Aufbruchstimmung: Wer bleibt, was geht?

Von: Robert Esser
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Die Einkaufsmeile bleibt gefragt: Einige Geschäfte mit Stammsitz in der Adalbertstraße orientieren sich zusätzlich Richtung Einkaufszentrum Aquis Plaza. Foto: Michael Jaspers
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Sogwirkung: Rund um Aquis Plaza sollen neue Geschäfte aufblühen.
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Rund um Viersen, Mönchengladbach und Krefeld war die Aktion bereits ein Erfolg. Dort hatte die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein im vergangenen Jahr „Heimat Shoppen“ ins Leben gerufen. Eine eindrucksvolle Aktion, die den stati

Aachen. Im besten Sinne verraten und verkauft: Geheimnisse um die künftigen Geschäfte im Einkaufstempel Aquis Plaza stehen derzeit hoch im Kurs. Wobei sich bei näherem Hinsehen so manches Gerücht in Luft auflöst.

Nur 30 Prozent der 130 Shops auf 29.200 Quadratmetern Verkaufsfläche waren laut Centermanagerin Kathrin Landsmann bereits in Aachen ansässig – wie Rewe und Saturn. Der Elektroriese zieht aus der Kaufhofimmobilie an der Reihstraße aus.

Mehrere Etagen angestammter Verkaufsfläche räumt offenbar auch die spanische Modekette Zara. Zum Aquis-Plaza-Eröffnungstermin 28. Oktober wolle man das Haus an der Adalbertstraße 25 schließen und am Ende der Fußgängerzone in der neuen Mall Geschäftsräume mit einigen hundert Quadratmetern mehr als am alten Standort einweihen, heißt es inoffiziell. Einige „Rahmenbedingungen“ müssten noch abschließend geklärt werden, teilt Zara-Sprecherin Frauke Schmidt offiziell auf AZ-Anfrage mit. Andere Modeketten setzen in Aachen auf Zusatzgeschäfte.

Schuhhändler Deichmann will sein Stammhaus in der Adalbertstraße behalten und eine weitere 600 Quadratmeter große Filiale im Aquis Plaza eröffnen. „Neben den Highlights aus den jeweils aktuellen Kollektionen werden die Kunden bei uns das zeitlose Basis-Sortiment aller Deichmann-Filialen, unser Sportschuh-Angebot und schicke Accessoires wie Tücher, Schals und Taschen finden“, erläutert Unternehmenssprecherin Sonja Schröder-Galla. Auf eine Erweiterung des Waren-Portfolios konzentriert sich einige Häuser weiter auch S. Oliver. Die Dependance in der Fußgängerzone soll fortgeführt werden; in den futuristischen Konsumtempel zieht man mit unternehmenseigenen Töchtern wie dem Modelabel Liebeskind ein.

Vom „Ausbluten“ der Adalbert-straße kann also keine Rede sein. Obwohl die Montag veröffentlichte Passantenfrequenzzählung des Frankfurter Immobilienberatungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) zum Stichtag 21. März 2015 extrem niedrige Werte für Aachens populärste Einkaufsmeile meldet. Nur 5115 Passanten wurden an jenem Samstag zwischen 13 und 14 Uhr gezählt. Das reicht im deutschlandweiten Ranking mit 170 Einkaufsstraßen nur noch für Platz 46. Ganz vorne rangiert nach Jahren erstmals wieder die Münchener Kaufingerstraße (15.655 Passanten) vor der Frankfurter Zeil (13.480) und der Schildergasse in Köln (13.440).

2014 waren im Vergleichszeitraum in Aachen noch 7840 potenzielle Kunden unterwegs, also über 2700 mehr als dieses Jahr – was nicht nur an der Großbaustelle zwischen Willy-Brandt- und Kaiserplatz liegt. 2014 schien zum Stichtag bei 19 Grad Celsius die Sonne, 2015 war‘s bei gerade mal 7 Grad Celsius regnerisch.

Abgesehen vom „Einkaufswetter“ erklärt Monika Frohn, Handelsreferentin der Industrie- und Handelskammer (IHK): „Erste Ergebnisse einer Langzeitstudie zu Kundenströmen in der Innenstadt, die wir jetzt mit dem Geographischen Institut der RWTH begonnen haben, legen nahe, dass es zuletzt keine großen Schwankungen der Kundenfrequenz in der Adalbertstraße gab.“ Gleichwohl bestätigt Frohn viel schwächere Kundenströme in der Altstadt.

JLL führt die Krämerstraße zwischen Dom und Rathaus mit 2145 Passanten auf Platz 131 noch hinter der Wirtelstraße in Düren (2440/119). „Aachens Altstadt hat jedoch den Vorteil, dass sie einzigartig attraktiv ist – gerade für inhabergeführte Geschäfte“, sagt Einzelhandelsexperte Herbert Kuck. „Klar ist trotzdem, dass das direkte Umfeld von der Sogwirkung des Aquis Plaza viel mehr profitiert“, stellt der Wirtschaftsförderer fest.

Wie viel Bewegung gerade in die Adalbertstraße kommt, verraten auch neue Investoren, die hinter renovierten Fassaden der Hausnummern 37 und 43 bald Pandora-Schmuck und Eterna-Hemden verkaufen. Zu gut 60 bestehenden Geschäften in der Adalbertstraße kommen dann mit Aquis Plaza noch 130 hinzu – bestenfalls.

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