Aufatmen bei „Palla Creativ”: 170 Jobs gerettet

Von: Berthold Strauch
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Alte Manager, neue Eigentümer: Christoph Königs (l.) und Peter Recker übernehmen den Brander Textilhersteller „Palla Creativ”. Foto: Kurt Bauer

Aachen. Rolf Winkler atmet kräftig durch - zur Entwarnung sei es noch zu früh, mahnt der Betriebsratsvorsitzende des im Brander Ortsteil Niederforstbach ansässigen Textilunternehmens Palla Creativ.

Zu viel hat der Nachfolgebetrieb der Textilfabrik Becker in den vergangenen Jahren durchleiden müssen, als dass der Mitarbeitervertreter nun seine Hände in den Schoß legen möchte. Doch es gibt nun erst einmal Hoffnung auf ein Stück sichere Zukunft.

Denn, so die frohe Botschaft, die Becker Textil GmbH übernimmt diesen Standort komplett. Damit kehrt Palla Creativ sozusagen an seinen Ursprung zurück. Auch sonst ist ein wichtiges Stück Kontinuität angesagt. Denn hinter Becker Textil steckt - die bisherige Geschäftsführung! Die Wirtschaftssprache hat dafür den Begriff „Management buy out” parat, also: Die bisherigen leitenden Angestellten kaufen das Unternehmen.

Der Insolvenzverwalter von Palla Creativ, Dr. Christoph Niering, sieht in den neuen Eigentümern Peter Recker und Dr. Christoph Königs einen wichtigen Faktor für eine gute Zukunft. „Wir sind froh, dass wir den traditionsreichen Standort Aachen sichern können”, sagt Niering. Und noch schöner ist, dass alle der zuletzt 170 Mitarbeiter ihre Jobs behalten können.

Weniger rosig sind die Perspektiven allerdings für die bisherigen Palla-Creativ-Niederlassungen in Neuenkirchen im Münsterland sowie im sächsischen St. Egidien, die vor dem Aus stehen. Dies sei der wegen der Wirtschaftskrise zurückgegangenen Nachfrage geschuldet. Die BT Textil Verwaltungs-GmbH, so der komplette Name, übernimmt auch die Geschäftsanteile an der Becker & Führen Tuche Vertriebs-GmbH.

Warum sich Betriebsratschef Rolf Winkler weiter Sorgen macht, dafür sorgt die Auftragslage. Man habe zwar im Augenblick zu tun. Aber für eine stabile Zukunft müsse sich da mehr tun, um endgültig überleben zu können. „Wir sind noch nicht über den Berg, wir haben noch einen steinigen Weg vor uns”, verdeutlicht Winkler.

Offen sei auch, wie die Kunden reagieren. Immerhin habe die Fabrik wegen der Insolvenz „eine Saison aussetzen müssen”, so dass die bisherigen Abnehmer der Waren aus Aachen sich zwangsläufig anderweitig umsehen mussten. „Wir fangen wieder neu an”, bekräftigt Winkler. „Die Durststrecke wird wohl noch bis Ende dieses Jahres dauern.”

Becker Textil hat den Kunden aber auch etwas zu bieten. „Immerhin sind wir der letzte Jeanshersteller in ganz Mitteleuropa”, hebt der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung hervor. Produziert werden Hosenstoffe im höheren Preissegment.

„Vom ehemals größten Weber und Massenanbieter zum Spezialisten”, so sieht Geschäftsführer und Miteigentümer Peter Recker die künftigen Perspektiven. Für nächstes Jahr erwartet er einen Umsatz von lediglich 30 bis 35 Millionen Euro. Bis 2007/08 lag diese Zahl noch bei rund 100 Millionen Euro, sagt er. Froh ist Recker für das weitere finanzielle Engagement von „Deutschlands größtem Textilunternehmer” Claas Daun aus Rastede bei Oldenburg, der „zu bankenmäßigen Konditionen” dabei sei. Ansonsten sei keine „echte” Bank mit von der Partie. An Bord geblieben seien außerdem „alle Know-how-Träger”. Zudem setzt er auf „unsere flexible Belegschaft”.
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