Aachen - Aseag: 120, 180 – doch Samstag soll keine Fahrt ausfallen

Aseag: 120, 180 – doch Samstag soll keine Fahrt ausfallen

Von: Stephan Mohne
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Kein Fahrer, keine Fahrt: Freitag fielen mehr als 180 Aseag-Touren aus, Samstag sollen hingegen alle stattfinden. Zudem ist jetzt ein Durchbruch bei den schwierigen Tarifverhandlungen erzielt worden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eine Epidemie grassiert zurzeit nicht in Aachen. Und doch ist bei der Aseag eine erstaunliche Zahl an Busfahrern krank. Dass nun auch noch Ferienzeit ist, verschärft die Sache. Das sind dann auch die Gründe, die das Verkehrsunternehmen stets angibt, wenn es um Nachfragen zum aktuellen Fahrplanchaos geht.

Fast täglich wird es schlimmer. Donnerstag fielen über 120 Fahrten aus, was schon über dem bisherigen „Rekord“ von rund 110 lag. Gestern nun ging die Zahl nochmals rapide nach oben. Die Kunden mussten mit mehr als 180 ausgefallenen Fahrten leben. Samstag, so vermeldete die Aseag Freitagabend überraschend auf ihrer Homepage, soll nicht eine einzige Fahrt ausfallen.

Dennoch geht die Ursachenforschung weiter. Dass der bisherige hohe Krankenstand von rund 15 Prozent bei der Aseag und 20 Prozent bei deren Tochter „Esbus“ nicht nur etwas mit Viren und Bakterien, sondern auch mit dem Betriebsklima zu tun hatte, ist für OB Marcel Phlipp zumindest „naheliegend“. Dass viele Busfahrer mittlerweile „die Schnauze voll“ haben, sagt einer von ihnen, der verständlicherweise nicht genannt werden will. Aseag-Betriebsrat Claus Schramm geht es auch um „politische Entscheidungen und Fehlentscheidungen“, wie er sagt. Seit Jahren sei die Zahl der Fahrgäste kontinuierlich gestiegen, zudem seien neue Leistungen, sprich Linien und Fahrten, beschlossen worden. Dies alles müsse aber mit  einer Unterdeckung beim Personal abgearbeitet werden. Grund dafür wiederum: das seit Jahren über der Aseag hängende Spardiktat. Von einst rund 22 Millionen Euro wurde das Defizit durch heftige Sparmaßnehmen auf zwölf Millionen gedrückt, liegt aber aktuell durch verschiedene Entwicklungen – weniger Landeszuschüsse, gestiegener Spritpreis, Pensionsansprüche – wieder bei 19 Millionen Euro.

Um die Kosten zu drücken, werden seit einiger Zeit neue Fahrer nur noch bei der Tochter „Esbus“ eingestellt. Was übrigens auch für ehemalige, bereits pensionierte Aseag-Fahrer gilt, die reaktiviert wurden. Woraus sich eine Zweiklassengesellschaft innerhalb des Unternehmens ergibt. Dass die Fahrer von Privatunternehmen, die mittlerweile über 40 Prozent der Aseag-Fahrten „bedienen“, deutlich weniger verdienen, ist bekannt. Aber auch die „Esbus“-Fahrer bekommen weniger als die Kollegen mit Aseag-Altverträgen. So mangelt es zum Beispiel an einer betrieblichen Altersvorsorge, es gibt weniger Urlaub, dafür mehr Arbeitsstunden und so weiter. Und das bei gleichem Stress in diesem nicht einfachen Job. Alles zusammengenommen hat zu immer mehr Unmut geführt.

Und dieser Unmut hat sich auch in seit längerem laufenden, schwierigen Tarifverhandlungen geäußert, die lange ergebnislos blieben. Eigentlich, so Philipp, habe man den erst 2015 auslaufenden Vertrag vorzeitig verlängern wollen, wobei allerdings mit harten Bandagen – auch seitens der Gewerkschaft „Ver.di“ in Düsseldorf – gekämpft wurde. Der OB sagt, dass es gerechter werden soll, eine vollständige Gerechtigkeit aber nicht zu erreichen sei. Was natürlich eine Frage des Geldes ist. Auch Aseag-Aufsichtsratvorsitzender Heiner Höfken sagt: „Dass die Personalkapazität seit Jahren auf Kante genäht ist, kann man nicht schönreden.“ Bisher habe das jedoch funktioniert. Einen ÖPNV zu den alten Konditionen könne heute keine Stadt mehr bezahlen, weswegen alle den Weg über Tochterfirmen gingen. Auch ihm sei jedoch klar, dass das im Zusammenspiel mit den gestiegenen Anforderungen sicher ein Grund für die aktuelle Misere sei.

Am Donnerstag ist nun jedoch bei den Tarifverhandlungen weißer Rauch aufgestiegen. Man habe sich auf einen Tarifvertrag für die „Esbus“-Fahrer geeinigt, sagt Claus Schramm. Details nennt er noch nicht, weil noch Unterschriften fehlen. Auch bei der Aseag war über Inhalte noch nichts zu erfahren. Dass kurz darauf alle Fahrten wieder stattfinden sollen, ist zumindest bemerkenswert.

Damit jedoch werden nicht alle Probleme bei der Aseag gelöst sein. So stellt Schramm fest, dass „der unternehmerische Versuch, ein konservatives Traditionsunternehmen mit zentralisierter Führung zu einem Wirtschaftsunternehmen mit Centerfunktionen und dezentralen Strukturen umzubauen“, gelegentlich zu „Akzeptanzverlusten“ in der Belegschaft führe. Ebenso würden gerade in der Umsetzungsphase Kapazitäten gebunden.

Betriebsrat Schramm sieht auch die Politik  in der Pflicht, einzuwirken. Schließlich handele es sich beim ÖPNV um eine Leistung der Daseinsvorsorge. Für den OB wird das aktuelle Geschehen nochmals hinterfragt werden müssen.

Die jeweilige Tagesliste mit den ausfallenden Fahrten – so es noch welche gibt – bekommt man im Internet unter www.aseag.de.  Auf die Frage nach wirtschaftlichen Auswirkungen, also Verlusten durch Ausfälle mittlerweile im vierstelligen Fahrtenbereich, will die Aseag keine Antwort geben.


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