Auch Integration wird bei den „Funken“ groß geschrieben

Von: Axel Beys
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Schwungvoll in den Sessionsendspurt: Die Schwarz-Blauen Funken feierten in der Offenen Tür St. Hubertus in Hanbruch. Foto: Andreas Schmitter
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Ganz besondere Momente im Karneval: Die Wortbeiträge und Liedtexte werden in Gebärdensprache übersetzt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Kostümfest der Schwarz-Blauen Funken 1966 ist seit Jahren ein fester Bestandteil im Aachener Karnevalsreigen. Es ist beeindruckend, was der vergleichsweise kleine Verein – allen voran Präsidentin Trude Hannappel – alljährlich für sich und sein Publikum auf die Beine stellt.

Schon beim Einmarsch der Schwarz-Blauen wird klar, dass es sich an diesem Abend um keine gewöhnliche Karnevalsveranstaltung in der Pfarre St. Hubertus handelt. Jedes Wort, das die Präsidentin ihren Gästen schon bei der Begrüßung zuwirft, wird in Gebärdensprache übersetzt, denn ein Großteil der an diesem Abend anwesenden Kanevalsjecken ist gehörlos.

Wie in kaum einer anderen Gesellschaft steht die Integration von körperlich oder geistig eingeschränkten Menschen so im Vordergrund wie bei den Schwarz-Blauen Funken. Kein Wunder, denn der Verein wurde einst von Gehörlosen gegründet. Auch das damalige erste Tanzmariechen war gehörlos.

Den Auftakt an diesem Abend machen die Freien Söldner Kanoniere, gefolgt von der Närrischen Garde Aachen. Das erste typische schwarz-blaue Highlight sind die „Singenden Hände“: Zu eingespielten Karnevals- und Stimmungsliedern demonstriert die Gruppe, wie es aussieht, wenn man die bekannten Texte der Lieder in Gebärdensprache übersetzt.

„Mit etwas Übung ist es sogar möglich, den kölschen Akzent mit einfließen zu lassen“, sagt Ulrike Bobka, die an diesem Abend die hauptamtliche Übersetzerin ist. Bobka, die die Schwarz-Blauen Funken schon seit einigen Jahren unterstützt, hat sich dabei jedoch nicht immer so leicht getan wie an diesem Abend. „Auf einer Sitzung ist es einmal vorgekommen, dass ich den Text eines Liedes gar nicht verstanden habe. Seitdem bereite ich mich immer gut vor, um möglichst nah am rheinischen Frohsinn übersetzen zu können“, sagt die Gebärdensprachendolmetscherin.

Ehrungen gab es an diesem Abend auch. Günter Lob, das mit 90 Jahren älteste Mitglied der Schwarz-Blauen Funken, erhielt eine Sonderehrung zu vier mal elf Jahren Mitgliedschaft im Verein. Der gehörlose Senior verfolgt das närrische Treiben seines Herzensvereins beinahe von Beginn an, und ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Die Karnevalsmusikerin Ramona Daum erhielt eine Auszeichnung als Ehrenmusikantin der Funken.

Auch für das anstehende 50-jährige Jubiläum im kommenden Jahr hat sich Präsidentin Trudi Hannappel übrigens viel vorgenommen. Schon jetzt stecke man mitten in den Vorbereitungen für die große Feier. Die Präsidentin ist sich sicher, dass noch viele weitere Jubiläen für die Schwarz-Blauen Funken kommen werden.

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