Aachen - Auf dem kleinen Dienstweg ist er ständig in Fahrt

Auf dem kleinen Dienstweg ist er ständig in Fahrt

Von: Matthias Hinrichs
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Wird am 5. Mai im Weißen Saal des Rathauses feierlich als Honorakonsul verabschiedet: Dr. Francois Briolant. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. A la bonne heure: Wem die Ehre einer kleinen Privataudienz bei Dr. Francois Briolant zuteil wird, dem kann es - von wegen Plauderstündchen - recht flott die Sprache verschlagen.

Mit Gattin Christiane residiert der Vater dreier Kinder im Nordwesten der Stadt in einer ehemaligen Scheune, die quasi eine ähnlich rasante Karriere gemacht hat wie er selbst. Auf 600 Quadratmetern, inmitten feinster Antiquitäten und edelster Kunst, sozusagen filmreif.

Repräsentieren kann der 72-Jährige freilich auch sonst. Seit Briolant 2004 zum Honorarkonsul der Republik Frankreich ernannt wurde, hat er´s bei ungezählten Gelegenheiten bewiesen, Empfängen, Ausstellungen, Lesungen, mehr oder minder gediegenen Veranstaltungen halt. Jetzt zieht er den Schlussstrich. Am 5. Mai übergibt Briolant den Stab an seinen Nachfolger Dr. Wolf Steinsieck.

Teils filmreife Alltagsarbeit

Weniger passend fürs Klischee, aber nicht weniger filmreif erscheint da die alltägliche Arbeit, die der gebürtige Pariser als diplomatischer Vertreter seiner Heimat im Grenzland geleistet hat. Was also macht ein Honorarkonsul, wenn er am Schreibtisch sitzt? Eine Menge, antwortet der dezente Herr im dunklen Anzug sinngemäß. „Weil Aachen die erste Stadt im Alphabeth ist, kümmere ich mich oft um die Probleme von Landsleuten, die sich aus ganz Deutschland melden”, erklärt er schmunzelnd.

Wie die des jungen Mannes, der auf der Autobahn geschnappt wurde (diesmal ganz in der Nähe). Leider besaß er weder Führerschein noch Pkw - der war nämlich geklaut. Bei seiner Begleiterin wurde die Polizei dagegen fündig. „Sie hatte zwei Kilo Cannabis dabei”, erzählt Briolant.

Okay, in diesem Fall konnte er nicht allzu viel helfen. „Als ich seine Eltern in Frankreich anrief, um sie zu bitten, eine Kaution zu stellen, weil ihr Sohn in der hiesigen JVA einsaß, haben sie mich aus der Leitung geworfen. Immerhin gelang es mir, in Erfahrung zu bringen, wo seine Freundin inhaftiert war...”

Alles können, aber nichts dürfen

Meist freilich glückte die Amtshilfe auf kleinem Dienstweg durchaus. Etwa bei Hilfeersuchen von Landsleuten, die nach deutschstämmigen Ahnen fahnden oder fürchten, die Mini-Pension verblichener Angehöriger zurückzahlen zu müssen, die bei der Fremdenlegion gedient haben. Dennoch: „Ein Honorarkonsul kann alles, darf aber nichts”, sagt Briolant. Hoheitliche Aufgaben aller Art sind nämlich der Botschaft in Berlin bzw. dem Generalkonsulat in Düsseldorf vorbehalten. „Ich erhalte nicht einmal eine amtliche Auskunft darüber, wie viele Franzosen in Aachen leben.”

Fragen wir also etwas Leichteres: Wie wird man überhaupt Honorarkonsul? Der ehemalige OB Linden habe sich bereits in den Neunzigern an höchster Stelle für die Ernennung des erfolgreichen Unternehmers eingesetzt, erzählt Briolant. Bereits 1972 hatte der (als erster Franzose überhaupt) an der TU Berlin zum Dr.rer.pol promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Absolvent der Pariser Eliteschule Haute Etudes Commerciales sich mit seinem 1968 gegründeten Medizintechnikunternehmen Vygon im Dreiländereck niedergelassen. Im Jahr 2000 zählte die Firma über 250 Beschäftigte.

Briolant verkaufte sie und gründete eine neue - zwecks Konzeption und Vertriebs nichtalkoholischer Weine. Von wegen Klischee. Aber das ist eine andere Geschichte.
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