Aachen - Auf dem Bunker an der Kasinostraße soll ein Penthouse wachsen

Auf dem Bunker an der Kasinostraße soll ein Penthouse wachsen

Von: Oliver Schmetz und Robert Esser
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Lang ersehnter städtebaulicher Coup: Auf dem Bunker an der Kasinostraße 58-62 soll ein Penthouse wachsen, ein Tunnel führt durch den Koloss zu dem dahinter liegenden Areal. Neben der Burtscheider Brücke sollen 9000 Quadratmeter neuer Wohnraum entstehen – außerdem ist ein Zugang zum Tunnel Richtung Bahnhof vorgesehen. Foto: Andreas Steindl
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Lang ersehnter städtebaulicher Coup: Auf dem Bunker an der Kasinostraße 58-62 soll ein Penthouse wachsen. Foto: Andreas Steindl
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Meterdickes Fundament: Seit Wochen wird am Hohenzollernplatz ein alter Hochbunker weggebaggert. Dort sollen auf dem Wertz-Gelände 170 neue Wohnungen entstehen. Foto: Andreas Steindl
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Unten Supermarkt, oben Luxuswohnungen: Seit 2014 wird auch der alte Betonklotz an der Lütticher Straße neu genutzt. Foto: Andreas Steindl
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Der erste Bunkerumbau: In den 80er Jahren wurde im Bunker an der Kongressstraße Wohnraum geschaffen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Hier stehen die Investoren Gerhard Wittfeld, Albert Beginen, Marcus Vonhoegen und Christian Wego in den Startlöchern: 2400 Menschen bot der Bunker an der Kasinostraße im Zweiten Weltkrieg Schutz, jetzt soll der denkmalgeschützte Koloss nach den Plänen von Architekt Gerhard Wittfeld als neues Südportal zum Hauptbahnhof zu einem schicken Komplex umgebaut werden.

An mehreren Stellen verwandeln sich die Weltkriegsrelikte derzeit – oder sie verschwinden nach monatelanger Abbrucharbeit. Beispiel Kasinostraße/Burtscheider Brücke: „Auf dem Areal entsteht ein Wohnungsmix für Familien, Studenten und öffentlich gefördertem Wohnungsbau, der sich gut in das bestehende städtebauliche Umfeld integriert“, erläutert Wittfeld.

Der geplante Gebäudekomplex präge aufgrund seiner Lage an der Ein- beziehungsweise Ausfahrt zum Bahnhof das Stadtbild. „Als neue markante Stadtkante entlang des Bahndamms bekommt der Bahnhof somit ein adäquates Gegenüber“, sagt Wittfeld. Ein neuer Fußgängerweg entlang der Bahntrasse und ein Zugang durch den Bunker an der Kasinostraße wird künftig eine direkte fußläufige Verbindung zum Bahnhof schaffen.

Hinter dem Betonmassiv – gut 5000 Quadratmeter groß, knapp 30 Meter lang, 15 Meter breit und (für Bunker ungewöhnlich) mit nur 1,10 Meter dicken Wänden – war schon vor Jahren ein Vorplatz geplant: mit Behindertenstellplätzen, Taxi-Vorfahrt und bis zu 20 Autohaltemöglichkeiten („Kiss & Ride“) sowie Fahrradstation und Kiosk.

Auf dem Bunker selbst ist nunmehr ein Penthouse geplant (siehe Bild im Bild oben), dahinter wächst Wohnraum in einer neuen, terrassenartigen Architektur mit rund 9000 Quadratmetern Wohnfläche. Die alten Lagerhallen neben der Burtscheider Straße werden abgerissen, der Baumbestand bleibt erhalten. 30 Prozent öffentlich geförderter Wohnraum ist vorgesehen.

„Der architektonische Entwurf ist genial, das wird das ganze Viertel enorm aufwerten“, sagt Beginen. Baubeginn soll laut Wego Mitte 2017 sein, dann könnte die Stadt auch den Südanschluss an den Fußgängertunnel unter den Bahnhofsgleisen bewerkstelligen – und der Hauptbahnhof wäre nach jahrelangem Hin und Her endlich von beiden Seiten zugänglich: ein lange ersehnter städtebaulicher Coup.

Ewig warten musste man auch am Hohenzollernplatz, bis sich auf dem Wertz-Gelände etwas bewegte. Doch seit einigen Wochen leisten dort Bagger ganze Arbeit, um die Überreste eines ehemaligen Hochbunkers zu beseitigen. Nachdem der Investor Gerd Sauren das Areal gekauft hat, sollen dort endlich die schon lange geplanten 170 Wohnungen gebaut werden.

Eher zu einem Ladenhüter scheint sich dagegen der Bunker an der Ecke Scheibenstraße/Hein-Janssen-Straße zu entwickeln. Mittlerweile hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das 1941 errichtete und bunt bemalte Betonbauwerk zum zweiten Mal ausgeschrieben – und das jetzt nur noch zum halben Preis. 1,1 Millionen Euro wollte man noch im Herbst in der ersten Runde für den Koloss aus rund 20.000 Tonnen Beton und Stahl mit 2300 Quadratmetern Nutzfläche erlösen. Bloß fand sich kein Käufer.

Jetzt wäre man beim Bund schon mit 620.000 Euro zufrieden. Zwar gebe es konkrete Interessenten, sagt Jochen Altrogge, Leiter des Verkaufsteams der Bima in Köln, doch ob es zu einer Veräußerung komme, sei fraglich. Denn: „Das ist ein schwieriges Objekt.“

Das liegt zum einen daran, dass der Bunker unter Denkmalschutz steht und das 1105 Quadratmeter große Eckgrundstück nicht per Abriss freigeräumt werden kann. Zum anderen ist im Gegensatz zur ersten Ausschreibung nun eine Bauvoranfrage bezüglich Aufbauten auf dem Bunkerdach beschieden worden, die den Investoren ebenfalls enge Grenzen setzt.

Denn anders als zunächst erhofft kann ebenfalls aus Gründen des Denkmalschutzes nur ein Wohngeschoss auf den Betonklotz gesetzt werden – was die deutlich gesunkene Preisvorstellung der Bima erklärt. Sollte sich bis zum 14. Juni niemand finden, der 620 000 Euro auf den Tisch legen will, „ist es auch denkbar, dass gar nicht veräußert wird“, sagt Altrogge. Unter Wert will die Bima nicht unbedingt verkaufen. Dann bleibt das Weltkriegsrelikt, was es seit Jahrzehnten ist. Ein ungenutzter, aber zumindest historisch ausgesprochen wertvoller Bunker.

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