Asyl: Stadt ringt um jeden Quadratmeter

Von: Matthias Hinrichs
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Dringend gesucht: Die Stadt muss schnellstmöglich weitere Unterkünfte für Flüchtlinge bereitstellen. Geeignete Objekte – wie hier an der Eilendorfer Hansmannstraße – sind aber rar gesät. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Tage werden kälter, die Drähte in der Verwaltung glühen heißer denn je – und die Köpfe der Politiker im Ratsausschuss für Soziales und Integration. Denn längst birgt der vordem eher unter „Ferner liefen“ zur Kenntnis genommene Bericht zur „aktuellen Situation von Flüchtlingen“ ungeahnte Brisanz.

Am Donnerstagabend setzt sich das Gremium abermals intensiv mit der schwierigen Lage auseinander. Die Zahl der Menschen, die im Dreiländereck Schutz und Obdach suchen, wächst unaufhaltsam. Und mit ihr die Herausforderung, ihnen eine angemessene Bleibe zur Verfügung zu stellen. Etliche Optionen werden derzeit mit Hochdruck geprüft. Auch die Schaffung von Notunterkünften in Turnhallen und Schulen ist längst nicht mehr tabu.

Rund 720 Flüchtlinge in städtischen und privaten Objekten zählt die Stadt momentan. Offiziell stehen jedoch nur Kapazitäten für rund 620 Neuankömmlinge zur Verfügung. Für den morgigen Freitag steht die Ankunft von voraussichtlich weiteren 35 Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten vor allem in Afrika und Nahost ins Haus, berichtet Heinrich Emonts, Leiter des Sozialamtes. Tendenz weiter steigend.

„Bislang haben wir immer gute Lösungen gefunden“, sagt Emonts. Aber: „Inzwischen sind auch die Obdachlosenunterkünfte, auf die wir notgedrungen ausweichen mussten, komplett belegt.“ Weitere Partner in Sachen Herberge werden händeringend gesucht. „Wir sind im intensiven Austausch mit der Gewoge und diversen potenziellen Anbietern.“ Kommende Woche will die städtische Gesellschaft eine Liste von leerstehenden Objekten vorlegen, die kurz- bis mittelfristig für Flüchtlinge reserviert werden könnten.

Erst vor kurzem hatte die Gewoge die geplante Sanierung einer Wohnanlage auf Beschluss des städtischen Verwaltungsvorstands abgeblasen, um schnellstmöglich zehn weitere Wohnungen bereitzustellen. Einige sind bereits belegt, weitere werden derzeit hergerichtet. 20 bis 25 Personen könnten zudem in einer ehemaligen Senioreneinrichtung untergebracht werden.

Zur „Umwidmung“ leerstehender Gewerberäume lagen zwar bis vor kurzen noch drei Offerten vor. Ein potenzieller Vermieter hat sein Angebot jetzt aber zurückgezogen. Auch die Chancen zur Übernahme des seit Frühjahr verwaisten ehemaligen Straßenbauamts an der Karl-Marx-Allee stehen schlecht. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes, dem das Objekt gehört, habe jetzt doch Eigenbedarf signalisiert, berichtet Emonts. „Wir gehen eher davon aus, dass wir da nicht zum Zuge kommen.“ Immerhin: Ein Investor, der über Gewerberäume in der City verfügt, will nun eine Bauvoranfrage zur Schaffung von Appartements stellen.

Eine runde Million Euro für den Erwerb weiterer Immobilien ist unterdessen im städtischen Etat für 2015 festgeschrieben. Auch Konzepte zur Realisierung von Neubauten sind in Arbeit. „Wir sind im Gespräch mit einem Anbieter, der nach eigenem Bekunden in der Lage ist, innerhalb von drei Monaten größere Kapazitäten in Containerbauweise zu schaffen“, erklärt Emonts.

Die Zeit drängt. Zumal die Stadt permanent kurzfristig auf Zuweisungen durch das Land reagieren muss. Deshalb stehen auch die Herrichtung von Sportstätten und die Schaffung von Wohnungen in einem ehemaligen Schulgebäude längst wieder ernsthaft zur Debatte. Derzeit arbeite man mit dem Sportamt bereits an einem Nutzungskonzept zur Unterbringung von bis zu 30 Menschen in einer Turnhalle, berichtet Emonts.

Ob Notlösungen wie diese noch zu verhindern sind, weiß derzeit niemand. Emonts: „Wir können nicht steuern, wie viele Menschen zu uns kommen. Aber wir setzen alles daran, ihnen eine angemessene Bleibe zur Verfügung zu stellen.“

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