Aachen - Auch grandiose „Lobhudelei“ kam im Doppelpack

Auch grandiose „Lobhudelei“ kam im Doppelpack

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Preisträger Leo Bardenheuer (links) und Hubert Herpers bewiesen auf seine Weise, dass sie die Auszeichnung in Sachen Platt und Öcher Humor verdient haben. Foto: Andreas Herrmann
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Urkomische Ameröllche mit Biss: Bernd Büttgens und Ina Groebner (am Mikro) zeigten nebst Angelika Kutsch, Richard und Uli Wollgarten sowie Herbert Oprei und Capella a Capella Öcher Hazz und Stimme. Foto: Andreas Herrmann
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D‘r ärme scheäfe Frank mit jan und Manfred Savelsberg und Manfred Birmans Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Tag der Heiligen Drei Könige wurde mal wieder zum rauschenden Fest für die heimlichen Fürsten des Öcher Platt: 750 Frönnde va os Modderesproech nahmen an der 30. Verleihung des Thouet-Mundartpreises teil. Die große Stunde für Preisträger Leo Bardenheuer und Hubert Herpers, der die Drei-Königs-Kette erhielt, sollte alsbald vor illustrem Publikum schlagen.

Nicht ganz so viele besuchten zuvor im Dom den Gottesdienst in Platt.Dompropst Manfred von Holtum bedauerte, dass er seine Begrüßungsworte noch nicht in Mundart sprechen könne. „Aber ich lerne noch und habe bereits das Wörterbuch zum Aachener Sprachschatz im Regal“, versprach er. Die Leitung hatten der evangelische Pfarrer Armin Drack sowie der katholische Diakon Manfred Oslender, selbst Thouet-Preisträger 2008, der in Brander Platt predigte. Und wer bezweifeln sollte, dass auch in der Kirche gelacht werden darf, wurde flott eines Besseren belehrt. Oslender berichtete von den Heiligen Drei Königen, die vor dem „Kengche ejjen Krepp open Kneje fejlen do än ene deepe Böckem maade. Jelierde Häere hand nu erus foonge, dat de vierde Könnig, hej va Ooche woer. Nenne vür hem ens der Jupp“.

Wenig später hatten die Öcher Duemjroefe bereits im Rathaus Aufstellung genommen, Gerd Leuchtenberg spielte im Foyer als „Orjelsmann“ die erste Ouvertüre zu einem launigen Fest, ein Trompeterduo ließ im Wechsel mit den Sternsingern aus St. Gregor anheimelnde Weisen erklingen. Musik , Platt und Frohsinn waren Trumpf im Krönungssaal bei der Feierstunde zu Ehren von Leo Bardenheuer und Hubert Herpers. „Öcher Platt könt us et Hazz än ka Mensche mieh bejje wie Wöed alleng uusdröcke“, sagte Bardenheuer später in seiner Dankesrede“. In gewohnt heiterer Art ließ Oliver Thouet die Geschichte des Thouet-Preises Revue passieren, durch die viel neues Interesse an Mundart geweckt worden sei.

„Schicken Sie uns Ankündigungen und Infos, um einen übergreifenden Öcher-Platt-Kalender zu etablieren“, bat er (www.thouet-mundartpreis.de). Lasse Drießen, Patrick Jung und Baran Durmus, Gewinner der Öcher-Platt-Schülerwettbewerbs, ernteten viel Applaus, ebenso wie Dieter Böse und sein Trio mit Balladen in Platt. Elfriede Schultz verzückte mit Rümselcher, Manfred Birmans, Manfred und Jan Savelsberg wandelten auf den Spuren von Lennet Kann. Hein Engelhardt erinnerte an „Et kleng Jubilejj“ des Thouetpreises: „D’r Thouet-Priis es jät wie Balsam för et Öcher Hazz“.

Nach der Gruppe Brisamt und einem Potpourri mit Öcher Leddchere nahte der absolute Höhepunkt: OB Marcel Philipp und Amtsvorgänger Jürgen Linden lieferten sich bei ihrer Doppel-Laudatio auf Bardenheuer und Herpers einen köstlichen Schlagabtausch: Wer fängt an? Die Protokollfrage war gar nicht so leicht zu klären. Letztlich begann Linden mit seiner „Lobhudelei“ über Herpers, im Hauptberuf Sparkassenvorstand: „Der als et Pittche vörop va de Sparkass, dr Flööte Wellem va all die Sponsore, die helpe, os Oche noch ä stöcksje schönner ze mache, de Spendierboxe anhat än uus en Meäl e Nonnefötzche mache ka“. Philipp blieb lieber beim Hochdeutsch und half Bardenheuer aus seiner Verzweiflung, dass es im Vorfeld Irritation gegeben habe, wonach er Ostbelgier sei, da er 1944 auf der Flucht in Malmedy das Licht der Welt erblickte. Die Wahrheit sei, dass Bardenheuer nach der Rückkehr nie wieder seine Heimatstadt verlassen habe und „ene Öcher Jong met e Öcher Hazz, ein engagierter Christ, ein gestandener Gewerkschafter“ sei.

Die Mundart sei ihm in die Wiege gelegt worden, aber eben nicht in Aachen, schränkte der Baesweiler Jong Hubert Herpers seine Vita ein. Er sei in einem „Bermudadreieck“ groß geworden. Geboren im Jülicher Raum, hörte er zunächst Schuufeberger Platt. Später in Breinig war und ist es Breeniger Platt und erst seit 45 Jahren genieße er in Aachen das Öcher Platt. In vollen Zügen – wie der rauschende Festabend bewies.

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