Aachen - Auf Gut Hebscheid wird Inklusion gelebt

Auf Gut Hebscheid wird Inklusion gelebt

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Wollen beim Herbstfest auch ihre Arbeit vorstellen (v.l.): Alois Poquett (Geschäftsführer), Nadia Lalee (Sozialdienst), Diana Müthe (Vermarktungsleiterin), Barbara Plessmann (Gärtnermeisterin) und Maria Poquett (Gastronomie-Leiterin). Foto: Kurt Bauer

Aachen. „Wir leben Inklusion!“ steht auf den Flyern, die für Sonntag, 2. Oktober, zum Herbstfest auf Gut Hebscheid, Grüne Eiche, einladen. „Das wirkt vielleicht ein bisschen hochtrabend, aber es ist tatsächlich so“, erklärte Alois Poquett, Geschäftsführer der Via Integration gGmbH, zu der unter anderem auch der Gartenbetrieb auf Gut Hebscheid gehört.

„Wir haben hier ein normales Miteinander zwischen den Mitarbeitern mit und ohne Behinderung.“

Via Integration hat sich vor allem auf das Feld der psychischen Behinderung spezialisiert. Dazu gehören Borderline-Störungen, Depressionen, Sozialphobien, aber auch Autismus. Von den 62 Mitarbeitern können sich 37 als schwerbehindert ausweisen. 11 der 20 Azubis gehören dazu. „Für viele sind wir die letzte Hoffnung“, berichtete Maria Poquett, die die Gastronomie in dem Integrationsbetrieb führt. „Wir können die Menschen bei ihren Talenten und Arbeitsfähigkeiten abholen, wo sie gerade stehen. Und wir tun das auch.“

So kann es vorkommen, dass jemand mit einer massiven Angststörung die Freiheit bekommt, erst dann zur Arbeit und zur Schule zu kommen, wenn er oder sie keine Angst verspürt. Andere bekommen die klaren Strukturen, die sie für ein stabiles Leben brauchen. Was für einen normalen Betrieb undenkbar ist, führt bei Via Integration oft zum Erfolg. „Auch wir müssen Leistung in allen Bereichen bringen und Qualität liefern“, meinte Maria Poquett, „aber Menschen mit Behinderung sind ja nicht leistungsarm.“

Denn Via Integration wirtschaftet nicht unter einer Käseglocke. Am Markt bestehen – das gehört bei aller Sensibilität, um die auch bei den Kunden geworben wird, dazu. Egal, ob das im Via-Bioladen im Frankenberger Viertel, auf dem samstäglichen Biomarkt am Münsterplatz oder bei der Auslieferung der Grünen Kisten ist. Gleiches gilt für die Gastronomie, und natürlich muss auch die Verwaltung funktionieren.

Die Grundlage hierfür bilden eine ständige Kommunikation und Transparenz sowie nicht zuletzt der Sozialdienst. „Wenn wir unterschiedliche Anforderungen an unsere Mitarbeiter stellen, müssen wir das kommunizieren, ohne dabei zu sehr ins Persönliche zu gehen“, umschrieb Gärtnermeisterin Barbara Plessmann die besonderen Herausforderungen für das Führungsteam. Trotz eigener pädagogischer Fortbildung sei sie daher manches Mal froh, Rat und Unterstützung von Sozialdienstleiterin Nadia Lalee zu bekommen. „Wenn Menschen zur Ruhe kommen, brechen oft zunächst große Krisen aus, bevor es aufwärts geht“, erläuterte Lalee. Neben ihr, Maria Poquett und Barbara Plessmann gehört auch noch Diana Müthe als Vermarktungsleiterin zum Führungsteam.

Einen Einblick, wie das alles funktioniert und wo eigentlich die leckeren Cocktailtomaten wachsen, gibt das Herbstfest. Zusätzlicher Anlass ist der 100. Flohmarkt, der zwischen April und Oktober jeden ersten Sonntag im Monat auf Gut Hebscheid stattfindet und sich besonders bei den rein privaten Anbietern als äußerst beliebt erweist. Der wird dieses Mal aber nicht im Innenhof des Gutes sein, denn hier steht die Bühne, auf der so manches zu sehen und zu hören sein wird.

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