Aufstockung verweigert: Jugendtreff „Knutschfleck“ sieht Arbeit gefährdet

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Die Besucher werden immer jünger. Und der Beratungsbedarf ist enorm gestiegen. Für viele homosexuelle Jugendliche ist der Jugendtreff „Knutschfleck“ an der Jakobstraße eine wichtige Anlaufstelle.

Viele von ihnen haben psychosoziale Probleme – und das nicht nur mit ihrem „Coming Out“ beispielsweise der Familie gegenüber.

„Oft kommen weitere Probleme dazu. Wir hatten schon Fälle, die bis zur Suizidgefahr gingen“, sagt Andreas Sommer, der den Trägerverein vor mehr als einem Jahrzehnt mit gegründet hat. Allein: Um sich adäquat um diese vielen Fälle kümmern zu können, fehlt es an qualifiziertem Personal. Deswegen hatte der Jugendtreff im Herbst einen Antrag auf höhere städtische Zuschüsse gestellt. Doch daraus wird nichts. Mit den Stimmen von CDU und SPD habe der Finanzausschuss die Erhöhung abgelehnt, so Sommer.

Das sei nicht nachvollziehbar, kritisieren Sommer wie auch Vereinsvorstand Paul Jonas Juncker. Schließlich habe der Kinder- und Jugendausschuss der Erhöhung jüngst zugestimmt, woraufhin Kämmerin Annekathrin Grehling das Plus auch in den Haushalt aufgenommen habe. Allerdings hatten CDU und SPD auch dort nein gesagt, waren aber überstimmt worden. In diesem Ausschuss haben auch die Vertreter freier Träger eine Stimme. Die Beschlüsse des Ausschusses sind nicht erst einmal wieder „kassiert“ worden.

Es geht in diesem Fall um 19.000 Euro pro Jahr. Bislang erhält der Verein 14.400 Euro für eine Betreuungskraft, die sieben Stunden pro Woche da ist. Das entspricht in etwa der Öffnungszeit (donnerstags 16.30 bis 23 Uhr). Benötigt werde aber eine halbe Stelle. Denn erstens sei das Besucheraufkommen enorm gestiegen. Zudem sei die Klientel deutlich jünger geworden. Seien es früher eher 17- bis 25-Jährige gewesen, die „Knutschfleck“ vor allem als Treffpunkt nutzten, so seien es heute vor allem 14- bis 17-Jährige.

Ehrenamtler stemmen nicht alles

Bislang werde vieles von Ehrenamtlern aufgefangen. Gerade in Bezug auf diese Altersgruppe könnten Ehrenamtler jedoch keine psychosoziale Betreuung leisten. „Das wäre unverantwortlich“, so Andreas Sommer.

Begründet worden sei die Ablehnung von der großen Koalition vor allem mit der „Gleichbehandlung“. So gebe es für alle freien Träger, mit denen die Stadt eine „Leistungsvereinbarung“ hat, ein Plus von zwei Prozent. Doch wenn es um „Gleichbehandlung“ gehe, dann macht Sommer eine ganz andere Rechnung auf. Die Arbeit von „Knutschfleck“ sei fester Bestandteil des aktuellen Kinder- und Jugendförderplans, der zuletzt 2014/15 aufgelegt wurde. Der Jugendtreff werde dort als „Teil-Offene Tür“ (TOT) eingestuft.

Doch TOTs haben laut Sommer in der Regel eine Personalausstattung von einer halben bis zu 1,5 Stellen. Da könne dann ja wohl keine Rede von „Gleichbehandlung“ sein. Zudem haben die Verwaltung die Politik mehrfach darauf hingewiesen, dass die Personalausstattung der Einrichtung hinten und vorne nicht mehr reiche.

Vom Land gebe es indes ebenfalls Gelder. Doch die seien rein für Projektarbeit und nicht für die Fixkosten zu erhalten. Merkwürdig findet Sommer, dass SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Jansen Fördermitglied sei und sich dementsprechend für „Knutschfleck“ einsetze, ihre eigene Partei auf städtischer Ebene aber in die andere Richtung rudere.

Soll es nun bei der Ablehnung bleiben, „müssen wir schauen, ob wir unser Angebot insbesondere bei der psychosozialen Betreuung der jungen Menschen einschränken müssen, weil man das eben wie gesagt nicht mit Ehrenamtlern leisten kann“, macht Andreas Sommer die prekäre Lage insbesondere für die Betroffenen deutlich. Das letzte Wort in Sachen Haushalt hat dann am kommenden Mittwoch der Stadtrat.

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