Aachen - Auch die Blumenpracht leidet unter der Finanzmisere

Auch die Blumenpracht leidet unter der Finanzmisere

Von: Robert Esser
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Neues Beet: Vor dem Theater blühen Eisbegonien, Rizinus-Bäume und Spinnenpflanzen. Die Rosen namens „Aachener Dom” mussten weichen - vorerst. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Hier blühen Renditeträume: Wo gräbt man 46.000 Euro aus, wenn man vorher nur 5677 Euro verbuddelt hat? Antwort: in der Stadtgärtnerei. Da geht die Saat auf. „Wir sind darauf angewiesen, dass unser Pflanzenmaterial größtmöglichen Ertrag bringt”, sagt Teamleiter Paul Gronen.

So geht die natürliche Wertvermehrung dank Treibhäusern und fachkundiger Pflege in die buchhalterische Bilanz des Aachener Stadtbetriebs ein. Dessen Chef Franz Narloch macht dennoch keinen Hehl daraus, dass es immer schwieriger wird, die Kaiserstadt Jahr für Jahr in ein buntes Blumenmeer zu tauchen.

1985 verteilten die amtlichen Gärtner noch knapp 300.000 Pflanzen im Stadtgebiet, dieses Jahr sind es noch 130.000. Und im Spardiktat droht weiter der Rotstift. „Die Grünpflege zählt zu den sogenannten freiwilligen Ausgaben der Stadt”, erklärt Narloch. Die Haushaltskonsolidierung macht vor der Stadtgärtnerei nicht Halt. „Wir werden uns den Fragen stellen müssen”, sagt der Leiter des Stadtbetriebs.

Dabei ist die Bepflanzung der Stadt schon vor Jahren von drei auf zwei Zyklen pro Jahr reduziert worden. Aber die Vielfalt sprudelt in Bad Aachen weiter: 68 Pflanzenarten platziert Gronens Team, darunter 134 verschiedene Sorten. Was 2010 besonders aufwändig war. „Wegen des langen Winters und eines sehr dunklen Frühjahrs sind wir erst drei Wochen später als sonst fertig geworden, nämlich vergangenen Dienstag”, erklärt Gronen. In nur 15 Werktagen wurde die Blumenpracht verteilt. Geranien, Fuchsien, Buntnesseln, Nelken, natürlich Studentenblumen und viele mehr.

Doch man muss angesichts der knapperen Ressourcen Kompromisse eingehen, Prioritäten setzen. „Die gelungene Grünpflege ist ein wichtiger weicher Standortfaktor”, sagt Narloch. „Die Menschen sollen sich schließlich in unseren Parks und in der Stadt wohlfühlen.” So fokussiert sich die Stadtgärtnerei bei der Bepflanzung etwa auf die Kurgebiete am Spielcasino an der Monheimsallee sowie in Burtscheid. Und natürlich auf das Stadtzentrum rund um Dom und Rathaus.

Dagegen gibt es dieses Jahr weder die üblichen „Blumenampeln” an den Laternen in der Adalbertstraße noch irgendein Blümchen für das Ostviertel. Auch nicht für den Elisengarten. „Das ist schon schade. Nach der Umgestaltung von Kennedypark und Elisengarten sind Blumen dort nicht mehr gewünscht”, sagt Gronen. Zehntausende gab es allein dort in den Vorjahren. Und Narloch fügt vorsichtig hinzu: „Vielleicht hätte man das Konzept der Landschaftsarchitekten an der einen oder anderen Stelle etwas rechtzeitiger mit den erfahrenen Fachleuten der Stadtgärtnerei abstimmen können.” Vielleicht würde es dann weniger Trampelpfade durch frische „Beete” im Elisengarten und auch mehr praktische Möglichkeiten gegen die Vermüllung von Grünanlagen geben, heißt es.

Auf die Erfahrung von Betriebsleiter Franz Narloch, Gärtnermeister Paul Gronen und seinem fast 20-köpfigen Team setzt indes nach wie vor der Aachen-Laurensberger Rennverein. Zum CHIO gibt´s dieses Jahr rund 30.000 Pflanzen extra - vom Agapanthus im Dressurstadion bis zum Romatopf im Ladendorf. Und wer sich wohlfühlt, wird dort vielleicht noch lieber einkaufen und Geld ausgeben. So blühen die Renditeträume weiter.
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