Auf 200 Füßen in die neue Erfahrungswelt

Von: Mischa Wyboris
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Aachen. Hoppla, da wäre fast ein Malheur passiert! „Hey, Vorsicht, nicht in den Orchestergraben fallen!”, ruft Assistenzchoreografin Daniela Heissl lautstark nach vorne. Doch Tobias hat Glück gehabt, ihm ist nichts passiert. Und so geht es für den Neunjährigen und die anderen rund 100 Kinder weiter im Programm, als wäre nichts gewesen.

Es hätte auch nichts passieren können, müssen sich die jungen Bühnenkünstler den Orchestergraben doch jenseits der blauen Spielfeldlinie in der Turnhalle vorstellen. Es ist das erste Mal, dass die Grundschüler von KGS Barbara-, Düppel- und Mataréstraße zusammen proben - viel Zeit bleibt nicht mehr, bis sie im Rahmen des städtischen Tanztheaterprojekts „inMotion” mit ihrer Aufführung von Nikolai Rimski-Korsakows „Schéhérazade” Premiere feiern. Und die wird wahrlich groß: Ort der Aufführung ist das Stadttheater, begleitet vom Aachener Sinfonieorchester unter der Leitung von Marcus R. Bosch.

„Unser sehr ehrgeiziges Vorhaben will mangelnden Zukunftsperspektiven etwas entgegensetzen”, sagt Projektleiter Dieter Begaß. Konkret heißt das: Rund 150 Schüler aus sechs Schulen im Ostviertel (neben besagten Grundschulen sind das die Schule am Kennedypark, die GHS Aretzstraße und das Geschwister-Scholl-Gymnasium) stellen mit sämtlichen Hintergrundarbeiten eine komplette Tanzaufführung auf die Beine und bekommen so einen tiefen Einblick in kulturelle Berufsfelder.

283.000 Euro kostet es, in zwei Durchgängen bis zur Jahresmitte mit den Schülern aus Aachen-Ost die künstlerische Darstellung mit der Berufsorientierung verschmelzen zu lassen: Während die Kleinen ihr Bühnenstück einstudieren, sorgen die Größeren der weiterführenden Schulen für Bühnenbild und Kostümgestaltung, für eine Ausstellung und einen Making-Of-Film, für Marketing und Service - im Rahmen diverser Praktika am Theater.

90 Prozent der so entstandenen Summe wird dabei vom Land im Zuge seiner Initiative „Soziale Stadt - Wir setzen Zeichen” gestemmt, 28.300 Euro kommen aus Mitteln der Stadt. „Das Geld ist gut investiert”, betont Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden. Schließlich gehe es darum, Kindern aus sozial oft schlechter gestellten Familien „etwas zu geben, das sonst nicht in ihrer Erfahrungswelt liegt”, sagt Choreograf Volker Eisenach.

Das scheint anzukommen. „Ich liebe tanzen, weil man da alle Gefühle rauslassen kann”, sprudelt es aus der neunjährigen Sejla aus der KGS Mataréstraße heraus, und Alisan aus der vierten Klasse der KGS Düppelstraße kommt ins Schwärmen: „Für mich bedeutet unsere Aufführung, dass kleine Personen etwas Großes schaffen können.”

Konzentrierte Kinder, kein Konkurrenzkampf: „Ich finde es gut, dass so viele mitmachen”, sagt Tobias aus der KGS Mataréstraße und freut sich schon auf den nächsten Schritt: die Generalprobe und der damit verbundene Besuch im Theater. Dort lernen die Grundschüler nach sieben langen Wochen anstrengenden Probens dann auch endlich Marcus R. Bosch und die Musiker kennen - und den richtigen Orchestergraben.
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