Auch ohne die parkenden Autos sterben Bäume

Von: Robert Esser
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Prachtvoller Baumbestand: Trotzdem fallen in der Oppenhoffallee wieder einige Bäume der Säge zum Opfer. Foto: Robert Esser

Aachen. Obwohl seit Sommer 2007 keine Autos mehr auf dem Mittelstreifen der Oppenhoffallee parken dürfen, bleiben viele Bäume unheilbar krank. Derzeit stehen wieder fünf Bäume auf der „Fäll-Liste”. Für sie gibt es keine Rettung mehr, obwohl sie erst vor wenigen Jahren dort eingepflanzt worden sind.

„Das Problem ist, dass der Boden dort durch die jahrelange Beanspruchung durch parkende Autos sehr verdichtet ist”, erklärt Rita Klösges vom städtischen Presseamt. „Zudem sind viele Betriebsstoffe - etwa Öl und Benzin - im Boden versickert. Und die uralten, großen Bäume nehmen den jungen Bäumchen das Licht. Die können sich nur sehr schwer entfalten”, sagt sie.

Dutzende kranke Bäume werden Jahr für Jahr in Aachen vom Stadtbetrieb gefällt. Hinzu kommen eine von der Stadt nicht näher zu beziffernde Zahl von Bäumen, die diversen Straßenbaumaßnahmen zum Opfer fallen - zum Beispiel am Boxgraben, am Marschiertor und zuletzt die uralten Robinien entlang des Karlsgrabens. Natürlich werden dann kleine Bäumchen nachgepflanzt, die aber erst nach Jahrzehnten zu ähnlicher Pracht wie die gefällten Bäume aufwachsen. Unabhängig von den „Baustellen-Nachpflanzungen” setzt der Stadtbetrieb pro Jahr rund 50 Bäume in den kaiserstädtischen Boden. Bis vor zwei Jahren waren es rund 80 Bäume. Es muss gespart werden. 50.000 Euro stehen für neue Bäume im Haushalt zur Verfügung.

Die Grünen, die seit vielen Jahren - früher mit der SPD, seit 2009 mit der CDU - in der Ratsmehrheit die Geschicke der Stadt mitbestimmen, wehren sich gegen den Vorwurf, dass durch die Verkehrsplanung an bestimmten Straßen leichtfertig Bäume weggeholzt werden. „Das ist nicht zutreffend. Wir wägen das sorgfältig ab. Dass neu gepflanzte Bäume über lange Zeit nicht so prächtig aussehen wie uralte Gewächse, liegt in der Natur der Sache”, sagt Parteisprecherin Sabine Göddenhenrich am Donnerstag. Schließlich brauche man den auf neun Meter verbreiterten Karlsgraben, um Radfahrschutzstreifen anzulegen. „Und der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad wird dadurch gefördert - das hilft auch den Bäumen”, sagt sie.

Den sieben Robinien am Karlsgraben hilft das allerdings nicht mehr. Mehrere wurden in dieser Woche bereits gefällt und entsorgt. Dies sei ohnehin nicht zu verhindern gewesen, da sie sehr sturmanfällig seien und am Karlsgraben bereits Autos durch herabfallende Äste beschädigt worden wären, teilte die Stadt mit. Nach 40 Jahren Lebenszeit erhöht sich die Bruchgefahr der sonst in Innenstädten sehr beliebten Bäume erheblich.

Neue Robinien wird es in Aachen nicht geben. Stattdessen bevorzugen die städtischen Gärtner Winterlinden, Spitzahorn, den Türkischen Haselbaum und die Schwedische Mehlbeere. Auch diese brauchen viele Jahre, um zu ansehnlicher Größe zu kommen. Wenn sie nicht an der Oppenhoffallee gepflanzt werden. Dort droht weiter ein noch schnelleres Ende. „Wir kennen das Problem und sind dabei, ein Konzept zu erarbeiten”, sagt Göddenhenrich.
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