Arbeitslosem fast den Strom gekappt: bis Jobcenter Licht aufging

Von: Matthias Hinrichs
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Ein Aachener Hartz-IV-Empfänger stand um ein Haar ohne Strom und Heizung da, weil Rechnungen im Zwischenquartier nicht beglichen wurden. Das Jobcenter räumt jetzt „Koordinierungsprobleme“ ein. Foto: dpa

Aachen. Um ein Haar hätte Günter Ganser in seinem Ausweichquartier im Ostviertel nicht einmal mehr heizen oder auch nur das Licht anknipsen können. Nur durch den hartnäckigen Einsatz von „Tatendrang“, sagt der gebeutelte Mieter, sei die Zahlung seiner Stromkosten fast buchstäblich in letzter Minute durch das Jobcenter veranlasst worden.

„Wir wissen immer noch nicht, warum die Überweisungen an die Stawag bereits vor Monaten plötzlich eingestellt wurden“, berichtet Horst Freiling, der sich bei der Hilfsinitiative für Hartz-IV-Empfänger engagiert. Inzwischen ist die sprichwörtliche Kuh fürs Erste vom Eis – allein: Ganser muss weiter fürchten, von seinem neuen Vermieter vor die Tür gesetzt zu werden.

Bereits Ende September war der Langzeitarbeitslose quasi vom Regen in die Traufe geraten. „Weil seine Wohnung nach einem Wechsel des Besitzers kernsaniert wird, ist er seinerzeit erst einmal ins Nachbarhaus eingezogen, das demselben Vermieter gehört“, berichtet Freiling. Dort aber seien die Heizkörper bereits entfernt gewesen, weil es ebenfalls saniert werden soll. Ganser ist seither auf ein mobiles Elektrogerät angewiesen.

Doch die Zahlung der Stromgebühren an die Stawag durch das Jobcenter unterblieb plötzlich – obwohl er die Behörde seit langem ermächtigt hatte, auch die Überweisung der Nebenkosten auf direktem Wege zu regeln. Inzwischen sind Nachzahlungen über satte 326,65 Euro fällig geworden. „Vergangene Woche kam dann der Bescheid, dass der Strom zum 21. Januar abgestellt würde, wenn die Rechnung bis dahin nicht beglichen werde“, erzählt Freiling.

Dabei habe er selbst – ebenso wie der Mieter, der sich vor einigen Wochen hilfesuchend an die Initiative gewandt hatte – das Jobcenter immer wieder aufgefordert, das Problem zu klären. „Am Freitag habe ich zuletzt dort vorgesprochen. Man verwies mich an die Servicestelle. Dort hätte ich aber mit einer Wartezeit von bis zu zwei Stunden rechnen müssen – und das war so kurzfristig einfach nicht möglich.“

Freiling setzte einen Brandbrief an Behördenchef Stefan Graaf auf – mit der Bitte, die ausstehenden Forderungen zumindest vorläufig zu begleichen. „Als wir dann am Montag beim Amtsgericht vorstellig wurden, um dies auf dem letzten Weg einer einstweiligen Verfügung zu erreichen, stellte sich nach einigen Telefonaten heraus, dass das Jobcenter doch noch reagiert hatte.“

In der Tat habe es im Zusammenhang mit dem Wohnungswechsel „Koordinierungsprobleme“ innerhalb der Behörde gegeben, räumt Horst Mendez, Sprecher des Jobcenters in Eschweiler, ein. „Offensichtlich ist in dieser Übergangsphase etwas schief gelaufen. Wir bedauern das und werden es klären. Allerdings wäre es sicher klug gewesen, die Dienste unserer Servicestelle in Anspruch zu nehmen.“ Auch unabhängig davon habe man den akuten Handlungsbedarf immerhin doch noch erkannt.

Inzwischen hat Günter Ganser per Vermittlung durch das Jobcenter auch den Mieterschutzverein einschalten können, ohne dass dadurch weitere Kosten auf den völlig mittellosen Mann zukämen. Auch diese wichtige Hilfestellung, kritisiert Freiling, sei allerdings erst nach mehreren vergeblichen Anläufen ermöglicht worden.

Dennoch: „Wir hoffen, dass der Verein jetzt alles unternimmt, um den völlig unrechtmäßigen Versuch des Vermieters, Herrn Ganser nun auch noch aus seiner Übergangswohnung herauszudrängen, zu vereiteln.“ Denn dies, betont auch Mendez, sei letztlich nur auf privatrechtlicher Basis möglich.

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