Aachen - Asterix lernt in Aachen Latein

Asterix lernt in Aachen Latein

Von: Benjamin Jansen
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Willkommene Abwechslung: Karl-Heinz von Rothenburg alias Rubicastellanus möchte den lateinische Lektüreunterricht mit seinen übersetzten Comicbänden lebendiger machen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bewohntes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und nun die Quizfrage: Wer wohnt in diesem Dorf?

Die Antwort können unzählige Generationen fleißiger Comic-Leser aus dem Stegreif geben. Na klar, Asterix und Obelix.

50 Jahre Widerstand

50 Jahre lehnen sich die gallischen Rebellen nun schon gegen ihre feindliche Übernahme auf. Zahlreiche spannende Abenteuer hat das Erfolgsduo, ausgestattet mit dem hausgemachten Zaubertrank, in dieser Zeit hinter sich gelassen. Sie haben gelernt, wie sie mit ihren römischen Widersachern fertig werden. „Rubricastellanus” hat ihnen aber etwas beigebracht, was sie auf keinem ihrer Abenteuer lernen konnten: Latein.

Im Jahr 1972 hatte Karl-Heinz von Rothenburg, so lautet der bürgerliche Name von Rubicastellanus, „die Nase voll”. „Der lateinische Lektüreunterricht mit Caesars gallischem Krieg als unbebilderter Textausgabe war für die meisten Schüler eine reine Quälerei. Mit Asterix sollte etwas mehr Freude einziehen”, erinnert sich der pensionierte Altphilologe und Pädagoge.

„Frigidum” dürften seine Schüler da wohl gedacht haben, als der erste Band „Asterix der Gallier” alias „Asterix Gallus” im Unterricht erschienen ist. Zugegeben, das Wort „cool” ist in diesem Fall etwas freier übersetzt (kühl). Aber auch von Rothenburg muss bei modernen Ausdrücken häufig in die Trickkiste greifen. „Man muss manchmal eine Nacht über einen bestimmten Begriff schlafen - und der wird dann häufig etwas abgewandelt. Deshalb dauert die Übersetzung ja auch so lange.”

Sechs Wochen nimmt sich Rubicastellanus Zeit, um einen Comicband zu übersetzen. Mittlerweile liegen 23 Ausgaben vor, die der Lateinliebhaber vom Französischen in die Sprache von Caesar und Cicero transferiert hat.

Sein neustes Werk ist druckfrisch: „Asterix bei den Schweizern”. Pardon, „Asterix apud Helvetios”. Dass der Weg ihn und seinen hinkelsteintragenden Freund hinauf zu den „montes Helvetici”, den Schweizer Bergen, auch in ein „restauratio” führt, wo es „caesus fervefactus” (Käsefondue) gibt, ist eigentlich nebensächlich - und nicht zeitgemäß. Aber „Anachronismen gehören bei Asterix und Obelix einfach dazu. Die Comics leben davon”, sagt von Rothenburg.

Das Handgemenge wird übrigens auch übersetzt. „Tux” oder „Tax” heißt es dann, wenn Obelix mal wieder einen römischen Legionär in die Luft katapultiert. „Diese Ausdrücke sind schon in der römischen Tragödie belegt”, erklärt von Rothenburg. Und wenn Rubicastellanus tatsächlich nicht mehr weiter weiß, dann befragt er einfach das „interrete”, also das Internet. „Die Universität Saarbrücken hat ein Lexikon entwickelt, das lateinische Bezeichnungen für moderne Begriffe seriös herzuleiten versucht”, berichtet der Experte.

Binnen 14 Tagen vergriffen

Der Erfolg zeigt, dass sein Konzept aufgeht: Die Erstauflage von „Asterix Gallus” war binnen 14 Tagen vergriffen, insgesamt erzielte der erste Band eine Gesamtauflage von einer Viertelmillion. „Da in den Asterixbänden kein deutsches Wort vorkommt, können sie auf der ganzen Welt gelesen werden”, unterstreicht der 76-Jährige den Stellenwert.

Auch von seinem neusten Band verspricht sich von Rothenburg einiges. „Die Story ist nämlich einfach klasse. Ich hoffe, dass viele Generationen Spaß daran haben und Latein nicht mehr nur mit blutigen Schlachten verbinden.”
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