Auf den Spuren des mysteriösen Siegelträgers von Gut Melaten

Von: Alexander Barth
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Archäologischer Appetithappen: Wolfgang Rombey, Andreas Schaub, Verleger Helmut Falter und Professor Bernhard Steinauer (v.l.) vor der neuen Vitrine in Haus Löwenstein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Wartezeit bis zur Eröffnung des Centre Charlemagne am Katschhof im Jahr 2013 lässt sich ab jetzt mit archäologischen Appetithappen überbrücken. Im Infozentrum der Route Charlemagne im Haus Löwenstein sind besondere Fundstücke aus unterschiedlichen Epochen der Stadtgeschichte zu sehen. Stadtarchäologe Andreas Schaub stellte am Donnerstag das Projekt mit Stadtdirektor Wolfgang Rombey und Vertretern von Aachener Historikerverbänden vor.

Eine eigene Vitrine ist für die besonderen Stücke im Haus Löwenstein reserviert. Den Anfang macht eine sogenannte Siegelumschrift, die vor rund 40 Jahren bei Ausgrabungen auf dem alten Friedhof nahe dem mittelalterlichen Gut Melaten entdeckt wurde. Auf ihr waren Name und Titel eines Siegelträgers verzeichnet. Auf dem Gut befand sich bis ins 16. Jahrhundert hinein ein Leprafriedhof.

Der Fund soll aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. Nach Erkenntnissen der Archäologen ist die Siegelumschrift einem Mann zuzuordnen, der auf Melaten bestattet worden ist. Für die Historiker geht es nun darum, dem Toten einen Namen zu geben.

„Es ist sehr spannend, einer natürliche Person demnächst eine historische zuzuordnen“, beschreibt Dietmar Kottmann die Suche in den Archiven nach der Identität des unbekannten Mannes, der das Siegel in einer Gürteltasche bei sich getragen haben soll. Sein Thema ist die „via vegia“, einer alten Königsstraße zwischen Aachen und Maastricht, an der Gut Melaten liegt.

Die Grabungsarbeiten auf dem alten Leprosenfriedhof wurden seinerzeit vom Medizinhistoriker Egon Schmitz-Cliever angestrengt. Seine Tochter, Dr. Herta Lepie, freut sich über die Würdigung der Arbeit in den späten 60er und frühen 70er Jahren. „Mein Vater hat damals mit dem dänischen Professor Moller-Christensen nach Gebeinen von Lepraopfern gesucht. Dabei kamen auch etliche Grabbeigaben und Alltagsgegenstände zum Vorschein.“

Ebenso wie Stadtarchäologe Schaub freut sich auch Dr. Thomas Müller, Koordinator der Route Charlemagne, über die neue Möglichkeit der Präsentation: „Wir haben demnächst im Centre Charlemagne nicht unbegrenzt Platz, deswegen bin ich froh, dass wir hier eine weitere Ausstellungsfläche zur Verfügung haben, um Einblicke in Stadthistorische Themen zu liefern.“

Alle zwei bis drei Monate soll die Vitrine im Infozentrum immer wieder neu mit einem spektakulären Fund bestückt werden. Bei der Gelegenheit wiesen die geschichtsbeflissenen Protagonisten auf die Buchreihe „Geschichte der Stadt Aachen“ hin, in deren drittem Band die Epoche des Melaten-Fundes erfasst sein wird. Das Werk soll Ende 2013 erscheinen.

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