„Arsen und Spitzenhäubchen“: Bitterböses glänzend in Szene gesetzt

Von: Kristina Toussaint
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Bitterböse und witzig: Studierende der Musikhochschule überzeugten am Samstagabend bei der Voraufführung von „Arsen und Spitze“. Offizielle Premiere ist am Dienstag. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Agnes und Martha Mondschein sind zwei gutmütige, fürsorgliche ältere Damen, hervorragende Gastgeber und angesehen in der Gesellschaft – so scheint es. Doch einige der Gäste, die die Schwestern in ihren freien Zimmern zur Zwischenmiete aufnehmen, verlassen das Haus nicht mehr lebendig.

Beziehungsweise verlassen es überhaupt nicht: im Keller des Mondschein-Hauses liegt inzwischen ein Dutzend Leichen begraben. Studierende der Hochschule für Musik und Tanz bringen eine moderne, lokal eingefärbte Version von „Arsen und Spitzenhäubchen“ auf die Bühne.

Auch mit ihrem morbiden Hobby möchten die Mondschein-Schwestern, gespielt von Daniella Sarabia und Charlotte Fenudi, eigentlich nur Gutes tun: Sie erlösen Einsame und mit dem Leben Hadernde von ihrem Leid, und befreien die Gesellschaft von Menschen, die mit ihren überholten Ansichten Andere nur behindern. Jüngst in der Versenkung verschwunden ist in der Textfassung des Kölner Dramaturg und Autors Viktor Kossack daher auch: AfD-Politiker Björn Höcke.

Die Komödie von Joseph Kesselring, in den 1940er ein Kassenschlager am Broadway und in den Kinosälen, gilt als Klassiker des rabenschwarzen Humors. Kossacks Fassung nimmt die Komödie heraus aus dem New York der dieser Zeit und versetzt sie ins heutige Deutschland. Neben dem „Erlkönig“ und dem Operettenstück „Lippen schweigen“ finden so auch der Puhdys-Song „Wenn ein Mensch lebt“ und der Youtube-Hit „Richtig geil“ von 2007 Platz im musikalischen Repertoire des Stücks.

Beim Verschwindenlassen der Leichen sind die Tanten auf ihren Neffen Fritz (Krzystof Maletzko) angewiesen. Der geistig eingeschränkte Fritz hält sich für Friedrich den Großen. Die Tanten machen ihm weis, dass er – statt wie im Original den Panama-Kanal – im Keller das Fundament für den Berliner Flughafen BER aushebt.

„Dienst an der Gesellschaft“

Aufgedeckt wird der „Dienst an der Gesellschaft“ von Agnes und Martha Mondschein von einem weiteren Neffen: Theater- und Opernkritiker Michael Mondschein stößt auf eines der an vergifteten Holunderwein verendeten Opfer. Der von Claudius Gatzweiler überspitzt schnöselig gespielte Michael erntete bei der Voraufführung am Samstag in der Musikhochschule am Theaterplatz besonders viele der zahlreich gesäten Publikumslacher. Michaels Ziel: die Tanten und den unwissenden Komplizen Fritz in die „Goldene Zukunft“ einweisen zu lassen – ein Wohnheim für psychisch Kranke.

Die Erarbeitung eines Schauspiels ist Teil der szenischen Ausbildung, die die Studierenden des Operngesangs durchlaufen. Die stimmliche Präsenz der Sänger entwickle sich dadurch enorm, so Regisseur Tobias J. Lehmann. „Außerdem erfahren die Studenten ein Kollektiverlebnis und lernen, sich innerhalb des Ensembles aufeinander zu verlassen.“ Innerhalb von sechs Wochen hat die Gruppe die rabenschwarze Komödie einstudiert. Bis zur offiziellen Premiere am Dienstag soll das im Moment zwei Stunden dauernde Stück noch etwas „straff gezogen“ werden. „Bei einer Komödie spielt Tempo eine extrem große Rolle“, so der Dozent.

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