habe man beim Aufräumen im Marschiertor ausgegraben, verrät Brammertz. Dann marschieren ein Dutzend Penn-Soldaten auf; Spinnweben fliegen, Staubwolken wirbeln – und einer steht zwar im Zwirn, aber ohne Schädel auf der Bühne. Als das Kommando „Augen rechts!“ befiehlt, reagiert die senile Soldatenriege so gut sie noch kann – und der Kopflose, der seine Augäpfel gerade noch in Händen hält, schmeißt diese zum Vergnügen der Zuschauer in die befohlene Richtung... Köstlich!

Programmmacher Georg Cosler darf man gratulieren. Sein Mut, auf drei lange Redebeiträge zu vertrauen, zahlt sich am Samstagabend aus. „Aber das liegt eben auch an unserem phänomenalen Publikum“, reicht Cosler das Kompliment gegen Mitternacht weiter. Weil‘s eben hellwach ist.

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