Aachen - Auch zweiter Park&Ride-Anlauf ein Desaster

Auch zweiter Park&Ride-Anlauf ein Desaster

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Auch kein Erfolgsmodell: P&R am Westfriedhof. Foto: Jaspers

Aachen. Raus aus der Mottenkiste, rein in die Mottenkiste: Mit einigem Aufwand hat die Stadt vor rund einem halben Jahr das Park&Ride-System wiederbelebt. In den 1990er Jahren war genau dieses System in einem Total-Flop geendet. Da kommt die jetzige Feststellung nicht unbedingt überraschend: Auch der neue Versuch ist ein Desaster – ein ziemlich kostspieliges noch dazu.

Mitte 2012 hatte die Politik einem „Probebetrieb“ in Sachen P&R zugestimmt. Probieren wollte man es auch deswegen erst einmal sechs Monate lang, um nicht für ein umfassendes Konzept noch mehr Geld ausgeben zu müssen. Zumindest das war eine weise Entscheidung, wie sich jetzt herausstellt. Denn die Zahlen, die die Verwaltung in Bezug auf besagten Probebetrieb vorlegt, sind unterirdisch schlecht. Für den Test beschränkte man sich zunächst auf einen P&R-Platz am Westfriedhof sowie das Tivoli-Parkhaus.

Ziel: Man wollte es schaffen, bis zum Ende der Pilotphase am 31. März von den auf den beiden Einfallstraßen an Samstagen verkehrenden 17.000 Autos ein Prozent für P&R zu gewinnen. Das wären also 170 „Umsteiger“ je Einfallstraße. Ergebnis: Am Westfriedhof wurden je Samstag im Höchstfall zehn Tickets verkauft. Lediglich im Dezember nutzen zwischen 30 und 40 Autofahrer das Angebot. Am Tivoli startete das Angebot zum September-Special. Damals wurde man gerade 30 Tickets los. Außer an zwei Vorweihnachtssamstagen lag die Zahl der verkauften Fahrscheine – dort gleichbedeutend mit dem Parkticket – bei höchstens zwölf.

Schon im Januar hatten die miesen Zahlen Konsequenzen. Vom Tivoli aus verkehrte als Teil des Probebetriebs ein „P&R-Shuttle“. Weil es aber so gut wie keine P&R-Kunden gab und dieser Shuttle ansonsten eher von Eissporthallen-Flohmarktbesuchern genutzt wurde, bestellte man ihn bei der Aseag ab. Schließlich hatte dieser Zusatzbus bis dahin 30.000 Euro gekostet. Das habe „nicht im Verhältnis zum geringen Kartenverkauf“ gestanden. Am Westfriedhof wurden wegen des dort dichten Bustaktes keine Extrafahrzeuge eingesetzt.

Rund 11 000 Euro wurden für „Kommunikationsmaßnahmen“ ausgegeben. Dazu gehörten Infobroschüren und Plakate. Für knapp 5000 Euro wurden Hinweistafeln gefertigt. Fazit der Verwaltung: „Es muss konstatiert werden, dass die gesetzten verkehrlichen Ziele im P&R an Samstagen nicht erreicht werden konnten.“ Zumindest sieht man positive Erfahrungen, wenn es in der Stadt wie vor Weihnachten einen hohen „Parkdruck“ gebe.

Beibehalten will die Verwaltung nun das Fünf-Euro-Ticket, mit dem bis zu fünf Personen in die Stadt fahren können. Dieses Ticket soll ab 1. Mai jeden Tag angeboten werden – außer am Westfriedhof und am Tivoli auch an den Parkplätzen Waldfriedhof (Monschauer Straße) und Jülicher Straße (alter Berliner Ring). Zusätzliche Busse soll es nicht mehr geben. Die Verwaltung merkt noch an: „Kapazitätsprobleme an den P&R-Plätzen werden durch das neue Angebot nicht erwartet.“

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