Atomenergie: Der Widerstand wird im Wohnzimmer organisiert

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Mit viel Engagement kämpfen sie gegen Atomenergie: Monika und Robert Borsch-Laaks haben die „Nachbarschaftsinitiative Drei Rosen“ gegründet, die mittlerweile ein eingetragener Verein ist. Neue Mitstreiter sind stets willkommen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Papa du könntest auch mal wieder was tun!“ Als diese Botschaft im November 2008 in Kombination mit einem „Hausaufgabenheft für AtomgegnerInnen“ in Robert Borsch-Laaks Haus flatterte, war das für ihn wie ein Déjà-vu.

Der Weckruf stammte von seiner eigenen Tochter, die sich zur selben Zeit im Wendland aufhielt, wo 15.000 Menschen gegen die Castor-Transporte demonstrierten.

Eigentlich waren der mittlerweile 69-Jährige und seine Frau Monika schon immer Verfechter von alternativen Energien und erklärte Atomgegner. Doch mit Verpflichtungen, die Job und Kinder mit sich brachten, beschränkte sich das Engagement irgendwann auf das eigene häusliche Umfeld. Aber warum nicht wieder an alte Zeiten anknüpfen? Gesagt, getan. Die Nachricht machte prompt die Runde in der Nachbarschaft, so dass Borsch-Laaks und seine Frau schnell Mitstreiter fanden.

Aus dem losen Netzwerk wurde im Jahr 2010 beim „StromweXel Brunch“ die „Nachbarschaftsinitiative 3 Rosen“, benannt nach der Straße, in der die Gründungsmitglieder leben. Das Wohnzimmer des Ehepaars ist bis heute „Geschäftsstelle“ und Treffpunkt der mittlerweile 13 Mitglieder. Schon viele Aktionen wurden von dort aus geplant. Zum Beispiel die Reise nach Besigheim, wo die Nachbarschaftsinitiative am 12. März 2011 an einer Anti-Atom-Menschenkette von Neckarwestheim nach Stuttgart teilnahm. Aber auch eigene Aktionen riefen sie ins Leben, zum Beispiel 15 Mahnwachen mit Programm am Elisenbrunnen in Folge der Katastrophe in Fukushima oder die „Energischen Kulturabende“.

Seit geraumer Zeit beunruhigen die Mitglieder der Initiative wie viele andere Menschen in der Region auch die Entwicklungen des nahe gelegenen maroden Atomkraftwerks Tihange bei Lüttich. 2012 starteten die Mitglieder daher auf dem Aachener „Ehrenwert“-Tag ihre „Stop-Tihange-Kampagne“ und wurden Teil des Stop-Tihange-Bündnisses. Selbstverständlich wird auch die „Initiative 3 Rosen“, die seit Dezember 2016 unter dem Vorsitz von Herbert Gilles ein eingetragener Verein ist, an der nächsten großen Aktion gegen Tihange dabei sein und ein Zeichen setzen. Geplant ist, am 25. Juni eine 90 Kilometer lange grenzüberschreitende Menschenkette von Aachen über Maastricht und Lüttich nach Tihange zu bilden.

Bis dahin geht das „Tagesgeschäft“ des Vereins jedoch weiter. Insbesondere werden weiter Unterschriften für die Schließung des belgischen Atomkraftwerks gesammelt – rund 70.000 Unterschriften und 270.000 Online-Klicks sind mittlerweile zusammengekommen.

Außerdem stehen eigene Veranstaltungen wie die Benefizveranstaltung „Kultur kann kämpfen“ am 11. März auf dem Programm. Ein Schaufensterwettbewerb für die kreativsten Schaufenster in Aachen zur Stop-Tihange-Kampagne ist auch gerade angelaufen. „Es gibt noch viel zu tun und wir werden aktiv mit dabei sein“, blickt Borsch-Laaks in die Zukunft.

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