„Archimedischer Sandkasten“: Buddeln und bauen im Schatten des Doms

Von: Johannes Leitner
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Endspurt: Im und am „Archimedischen Sandkasten“ auf dem Katschhof sind viele tolle Sandburgen und sehenswerte Holzskulpturen entstanden. Foto: Michael Jaspers
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Noch bis zum Sonntag läuft die Aktion im Rahmen von „Future Lab“. Danach werden die 140 Tonnen Sand abtransportiert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer in den letzten drei Wochen über den Katschhof spazierte, staunte nicht schlecht: Ein großer Sandkasten lud dort zum Buddeln, Spielen und entspannten Verweilen ein. Und nicht nur das, mit der Zeit entstanden dort auch verschiedene Holzskulpturen aus Dachlatten.

Die Kunstwerke sind Ergebnisse des Projekts „Archimedischer Sandkasten“, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand. Entwickelt und gebaut wurden sie von Kindern in Workshops in einer Ferien-Werkstatt.

Der Archimedische Sandkasten gehört zum Programm des „Future Lab Aachen“ und stand diesmal unter dem Motto „Zukunft bauen“. Susanne Schwier, Dezernentin für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport, betonte, sie sei „nahezu ‚geflasht‘ von der Kreativität der Kinder, wie man Neudeutsch sagt“. Sie sei beeindruckt von den „sagenhaften Kunstwerken“. Eine der Holzskulpturen, das sogenannte „Stargate“, das anmutet wie eine Sonne oder ein Stern, hat sie für den Vorgarten des Verwaltungsgebäudes in der Mozartstraße gewinnen können. Schwier sagte, das Projekt zeige, „dass Aachen eine familienfreundliche Wissenschaftsstadt ist“.

Sandkasten und Ferien-Werkstatt sind ein Kooperationsprojekt der Stadtverwaltung mit der Bleiberger Fabrik und dem Netzwerk „Zukunft durch Innovation“ (zdi). Gesponsert wurde die Aktion von der Stawag, das Werkzeug wurde zur Verfügung gestellt von der Firma „Deubner Baumaschinen“. Projektleiterin Dr. Jutta Göricke vom Fachbereich Presse und Marketing der Stadt Aachen erzählte, dass „tausende Besucher auch bei Wind und Wetter“ das Angebot genutzt haben. „Dieses Jahr hatten wir auch erstmals einen Projekttag, an dem das ‚eXploregio.mobil‘ und der ‚FabBus‘ der FH Aachen, ein Mobil mit 3D-Druckern, hier Station gemacht haben“, so Göricke weiter.

Neben dem „Stargate“ finden sich auf dem Platz zwischen Dom und Rathaus ganz unterschiedliche Skulpturen: Ein Fisch, ein Baum, ein Flugzeug, eine Brücke, ein Sofa oder ein Insekt namens „Sandfresser“ gehören etwa dazu. „Als Material haben wir Dachlatten und Schrauben benutzt. Es ist kein reines Kunstprojekt, sondern auch ein wissenschaftlich-architektonisches. So mussten die Kinder zum Beispiel erst mit Unterstützung eines Architekten austüfteln, wie sie beim Baum für die Krone eine Kuppel konstruieren“, erläuterte Sibylle Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik, die für die pädagogische Leitung zuständig ist.

Die Skulpturen haben die jungen Künstler und Handwerker zuvor als Modelle im Maßstab 1:5 in der Werkstatt vorgebaut. Der 13-jährige Marc erklärte, woran er gearbeitet hat: „Ein Freund und ich hatten die Idee, einen Fisch zu bauen. Wir haben erst mit der Grundlage angefangen, haben dann in die Höhe weitergebaut, danach kam die Heckflosse und zum Schluss das Maul. Dann haben wir alles verstärkt. Dabei haben wir immer wieder neue Ideen eingebaut.“ Der Fisch soll zum Bezirksamt Haaren kommen.

Wilfried Ullrich vom Vorstand der Stawag hob hervor, dass der Energieversorger das Projekt sehr gerne unterstütze. „Wir sehen da sogar einen Bezug zu unserer Bautätigkeit, wir buddeln ja auch in der Erde. Auch wenn man natürlich sagen muss, dass der Sandkasten und die Skulpturen etwas schöner aussehen als unsere Baustellen“, sagte er schmunzelnd.

Und auch Rolf Deubner von Deubner Baumaschinen ist begeistert, was die jungen kreativen Köpfe mit seinen Akkuschraubern hergestellt haben: „Ich freue mich unheimlich darüber. Ich finde es mutig, dass die Verwaltung bereit ist, das Herzstück der Stadt für dieses Experiment freizugeben. Und wenn man den Glücksfall hat, dass so viele Beteiligte zusammenkommen, dann haben wir als Unternehmen die gesellschaftliche Pflicht, uns auch zu engagieren. Wir sind auch nächster Jahr definitiv wieder dabei.“ Deubner hat selbst Interesse an einigen Skulpturen, er liebäugelt sogar mit dem eigenen Garten als Standort. Wenn das nicht klappt, soll zumindest das Gelände seiner Firma dekoriert werden.

Bisher haben etwa 1000 Kinder den Sandkasten besucht, rund 60 haben an den Workshops teilgenommen, schätzen die Veranstalter. Aber auch viele Erwachsene und Senioren haben das „Strandfeeling“ genossen und sich eine kurze Auszeit im Liegestuhl gegönnt, so das Fazit. Noch bis morgen läuft die Aktion. Am Montag werden dann die 140 Tonnen Sand und die Holzskulpturen abtransportiert.

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