Auch das gibt´s: Die Sternstunde der Adalbertstraße ist flugs vorbei

Von: Robert Esser
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Bodenhaltung: Die federleichten Weihnachtssterne durften die Laternen der Adalbertstraße nicht mehr schmücken und mussten demontiert werden. Foto: ISG

Aachen. Die Sternstunde ist vorbei. Obwohl die Stille Nacht ja erst noch kommen sollte. Alles schon weg, schade. Die Interessen- und Standort-Gemeinschaft (ISG) kleine Adalbertstraße hatte sich doch tatsächlich erlaubt, die trostlose Meile der berühmtesten Fußgängerzone Aachens – hier zwischen Aquis Plaza und Abbruchleerstand – mit weißen wie roten Weihnachtssternen zu schmücken.

Wie in den Vorjahren. Auf eigene Kosten, 1000 Euro. Sind ja kaum noch Einzelhändler übrig zwischen Kugelbrunnen und Kaiserplatz. Neu ist in diesem Jahr, dass die schmucke Deko-Idee als gefährlich eingestuft wird. Weil sie an hochmodernen Straßenlaternen hängt, für die es laut Stawag keine Ersatzteil-Gläser mehr gibt, wenn etwas zu Bruch geht. Was an sich schon erstaunlich ist.

Weil die Weihnachtsdekoration nun pro Papierstern sagenhafte 60 bis 100 Gramm schwer wiegt, musste alles wieder runter. Sehr zum Ärger der ISG. Dabei wurde die Befestigung „wie in jedem Jahr aus Bastfaden gewählt, damit durch Reibung und Wind keine Spuren hinterlassen werden“, wie die ISG sorgsam mitteilt. So viel Sorge um die Laternen hätte sich die ISG auch mal bei den kleinen blauen Bodenstrahlern im Trottoir gewünscht, die übrigens mangels Wartung längst zugekittet wurden. Doch das ist eine andere Geschichte. Die hier zur Rede stehende Sternstunde bürokratischer Regulierungswut müsste nämlich flugs himmlische Folgen haben. Vor allem fürs Gefieder.

Nachdem der Weihnachtsschmuck entfernt wurde, ist nun Platz für neue Warnschilder. Endlich! Wenn so ein Laternenglas keine 100 Gramm aushält, muss sofort die leidlich labile Landeerlaubnis für diverse Flugsportler eingezogen werden. Klar. Rechenbeispiel gefällig? Ein Spatz wiegt laut Tierlexikon 24 bis 40 Gramm. Drei Spatzen auf einer einzigen Laterne würden demnach die Höchstbelastbarkeit des städtischen Lichtzaubers überschreiten. Landung untersagt.

Und Tauben? Die haben‘s jetzt wirklich gar nicht mehr leicht. Ab sofort darf nur noch eine halbe Taube pro Laternenglas Platz nehmen – ansonsten droht Glasbruch. Hoffentlich halten sich die himmlischen Heerscharen an die neuen Grenzwerte in Sachen Lampenkapazität. Auch im kommenden Frühjahr, wenn das Federvieh hunderttausendfach aus Afrika zurückschlägt. Obwohl: 2017 soll doch die marode Häuserzeile niedergelegt werden, um da eine Großbaustelle für einer neue Laden- und Wohnzeile zu einzurichten.

Weswegen die Lampen ohnehin demontiert würden. Wegen tonnenschwerer Abriss- und Baufahrzeuge, die jahrelang über und neben der Fußgängerzone zugange sind. Möglicherweise packt die Stawag die hochsensiblen Laternen aber auch – sie sind ja ohne Ersatzchance quasi vom Aussterben bedroht – in Samt und Seide und schirmt sie mit Schutzzäunen ab. Bloß: Falls die Stadt ihren gängigen Baumschutz bei Umbaumaßnahmen durchzieht, ist das alles, alles umsonst. Schicksal besiegelt. Vorbei. Dann fallen die Laternen. Und teilen der Sterne Schicksal...

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