Auftürmen gegen das Chaos

Von: Peter Motz
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Ein Mann, der seine Kunst lebt und verkörpert: Ronny Delrue, der jetzt im Raum für Kunst seine Werke ausstellt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Man sieht Arbeitsplatten in Tapeziertischlänge, darauf sieben, acht, neun Tuschezeichnungen, dazwischen Malzeug, Krempel und, und, und. Auf dem Boden liegt zerknülltes Papier, haufenweise. Im Vordergrund steht ein Industriestaubsauger. In ihm dürften so manche Gedanken auf ihre endgültige Entsorgung warten.

Das große Aufklappfoto in der Mitte des Ausstellungskataloges ist Zeugnis größter Offenheit. Ronny Delrue lässt tief blicken: in sein Atelier, in seine Künstlerseele. Der Raum für Kunst in der Elisengalerie zeigt jetzt rund 130 Zeichnungen des 52-jährigen Belgiers.

Delrues Genker Atelier ist Sinnbild einer Getriebenheit. Hier führt ein Künstler seinen ganz persönlichen Kampf gegen Windmühlen. „Wir werden mit zu vielen Informationen überflutet”, sagt Delrue, der sich nach Einfachheit, nach Klarheit sehnt. Mit Wucht und Wut scheint er das Chaos aus dem Kopf aufs Papier zu kritzeln - auf den ersten Blick. Denn bei genauerer Betrachtung finden sich neben all den naiv wirkenden Strichen, Klecksen und Flecken wissenschaftlich anmutende Notizen, Routenplaner aus den Wirren der Gedanken.

Es sind Entwürfe, beispielsweise für einen Turm. Aus weißem Porzellan soll er sein, eine begehbare Skulptur, die den ungestörten Blick in die Klarheit des Himmels ermöglicht. Dem Feind, der „Krankheit” Reizüberflutung, hat Delrue einen Namen gegeben: „Cerebriraptor”, der Hirnräuber. Als Fabelwesen taucht dieser immer wieder in den Zeichnungen auf. Hier wird dann aus neo-expressionistischer Abstraktheit, die zuweilen an den großen Cy Twombly erinnert, konkret Greifbares, Angreifbares.

Doch Delrue, der diese mitunter verstörenden Werke bei der Vorabbesichtigung locker und humorvoll vorstellt, kann auch anders. Sanft, beinahe ästhetisch idealisiert kommen ein paar Akte daher. In den endlosen Din-A4-Blattreihen, die ein gemaltes Tagebuch sind, wirken sie wie Schätze: versteckt. Auffällig dagegen sind die metergroßen Tuschezeichnungen. Auch hier gibt es Geheimnisvolles: überklebte Partien, geschwärzte Gesichter - Stilmittel, die Delrue zudem bei alten Fotografien anwendet, die er auf Flohmärkten erwirbt.

Ein bereicherndes Sammelsurium ist diese Ausstellung. Kuratorin Sabine Bücher, Leiterin des Raums für Kunst der Sparkasse, fordert ihr Publikum heraus - heraus aus der Welt einfacher Bildbotschaften. Hier ist kaum etwas, was es anfangs zu sein scheint.

Die Ausstellung „Ronny Delrue - Zeichnungen” wird am Freitag, 5. Februar, um 19 Uhr mit dem Künstler eröffnet. Zu sehen ist die Ausstellung bis Samstag, 20. März, dienstags, donnerstags, freitags und samstags von 12 bis 17 Uhr im Raum für Kunst in der Elisengalerie.<7i>
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