Auftrag aus dem Knast: Heuert Sextäter Kidnapper an?

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Was Shahid G. (36) seit Montag vor der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht vorgeworfen wird, ist starker Tobak.

Aus dem Aachener Knast heraus soll der im November 2013 zu elf Jahren Haft verurteilte Sexualtäter kurz vor seinem Revisionsprozess versucht haben, gegen Geld den Auftrag „zu vergeben“, die Hauptzeugin seines Verfahrens verschleppen zu lassen, sie unter Drogen zu setzen und sie schließlich als Prostituierte zu verdingen.

So schilderten zwei Zeugen aus der hiesigen JVA die Geschichte, die sie im Mai/Juni 2014 mit dem Häftling Shahid S. erlebt haben wollen. Bei Knastgeschichten solchen Kalibers ist selbstredend höchste Vorsicht geboten. Denn um Vergünstigungen zu bekommen, wird erfahrungsgemäß des Öfteren dermaßen gelogen, dass sich die JVA-Balken biegen.

Der Vorsitzende Richter, Markus Vogt, gab sich denn auch äußerste Mühe und legte Wort für Wort der beiden Knastis auf die Goldwaage. In der Sache blieben die beiden Zeugen am Montag hart. Der Angeklagte Shahid G., vor der Haft Dolmetscher und Fahrlehrer aus Würselen, war Ende November 2013 zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Seit 2008 hatte er laut Gericht seine zwölfjährige Adoptivtochter und deren Freundin sexuell missbraucht und vergewaltigt, was G. bis zuletzt bestritt. Obwohl die Adoptivtochter ihre belastende Aussage zurückzog, wurde G. verurteilt, weil ihre Freundin, ein Nachbarskind, bei ihrer Aussage blieb. G. habe dann eine erneute Aussage der 14-Jährigen verhindern wollen und den Versuch gestartet, sich der Zeugin zu entledigen. Die Anklage: Anstiftung zu schwerem Menschenraub.

Der Plan, schilderte am Montag ein 30-jähriger Häftling, sei der gewesen, das Mädchen zu kidnappen, sie unter Drogen zu setzen und zu verschleppen. G. habe auf einem Zettel einen Text verfasst, der während der Entführung vom Handy des Opfers als SMS an seine Stieftochter versendet werden sollte. Tenor der SMS: Der Freundin tue das alles leid, auch sie widerrufe nun ihre Aussage. Der JVA-Zeuge und ein weiterer Gefangener nahmen den Auftrag an, 8000 Euro seien ausgemacht für die Aktion, gleichzeitig solle G. befreit werden.

„Wir sind nur aus Schein darauf eingegangen und haben die Kripo angerufen“, schilderte der Zeuge die Aktion, mit dem Handy aus der Zelle heraus. Bei dem zweiten, 28-jährigen Zeugen war deutlich die völlige Ablehnung von Sexualstraftätern zu spüren. Mit denen spreche man eigentlich nicht, nur eben in Ausnahmefällen wie diesem. „Wir wollten schließlich, dass das Mädchen verschont bleibt“, versicherte der breitschultrige Mann dem Gericht und schilderte, wie G. später den Auftrag erweitert habe mit dem Satz, „das Mädchen muss letztlich in die Tonne“. Dafür habe er weiteren Blutlohn geboten.

Für Verteidiger Rainer Dietz sind das alles falsch Verdächtigungen, die „im Knast an der Tagesordnung“ seien. Sein Mandant habe werde mit dem einen noch mit dem anderen auch nur ein einziges Wort gewechselt, er kenne sie gar nicht. Der Prozess wird am 26. Oktober fortgesetzt, man darf gespannt sein.

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