Asyl für Flüchtlinge in Richterich?

Von: Matthias Hinrichs
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Könnte Platz bieten für zunächst rund 230 Flüchtlinge: Die Stadt prüft, ob sie das ehemalige Logistikzentrum der Telekom an der Roermonder Straße von der Landmarken AG übernehmen kann. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auch wenn zum Ende dieser Woche der letzte Flüchtling das Inda-Gymnasium verlassen haben sollte – und das zeichnet sich ab –, sind die Probleme damit längst nicht aus der (lokalen) Welt. Allerspätestens mit der jüngsten großen Zahl von Asylsuchenden ist auch die Erkenntnis bei den städtischen Entscheidungsträgern angekommen.

Weitere Notunterkünfte mit Kapazitäten für mehrere hundert Menschen müssen fast buchstäblich über Nacht verfügbar sein. Denn niemand kann derzeit ausschließen, dass erneut ganz kurzfristig Platz geschaffen werden muss für Gestrandete aus Kriegs- und Krisengebieten.

Deshalb hat die Stadt jetzt eine weitere große Immobilie ins Auge gefasst, die möglicherweise binnen weniger Wochen als Erstaufnahmelager eingerichtet werden könnte. Nach AZ-Informationen konkretisieren sich Gespräche mit einem großen örtlichen Investor: Die Aachener Landmarken AG hat der Verwaltung nach AZ-Informationen ein rund 6000 Quadratmeter großes Gebäude in Richterich zwecks Einrichtung eines Aufnahmelagers angeboten. Die Ratsfraktionen wurden darüber am Montag intern informiert.

In dem ehemaligen Logistikzentrum an der Roermonder Straße 615, das das Unternehmen vor einiger Zeit von der Telekom übernommen hat, könnten kurzfristig etwa 2000 Quadratmeter für Notunterkünfte hergerichtet werden, bestätigte Kolja Linden, Sprecher des Aachener Investors, Dienstag auf Anfrage. Zurzeit sind auf dem Gelände auch ein Netto-Markt und eine Kik-Filiale sowie eine Spedition beheimatet.

Längerfristig stünden gleichwohl sogar 6000 Quadratmeter zur Verfügung, heißt es. Dem Vernehmen nach will die Stadt einen Teil des Objektes zu vergleichsweise sehr günstigen Mietkonditionen bereits ab September für zunächst fünf Jahre übernehmen. In einem ersten Schritt könnte so Platz für bis zu 230 Flüchtlinge geschaffen werden.

Oberbürgermeister Marcel Phi-lipp äußerte sich mit Hinweis auf die nach wie vor laufenden Verhandlungen am Dienstag nicht zu dieser Option. Auch seitens der Ratsfraktionen war niemand zu einer konkreten Stellungnahme bereit. „Es gibt derzeit einfach noch zu viele Unwägbarkeiten“, betonte CDU-Fraktionschef Harald Baal. „Wir bewegen uns aber längst nicht mehr im ,Wünsch-dir-was‘-Modus und müssen alle Angebote prüfen, die sinnvoll erscheinen.“ Daher sei man jetzt grundsätzlich darauf eingerichtet, auch kurzfristige Dringlichkeitsentscheidungen innerhalb weniger Tage auf den Weg zu bringen.

Denn: „Aachen ist eine der wenigen größeren Städte in NRW, die noch immer kein geeignetes Objekt bereithalten, um gegebenenfalls rasch Flüchtlinge aufzunehmen“, erklärte OB Philipp auf Anfrage. Bereits vor Monaten habe der Landesinnenminister die „Bitte“ an ihn herangetragen, ein geeignetes Ausweichquartier bereitzuhalten, weil die Kapazitäten in den zentralen Aufnahmestellen nicht mehr ausreichten. „Wir können uns aus dieser Verpflichtung nicht herausstehlen. Wir prüfen alle Möglichkeiten. Sobald wir ein konkretes Ergebnis erzielt haben, werden wir die Bürger sofort informieren“, betonte Philipp.

Dies unterstrichen auch zahlreiche Vertreter der Ratsfraktionen im AZ-Gespräch. Heftige Kritik äußerten nichtsdestotrotz die Piraten: „Die Stadt ist in diese Lage geraten, weil sie einfach nicht rechtzeitig aktiv geworden ist“, wetterte deren Fraktionsvorsitzender Udo Pütz.

„Vor wenigen Wochen sind wir im Zusammenhang mit dem Beschluss, jetzt auch auf Containerwohnungen auszuweichen, heftig verbal verprügelt worden, weil wir Kasernen oder Kirchengebäude ins Gespräch gebracht haben. Genau diese Vorschläge haben sich jetzt praktisch alle Parteien zu eigen gemacht.“ In der Tat sei auch die Zwischennutzung einer Kaserne weiter im Gespräch, bestätigte Philipp: „Wir müssen alles tun, damit wir nicht in die Situation kommen, weiterhin auf Turnhallen oder gar auf Zelte ausweichen zu müssen.“

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