Architekten beschäftigen sich mit Neugestaltung des Kaiserplatzes

Von: Katharina Redanz
Letzte Aktualisierung:
11259870.jpg
Beleuchtung in Form eines „Heiligenscheins“: 25 Architekten entwickelten in einen Workshop Ideen, wie der Bereich am Kaiserplatz umgestaltet und aufgewertet werden könnte. Tabus gab es dabei – wie man sieht – nicht. Entwurf: Björn Martenson, Amunt/Bartscher Architekten
11263726.jpg
„Denkwerk: Stadt“: Zunächst machten sich die 25 Architekten auf zur Ortsbesichtigung am Kaiserplatz, bevor es dann an die Arbeit und zur Ergebnispräsentation ging. Foto: Herrmann

Aachen. Einen Paradiesgarten rund um St. Adalbert, einen neuen Turm am Kaiserplatz, der ihn zum würdevollen Entree zur Innenstadt macht, oder eine Neugestaltung des Platzes mit Wasserelementen: Im Rahmen der Reihe „Denkwerk: Stadt“ vom Bund Deutscher Architekten Aachen (BDA) haben sich am Samstag Architekten in einem ganztägigen Workshop mit einer Umgestaltung des Kaiserplatzes beschäftigt.

Nach verschiedenen Vorträgen am Vormittag und einer Ortsbegehung fanden sich die Teilnehmer in Gruppen zusammen und erarbeiteten in den ehemaligen Räumen von „Strauss“ in der unteren Adalbertstraße unterschiedlichste Entwürfe.

„Es ist nicht so, dass die Stadt auf uns zugekommen ist wegen des Kaiserplatzes“, sagt BDA-Vorsitzender Professor Klaus Klever. Vielmehr sehen er und seine Kollegen selbst die derzeitige Situation im Osten der Innenstadt als problematisch: „Der Kaiserplatz ist eine wichtige Visitenkarte von Aachen, die sich derzeit nicht würdig präsentiert.“ Der ganze Bereich mit Kaiserplatz, Stiftstraße, Promenadenstraße, Gasborn und Heinrichsallee müsse eigentlich neu gedacht werden – mit einem Workshop wie diesem nun wolle man einen Prozess anstoßen.

Genau deshalb sei das Ziel des Tages auch nicht gewesen, Entwürfe zu entwickeln, die eins zu eins umgesetzt werden könnten. „Wir wollten über die realen Möglichkeiten hinausgehen, haben keine Grenzen gesetzt, es gab keine Tabus“, so Klever. Und das nutzten die rund 25 Teilnehmer aus Aachen und der Region.

Während die Problematiken rund um die Drogenszene komplett ausgeklammert wurden – dazu seien Architekten fachlich nicht in der Lage – und auch das neue Aquis Plaza nicht angefasst wurde, reichten die verschiedenen Entwürfe von eher spärlichen Änderungen bis hin zu einer kompletten Neugestaltung des Areals.

So etwa wurde gleich in mehreren Entwürfen der Busverkehr aus der Schleife rund um den Adalbertsfelsen verbannt und der Bereich zu einer Art Vorplatz für die Kirche umfunktioniert – eine Idee, die sicherlich für Diskussionen sorgen wird. In mehreren Entwürfen wurde die Bebauung rund um den Felsen entfernt oder erneuert. Außerdem wurde mehrfach das Gebiet rund um die Kirche als eine Art ruhige Insel identifiziert – als ruhiger Platz, Ort für Kunst und Musik oder als Garten, der mitten im geschäftlichen Treiben der Innenstadt zum Entspannen einlädt.

So etwa im Entwurf von einem studentischen Team, das ebenfalls am Workshop teilgenommen hat: „Der Kaiserplatz liegt zwischen den umgrenzenden Straßen wie eine Insel, oben auf dem Felsen hat man das Gefühl über der Stadt zu sein, das bieten sich optimal für einen Ruheort an“, erklärt Olga Rausch, Architektur-Master-Studentin an der RWTH. Gemeinsam mit vier Kommilitonen wurde aber auch die städtische Lage berücksichtigt: „Unterhalb, rund um den Felsen stellen wir uns eine Bebauung vor, die an die Umgebung angepasst ist und Platz für städtisches Treiben wie etwa Gastronomie oder Geschäfte bieten.“

Eine ganz andere Idee hatten die Architekten Björn Martenson und Alexander Bartscher: In ihrem gemeinsamen Entwurf gehe es nicht um eine Verschönerung des Platzes, schließlich „ist der Kaiserplatz einfach ein Ort mit viel Verkehr, laut und ungemütlich“, so Martenson. Das müsse so akzeptiert und bestmöglich genutzt werden: „Geschäfte gibt es in diesem Bereich schon genug, Wohnraum allerdings wird immer gebraucht“, erklärt Bartscher, daher stellen beide sich eine Wohnraumbebauung rund um die Kirche vor – „passend zum Kaiserplatz mit großem Volumen und klaren Kanten.“

Highlight ihres Entwurfes ist allerdings eine riesige, kreisförmige Beleuchtung über der Kreuzung, die an einen Heiligenschein erinnert. „Wir müssen den Kaiserplatz so feiern, wie er ist“, sagt Bartscher, „mit einem solchen ‚Heiligenschein‘ könnte man den Ort wirklich zu einem Ort machen.“ Ganz Aachen wisse dann, „der Kaiserplatz, das ist der Platz mit der Beleuchtung“, so Bartscher. Das funktioniere ja jetzt auch schon mit dem Europaplatz – bekannt als der Platz mit dem Springbrunnen.

Dass ihre Entwürfe wohl eher nicht umgesetzt werden, ist den beiden Aachener Architekten bewusst – auch wenn sie ihre Ideen für durchaus realistisch halten. Aber genau darum sei es bei dem Workshop gegangen: Denkanstöße aller Art und keine Tabus. „Wir brauchen frische Impulse für Aachen“, sagt der BDA-Vorsitzende Klever, er freue sich über provokative Ideen wie etwa die des Heiligenscheins. Insgesamt ist er zufrieden mit dem Verlauf des ersten Workshops der „Denkwerk:Stadt“-Reihe: „Es ist toll, dass so viele Kollegen an einem Samstag hier teilgenommen haben.“

Allein mehr Öffentlichkeit habe er sich gewünscht, schließlich seien auch gezielt Bürger und Anwohner des Gebiets angesprochen worden, sich mit Vorschlägen und Anregungen miteinzubringen. „Aber vielleicht wird das bei der nächsten „Denkwerk:Stadt“ schon anders“, sagt er. Die findet wahrscheinlich im Frühjahr statt, welcher Ort dann betrachtet werde, wisse er noch nicht sicher. „Aber es gibt viele Situationen in Aachen, die ähnlich problematisch sind“, so Klever, als Beispiel nennt er die Kurhausstraße.

Die Entwürfe von der „Denkwerk:Stadt“ um den Kaiserplatz werden in einer Broschüre gesammelt und dann weiter diskutiert werden, denn „wir wollen das, was wir heute angefangen haben, auf jeden Fall weiter fortsetzen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert