Archäologische Vitrine säuft im starken Regen ab

Von: Robert Esser
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Nach 5000 Jahren der Öcher Witterung ausgesetzt: Überschwemmungen und Moos-Bewuchs setzen den kostbaren Relikten in der Archäologischen Vitrine schon nach wenigen Monaten zu. Foto: Robert Esser

Aachen. Ohne Moos nix los? Von wegen. In die 850.000 Euro teuren Archäologische Vitrine im Elisengarten strömen die Menschen in Massen. Für Wasser gilt das leider auch. Dazu taucht Grünbewuchs auf. Bei starkem Regen verwandelt sich die Grube nämlich regelmäßig in eine Art historische Pool-Landschaft.

Zuweilen schwemmt ein starker Guss so viel Schlamm auf die von Archäologen mühsam mit feinsten Pinselchen freigelegten Artefakte, dass der Blick in 5000 Jahre Aachener Stadtgeschichte ganz schön dreckig ausfällt.

Geplant war das natürlich ganz anders. Zur Eröffnung des schmucken Glas-Stahl-Ensembles im April dieses Jahres teilte die Stadt noch mit: „Eine begehbare Schauvitrine macht nun einen Teil der Funde sichtbar und schützt sie gleichzeitig, etwa vor Witterungseinflüssen oder Vandalismus.“ Schon im Juni und Juli zeigte sich, dass die Natur da nicht mitspielt. So ranken mittlerweile Pflanzen zwischen jungsteinzeitlichen und karolingischen Funden. Die sind aber erst einige Monate alt.

Die Ursache für das ungewollte Feuchtbiotop: Nicht etwa ein Planungsfehler, sondern eine falsche Bauausführung an der höher gelegenen Seite des rund 60 Quadratmeter großen Schaukastens habe dazu geführt, dass Wasser über den leicht abschüssigen Fußweg in die 1,40 Meter tiefe Grube eindringt, teilte das städtische Presseamt mit. Weil der Fußweg zu hoch angelegt wurde, fiel die Kante unterhalb der Vitrinenscheibe zu flach aus – was wiederum den Wasserfluss kaum aufhalten konnte. Besserung gelobten Stadt und Baufirma bereits vor zwei Monaten. Neue, höhere Metallwinkel sollten die Flut eindämmen – ohne dass weitere Kosten für die Stadt entstehen.

Aufgegangen ist auch dieser Plan offenbar nicht. Nach Lösungen wird gesucht. Das gilt ebenso für den ungewollten Grünbewuchs, der schon in anderen archäologischen Fenstern der Stadt – etwa schräg gegenüber vom Super C am Templergraben – erstaunliche Blüten trieb. Sogar so weit, dass von den eigentlich zur Schau gestellten Funden gar nichts mehr zu sehen war. Dem Vernehmen nach hat die Stadt jetzt einen Gartenbau-Experten eingeschaltet. Der könnte dann gleich zwei Dinge klären. Denn die Lage ist paradox: Warum wächst in der Vitrine Moos und mehr, während außerhalb des begehbaren Guckkastens der Rasen im Elisengarten seit Jahren so gar nicht richtig sprießen will?

Aachens Stadtarchäologen sind jedenfalls an einer schnellen Antwort brennend interessiert. Bis Ende September sollen die Wartungsarbeiten abgeschlossen sein. Nicht nur Feuersteine aus der Ära 3000 vor Christus, die unter dem Elisengarten ausgebuddelt wurden, könnten nach Jahrtausenden ein jähes Schicksal erleiden. Dann würde die Stadt das Moos womöglich eine Menge Schotter kosten.

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