Auch Tee und Dynamolampen waren „heiße“ Waren

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
12635887.jpg
Im Film „Nichts zu verzollen“ nimmt Filmemacher Dany Boon die Öffnung der innereuropäischen Grenzen mit jeder Menge Humor aufs Korn. Der Film und das Rahmenprogramm locken rund 500 Zuschauer in die stimmungsvolle Kulisse von Haus Heyden in Horbach. Foto: Andreas Herrmann
12635952.jpg
So war es damals: Der Aachener Landtagsabgeordnete Karl Schultheis erfuhr von Zeitzeuge Hans Bücken (rechts) Spannendes aus der Schmugglerzeit. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn es heutzutage um Schmuggel über die Grenzen zu Belgien oder den Niederlanden geht, dann handelt es sich bei der Schmuggelware meistens um Drogen. Früher war das anders: geschmuggelt wurden Sachen, die man heute problemlos kaufen kann: Kaffee, Tee, Zigaretten und Dynamolampen.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg waren diese Dinge Luxusgüter und beliebte Schmuggelware. „Wir waren alle irgendwie Kleinkriminelle“, berichtete Hans Bücken, Zeitzeuge und Schmuggler, im Rahmen des Open-Air-Kinos Filmschauplätze NRW auf Haus Heyden am Samstagabend.

Rund 500 Zuschauer hatten sich bei freiem Eintritt zum Film „Nichts zu verzollen“ und dem dazu passenden Zeitzeugenbericht im Hof der Wasserburg versammelt, wo die landesweite Sommerfilmreihe der Filmstiftung NRW erstmals in Aachen Station machte.

Mit elf Jahren hatte Bücken kurz nach dem Krieg zum ersten Mal für die Familie Kaffee über die grüne Grenze geschmuggelt. Mit 14 Jahren fing der damals in Vaalserquartier lebende junge Mann an, regelmäßiger Kaffee, Zigaretten und andere „heiße Ware“ über die Grenze zu schmuggeln. Der Chef seines Ausbildungsbetriebs hatte den jungen Mann damals angesprochen, ob er nicht mal Kaffee über die Grenze bringen könne.

Selbst Ersatzteile für Fahrräder besorgten er und Kollegen von einem niederländischen Schrottplatz und brachten sie über die Grenze. „Je nachdem, welche Zöllner Dienst hatten, wählte man die Wege“, erzählte er. Geschnappt worden ist er auch einmal, als er gemeinsam mit Freunden die grüne Grenze zwischen Belgien und Deutschland überquerte. Doch die jungen Männer konnten den Zöllnern entwischen. „Danach war diese grüne Grenze tabu“, berichtete er.

Die Filmschauplätze NRW sind eine seit 19 Jahren bestehende Veranstaltungsreihe, bei der bekannte Filme an ungewöhnlichen Orten in Nordrhein-Westfalen gezeigt werden. Dabei ist es wichtig, dass der Ort zum Film passt: „Anders als bei anderen Open-Air-Kinos werden wir von den Personen vor Ort gerufen“, erklärte Anna Fantl, seit Beginn Projektleiterin. Dann müsse festgestellt werden, ob die Leinwand aufgebaut werden kann und ob der Ort genügend Besucher fasst.

Zum ersten Mal ergab sich in diesem Jahr die Möglichkeit, in Aachen einen Platz für dieses Format zu finden. Auf den ersten Blick hat Haus Heyden mit dem Thema Schmuggel allerdings nichts zu tun. Wie es doch dazu kam, erläuterte Fantl ebenfalls: „Hier in der Nähe war früher das alte Zollhäuschen.“ Außerdem gibt es in Horbach, wo auch das Haus Heyden steht, das Zollmuseum Friedrichs, das mit einigen sehr spannenden Exponaten aufwarten kann.

Nach Einbruch der Dunkelheit begann dann die Filmvorführung. Gezeigt wurde die französische Filmkomödie „Nichts zu verzollen“ von und mit Dany Boon. „Das Rahmenprogramm passt perfekt zum Film“, resümierte Fantl. Führungen durch das Zollmuseum sowie durch das Haus Heyden und der Zeitzeugenbericht ergänzten sich sehr gut.

Karl Schultheis, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im nordrhein-westfälischen Landtag, verwies auf die Bedeutung der gefallenen Grenzen. Das habe vieles einfacher gemacht. Denn auch wenn die Erzählungen von Hans Bücken über „fliegenden Kaffee“ und das „gute Taschengeld“, das er mit der Schmuggelei verdienen konnte, heute mitunter zum Schmunzeln anregten, dürfe man nicht vergessen, dass 40 bis 50 vermeintliche Schmuggler damals an der deutsch-belgischen Grenze erschossen wurden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert