Aachen - Aseag: 84-Jähriger fühlt sich schikaniert

Aseag: 84-Jähriger fühlt sich schikaniert

Von: Oliver Schmetz
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Schwerbehindertenausweis wurde nicht akzeptiert: Karl-Walter Brütting sieht Schikanen der Aseag-Kontrolleure.

Aachen. Erst traf es einen neunjährigen Schüler, nun einen 84-jährigen Schwerbehinderten: Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit beschwert sich ein Fahrgast in Aachen über Schikanen durch Aseag-Kontrolleure.

Dabei hatte Karl-Walter Brütting am Freitag vergangener Woche durchaus seinen Fahrschein griffbereit, als um 11.20 Uhr am Elisenbrunnen der Ruf „Fahrkartenkontrolle” durch den Bus der Linie 12 schallte. Der Weltkriegsveteran zückte sein „Aktiv-Abo”, für das er pro Jahr fast 500 Euro bezahlt.

Doch als die Kontrolleurin nach seinem Personalausweis fragte, habe der Ärger angefangen, berichtet Brütting der AZ. Dabei war die Frage nach persönlichen Papieren in diesem Fall durchaus angemessen. Schließlich steht auf seinem Ticket, dass es nur gültig ist in Verbindung „mit einem amtlichen Lichtbildausweis”.

Da der Senior seinen Personalausweis nicht dabei hatte, wollte er seinen Schwerbehindertenausweis - ebenfalls ein amtliches Dokument mit Lichtbild - vorzeigen, doch das habe die Kontrolleurinnen kalt gelassen. „Die wollten diesen Ausweis gar nicht sehen”, erzählt der 84-Jährige.

Brütting bekam eine schriftliche Zahlungsaufforderung über 40 Euro in die Hand gedrückt, wie sie Schwarzfahrern in Rechnung gestellt werden. Dazu habe es den mündlichen Hinweis gegeben, bei Vorlage des Personalausweises im Aseag-Büro würde nur eine Bearbeitungsgebühr fällig werden - „so gegen fünf Euro”, habe die Kontrolleurin gesagt, erinnert sich der Mann.

In besagtem Büro in der Couvenstraße habe man dann darauf beharrt, dass das Vorgehen der Kollegin richtig gewesen sei - weil dem Behindertenausweis keine Anschrift zu entnehmen sei. Sieben Euro Bearbeitungsgebühr habe er deswegen zahlen sollen - was Brütting nicht einsieht. „Ich fühle mich schikaniert”, sagt er. „Denn der Behindertenausweis ist ein von einer Behörde ausgestelltes amtliches Dokument.”

Erst Ende vorvoriger Woche hatte der Fall eines neunjährigen Jungen Aufsehen erregt, der nach Angaben seiner Mutter von einem Kontrolleur auf die Straße gesetzt worden war, weil er sein Ticket vergessen hatte. Bei der Familie hat sich die Aseag inzwischen entschuldigt, doch legt man darauf Wert, dass der Junge nicht aus dem Bus gewiesen worden sei. Der Kontrolleur habe das Kind lediglich gefragt, ob es mit aussteigen könne und auch darauf hingewiesen, dass es mit einem anderen Bus weiterfahren könne.

Nach Darstellung der Mutter war der Junge aber verängstigt zu Fuß nach Hause gegangen. Gleichwohl sei das Verhalten des Kontrolleurs aber „ein Fehler” gewesen, betont Aseag-Sprecherin Anne Linden. „Er hätte den Jungen nicht aus dem Bus bitten dürfen.” Dafür werde man die Kollegen nun besonders sensibilisieren.

Im Fall des 84-Jährigen mag die Aseag keinen eigenen Fehler erkennen. „Die Kollegen haben sich den Regeln nach richtig verhalten”, verweist Herrmann Paetz, Aseag-Centerleiter Verkehr, auf die Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes. Und danach sei bei solchen Tickets ein Nachweis der Identität per Personalausweis notwendig. Man mache überdies ja auch schon Ausnahmen, akzeptiere etwa ebenso Reisepässe und Führerscheine.

Für Paetz ist es „ein Grenzfall”. Man hätte in der Situation „auch anders entscheiden, auch ein Auge zudrücken können”. Das geschehe auch oft. Doch würden auch Bustickets gefälscht. Und der Job der Kontrolleure sei oft nicht einfach: Sie hörten Ausreden, würden beschimpft, teils angegriffen. Bei 400.000 Kontrollen pro Jahr sei die Zahl der Beschwerden „sehr gering”.
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