Aachen - Auf den Spuren großer Literaten aus Russland

Auf den Spuren großer Literaten aus Russland

Letzte Aktualisierung:
Mit Dostojewski über den Ostf
Mit Dostojewski über den Ostfriedhof: Theresa Tarassova (hinten rechts) und Angela Eickhoff (hinten rechts) laden zum literarischen Spaziergang auf der historischen Anlage an der Stolberger Straße. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nein, es liegt nicht an seinem Namen, auch nicht an seinem fraglos einzigartig verwunschenen Ambiente - jedenfalls nicht in erster Linie. Es liegt vor allem an ihr: Scharen von Aachenern haben den Ostfriedhof als idyllisch-kontemplative Kulisse in jüngerer Zeit ganz neu entdeckt - für exklusive Exkursionen in die Tiefen der russischen Seele.

Auf ihren literarischen Spaziergängen zwischen knorrigen Wipfeln und verwitterten Grabmalen hat Theresa Tarassova gemeinsam mit Schauspielerin Angela Eickhoff ihnen die faszinierenden Facetten eines monumentalen Oeuvres auf andere Art vermittelt. Und bewiesen, dass man auch und gerade zwischen Adalbertsteinweg und Stolberger Straße den Spuren des Dichter-Giganten Fjodor Dostojewski und seiner „Brüder Karamasov” folgen kann.

Theresa Tarassova, studierte Slawistin, Journalistin und Soziologin, wandelt eben mit Leidenschaft zwischen den Welten, wie man so sagt. „Dostojewskis Vita mit ihren eklatanten Brüchen, sein grüblerisches Genie, sein dramatischer Wandel vom geächteten Sozialrevolutionär zum glühenden religiösen und nationalistischen Eiferer spiegelt die Geschichte Russlands wie kaum eine andere”, sagt sie. Nicht von ungefähr werde der Schriftsteller (1821-1881) in seiner Heimat, dem krisengeschüttelten Riesenreich zwischen Ostsee und Pazifik, als „echter Superstar” verehrt - heute mehr denn je.

Theresa Tarassova muss es wissen - auch wenn ihre eigenen Wurzeln nicht, wie man vermuten könnte, hinter dem Ural liegen, sondern im baden-württembergischen Meßkirch. Dort sammelte sie erste journalistische Erfahrungen als freie Mitarbeiterin und Volontärin der Schwäbischen Zeitung, ging dann zwecks Studium nach Hamburg, ergatterte zugleich eine der seltenen Ausbildungsstellen als TV- und Radiojournalistin beim NDR. Als freie Korrespondentin dokumentierte sie von 1990 bis 1997 die gesellschaftlichen Umwälzungen durch und nach Gorbatschow hautnah. Sie erlebte und schilderte den Kampf um den elementaren politisch-sozialen Neubeginn in Leningrad, reiste kreuz und quer durch den gigantischen Staat.

1991 erhielt die Metropole ihren alten Namen St. Petersburg zurück, und Theresa Tarassova, geborene Rinderle, erhielt einen neuen. Sie heiratete einen russischen Kollegen, den sie bei einem der ersten freien Radiosender in den späten Hochtagen von Perestroika und Glasnost kennengelernt hatte. Die Verbindung ist inzwischen gescheitert, die Liebe zu den Russen und ihren großen Autoren ist geblieben. Natürlich auch, als ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung Theresa Tarassova Anfang des neuen Jahrtausends in den westlichsten Zipfel von Mitteleuropa verschlug. Sie engagierte sich für russische Aussiedler, veranstaltete schon bald regelmäßig literarische Lesungen im Mörgens. Intellektuell-schöngeistige Abenteuer allein füllen die Mutter zweier Söhne indes nicht aus.

Bis heute engagiert sie sich hauptberuflich als Sozialarbeiterin für die Straffälligenhilfe Aachen. Und hat eine Menge Pläne, die großen russischen Romanciers weiter ins Licht zu rücken. Zurzeit „strickt” sie an einer Art eigenem Label, einer Ein-Frau-Initiative namens „Kulturkabinett Kalina Krassnaja” (zu deutsch: roter Hollunder), um ihre kreativen Projekte auch nach außen hin besser zu bündeln.

Offensichtlich mit Erfolg: Ende August leitet sie eine zweitägigen Workshop rund um Dostojewskis Leben und Werk in der Bischöflichen Akademie (siehe Info). Natürlich wird sie auch den Ostfriedhof dabei keineswegs links liegen lassen. Und im Haus des Bistums an der Leonhardstraße organisiert sie im Rahmen der Bildungswoche des Frauennetzwerks Aachen Ende April eine weitere Tagung - Titel: „Auf den Spuren willensstarker Frauen”. Trotzdem wird Theresa Tarassova bei dieser Gelegenheit sicher nicht viel über sich selbst erzählen.

Spannende literarische Reise und Workshop

„Auf den Spuren willensstarker Frauen - eine spannende Literaturreise” heißt der Titel eines Workshops, den Theresa Tarassova am Dienstag, 24. April, 17 bis 20 Uhr, in der Bischöflichen Akademie, Leonhardstraße 18-20, anbietet. Sie folgt dabei den Spuren großer Persönlichkeiten, Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen wie Hildegard von Bingen, Marie Curie und Ingeborg Bachmann. Weitere Infos gibt es unter: Tel. 0241/47996-25 oder 0177/2772127.

Fjodor Dostojewski steht einmal mehr im Mittelpunkt eines Workshops, der unter Leitung von Theresa Tarassova vom 31. August bis 1. September in der Bischöflichen Akademie stattfindet. In diesem Rahmen wird wieder eine Lesung auf dem Ostfriedhof stattfinden, zu der auch Gäste herzlich eingeladen sind.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert