Auch ohne Väterchen Frost sieht Mutter Erde alt aus

Von: Robert Esser
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Gefährliche Schlaglöcher: Vi
Gefährliche Schlaglöcher: Vielerorts platzen in Aachen - auch ohne Frost - Asphaltdecken wie hier am Suermondtplatz auf, und das alte Kopfsteinpflaster kommt zum Vorschein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Väterchen Frost macht Urlaub, und Mutter Erde sieht alt aus. Jedenfalls zeigen sich viele Aachener Straßen nicht von ihrer besten Seite.

Obwohl der Winter bislang ohne Schnee und Minusgrade verläuft, reißt ein Krater nach dem anderen auf. „Starker, lang anhaltender Regen führt zu Auswaschungen - und das vergrößert die Löcher immens, auch ohne Frost”, sagt der stellvertretende Leiter des Stadtbetriebs, Peter Maier. Außerdem laufe man immer noch den massiven Schäden aus dem harten Winter 2010/11 hinterher. Der Grund: Der klammen Kaiserstadt fehlen finanzielle Mittel.

Der Etat zur Straßenerhaltung wurde innerhalb eines Jahres von 5,3 auf 5,1 Millionen Euro gekürzt. 480.000 stehen davon für größere Asphaltarbeiten zur Verfügung, 300.000 fließen in reine Flickschusterei. Das muss für 640 Straßenkilometer in Aachen reichen. Dass diese Rechnung nicht aufgehen kann, beweist der Straßenzustand an vielen Stellen. Beispiel Stephanstraße: Sie verwandelte sich in einen derart extremen Flickenteppich, dass Nachbesserungen laut Stadtbetrieb kaum noch möglich sind. „Da kann man nicht einfach eine neue Heißasphaltdecke drüber gießen.”

Über weitere Geländestrecken, auf denen das alte Kopfsteinpflaster wieder zum Vorschein kommt, holpert man auf der Bismarckstraße Richtung Adalbertsteinweg und rund um den Suermondtplatz. „Wenn jetzt tatsächlich noch ein harter Winter folgt und Eis die Asphaltritzen aufsprengt, wird der Straßenzustand noch wesentlich schlimmer als im Vorjahr”, mutmaßt Maier. Notwendig seien „eine ganze Reihe grundlegender Sanierungen”.

Größere Reparaturarbeiten sind in diesem Jahr entlang der Junkerstraße, der Erzbergerallee, der Weyestraße, Alt-Haarener-Straße, von-Coels-Straße und Königstraße geplant. Reichen wird das nicht. „Wir wissen das, die Kämmerin weiß das - und uns tut das weh. Aber mehr ist nicht zu finanzieren”, erklärt Maier. Unumwunden räumt der Stadtbetriebs-Vize ein: „Wir schieben die Probleme vor uns her. Im Grunde ist das Vermögensvernichtung für die kommende Generation.”

Nicht nur viele Straßen sind in einem bemitleidenswerten Zustand, auch Gehwege klappern. „Das Wasser kriecht unter die Platten, weicht den Sand, manchmal den Estrich auf”, erläutert der Fachmann vom Stadtbetrieb. Dann lösen sich die Gehwegplatten und heben sich zu Stolperfallen für Fußgänger. „Ganz dramatisch wird es, wenn der Gehweg auch von Autofahrern als Parkstreifen genutzt wird - dann ist der Schaden programmiert, weil die Gewichtsbelastung ungleich schwerer wiegt”, sagt Maier.

Entwarnung kann der Stadtbetrieb deswegen nicht geben. „Wir flicken, wo wir nur können.” Zu hoffen bleibt, dass Väterchen Frost die - zugegeben teils - ungehobelte Mutter Erde in Aachen noch ein Weilchen in Ruhe lässt.
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