Archivalie des Monats: Platz für „Volksbelustigung“

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Auf den Spuren der Bend-Historie: Peter Loosen und Rolf Offermanns vom Schaustellerverband sowie Angelika Pauels und Dr. René Rohrkamp (von links) vom Stadtarchiv. Foto: Stadt Aachen/Nadine Jungblut

Aachen. Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als „Archivalie des Monats“. Die jeweilige Archivalie mit einem kurzen Begleittext wird dann einen Monat lang in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert.

Die Archivalie des Monats August zeigt das Plakat für den Frühjahrsbend 1951, das von dem Aachener Architekten, Zeichner und Illustrator Bernd Metzmacher (1915 bis 1984) entworfen wurde. An Kirchweihtagen und während Wallfahrten fanden in Aachen bereits im 15. Jahrhundert jahrmarktähnliche Veranstaltungen rund um die Pfarrkirchen und den Aachener Dom statt, teilweise sogar im Kreuzgang des Domes.

Am 2. Juni 1798 verlegten die Stadtväter den großen Jahrmarkt unter die Arkaden in der Komphausbadstraße und rund um die öffentliche Promenade. Ab 1805 wurde er dann in den Buden auf der Wiese hinter der neuen Redoute organisiert. Diese Wiese hinter dem heutigen Alten Kurhaus hatte die Stadt ursprünglich für die Einrichtung weiterer Kuranlagen gekauft. Die mundartliche Aachener Bezeichnung für Wiese „Bend“ übertrug der Volksmund schon bald von diesem neuen Veranstaltungsort auf die Veranstaltung selbst.

Im Jahr 1900 konzentrierte der Polizeipräsident – in Absprache mit der Stadt – die zahlreichen über den Sommer verteilten weltlichen Kirmesveranstaltungen während der Pfarrkirmessen auf einen gemeinsamen Termin von drei aufeinanderfolgenden Tagen Anfang August. Während dieser drei Tage fand nun über die ganze Stadt verteilt auf Plätzen und Straßen die Stadtkirmes statt, die den Namen „Aachener Bend“ beibehielt. 1911 wurde der Termin auf Mitte August verlegt und erstmals auch der Blücherplatz als Aufstellungsplatz für Kirmesattraktionen zugelassen.

Am 11. März 1927 beschloss die Stadtverordneten-Versammlung schließlich die Anlage eines Geländes speziell für die Durchführung von sogenannten „Volksbelustigungen“ in der Nähe des Westbahnhofs auf dem Grundstück zwischen Süsterfeld, Langenbenden (heute Kühlwetterstraße) und Schwarzbachstraße (heute Henricistraße). Mit Ratsbeschluss vom 27. Juli 1927 erhielt dieser Platz den Namen „Aachener Bend“. Vom 14. bis 23. August 1927 fand dort erstmals die Kirmes statt.

Die letzte Bendveranstaltung vor dem Zweiten Weltkrieg endete am 22. August 1939, nur wenige Tage vor Kriegsbeginn. Nach dem Krieg fand der Bend erstmals wieder im August 1946 statt, abermals auf dem Blücherplatz, da der Bendplatz während des Krieges sehr stark beschädigt worden war. Nutzbar wurde der Platz erst wieder im Jahre 1949. Und vom 13. bis zum 23. August 1949 fand dort wieder der Aachener Bend statt, an gleicher Stelle wie noch heute. Infos zur Archivalie des Monats gibt es im Internet unter www.aachen.de. Interessenten können sich die Archivalie zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs (dienstags 13 bis 17 Uhr, mittwochs 9 bis 17 Uhr sowie donnerstags 9 bis 13 Uhr) im Lesesaal des Stadtarchivs, Reichsweg 30, ansehen.

Fasziniert von der Archivalie zeigten sich indes Peter Loosen, Chef des Aachener Schaustellerverbands, und Rolf Offermanns. Sie kennen sich von Kindesbeinen an und waren damals schon Dauergäste auf dem Öcher Bend. „Meine Mutter hat mich immer Bend-Ratte genannt“, schmunzelte Peter Loosen. Damals nannte sich der Ort noch „Platz der schwarzen Füße“, weil der Boden voller Kohlestaub war.

„Abends ging’s immer ab in die Zinkwanne zum Füße-Schrubben“, erzählte Loosen lachend. Sprachlos war er dann doch, als er das Original-Plakat aus dem Jahre 1951 in den Händen halten durfte. Sichtlich bewegt machten die alten Freunde ein gemeinsames Bild mit der Archivalie des Monats August.

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